Aloys Wilpsbäumer hatte gestern seinen letzten Arbeitstag
„Langeweile wäre für mich fatal“

Greven -

Gestern war sein letzter Arbeitstag. „Aber ich werde sicher Montag noch mal kommen, da gibt es noch einiges zu regeln“, sagt Aloys Wilpsbäumer. Er arbeitete 38 Jahre in der Stadtverwaltung.

Samstag, 21.12.2019, 09:21 Uhr aktualisiert: 21.12.2019, 09:50 Uhr
Ganz oben im Rathaus hat Aloys Wilpsbäumer sein Büro. Hatte, besser gesagt. Denn am Freitag war sein letzter Arbeitstag. Offiziell geht er zum 31. Dezember in den Ruhestand und wird sicherlich noch im großen Rahmen verabschiedet.
Ganz oben im Rathaus hat Aloys Wilpsbäumer sein Büro. Hatte, besser gesagt. Denn am Freitag war sein letzter Arbeitstag. Offiziell geht er zum 31. Dezember in den Ruhestand und wird sicherlich noch im großen Rahmen verabschiedet. Foto: Peter Beckmann

Am Freitag war eigentlich sein letzter Arbeitstag. „Aber ich werde sicherlich Montag noch mal kommen, da gibt es noch einiges zu regeln“, sagt Aloys Wilpsbäumer. Er, der 38 Jahre in der Stadtverwaltung gearbeitet hat – zuletzt als Leiter der Technischen Betriebe Greven – muss natürlich noch seine große Grünpflanze abholen, die ihn 25 Jahre begleitet hat. Aber dann ist – auch noch nicht – Schluss. Bei der offiziellen Einweihung des Wertstoffhofes wird er mit Sicherheit dabei sein.

21 Jahre alt war Aloys Wilpsbäumer, als er sein Studium des Bauingenieurwesens, Verkehrswesens und der Siedlungswasserwirtschaft abgeschlossen hatte. So früh schon? Ist er ein Wunderkind? Wilpsbäumer lacht. „Nein, ich musste nicht zum Bund, damals gab es noch Kurzschuljahre und außerdem habe ich kein volles Abitur, sondern die Fachhochschulreife gemacht“, gibt er die Gründe an.

Nach dem Studium arbeitet Wilpsbäumer viereinhalb Jahre bei der Finanzbauverwaltung in Münster und entwarf die Pläne für den Bau des Militärdepots in Saerbeck. „Ich weiß gar nicht, ob der von mir geplante Finanzrahmen eingehalten werden konnte“, sagt er. Denn: Bevor das Depot nach seinen Plänen gebaut wurde, wechselte er nach Greven. „Ich hatte in der Osterausgabe der Tageszeitung die Stellenanzeige gesehen und dachte mir, das passt.“ Er wollte schlicht aus der militärischen Planung `raus.

Und so kam dann der Emsdettener nach Greven. Ging das denn so einfach? „Mit der Feindschaft zwischen den Städten wird kokettiert, die gab es früher mal, ich selbst habe das nie so erlebt“, sagt er, fügt aber hinzu, dass er selbst eine wesentlich größere Beziehung zu Greven, denn zu seiner Heimatstadt habe.

Bis 1986 arbeitete er unter Wilhelm Zweihaus im Tiefbauamt, dann im Baubetriebsamt, das ausschließlich für die Bauunterhaltung zuständig war und schließlich im Bau- und Entsorgungsbetrieb, den er nach dem Ausscheiden des Technischen Beigeordneten Rolf Leroy alleine führte. 2014 schließlich wurde mit Gründung der Technischen Betriebe Greven (TBG) das Anlagevermögen neu berechnet und somit die Vermögenslage der Stadt so verbessert, dass sie aus der Haushaltssicherung heraus kam. „Die Idee kam auf beim Gespräch mit dem damaligen Wirtschaftsprüfer“, erinnert sich Wilpsbäumer.

Drei Tage vor seinem Arbeitsende liegt noch einiges an Akten auf seinem Schreibtisch, der Kalender ist noch gut mit Terminen gefüllt. „Einen passenden Termin, um aufzuhören, gibt es sowieso nicht“, sagt der 64-Jährige. Er habe es auch nie bereut, bei der Stadt Greven zu arbeiten. „Es hat keinen Moment gegeben wo ich gedacht habe, du bist hier falsch.“

Aber: Zwei, seiner wichtigsten Projekte hat er auf den Weg gebracht: Den Wertstoffhof und die vierte Reinigungsstufe der Kläranlage. „Diese Projekte haben mir sehr am Herzen gelegen.“ Und über den Moment, der ihm am meisten in Erinnerung bleibt, muss man auch nicht lange nachdenken. „Das war natürlich die urbane Sturzflut im Jahr 2014“, erklärt er. „Das war ein Beispiel dafür, wie machtlos der Mensch gegenüber der Natur ist, wenn sie sich wehrt.“ Menschen, die die Klimaveränderungen leugnen, könne er einfach nicht verstehen. „Solche Katastrophen wie in Greven und Münster nehmen immer mehr zu“, sagt er und verweist auf die aktuelle Situation in Südfrankreich und vor Wochen auf die Ereignisse südlich der Alpen.

Was man dagegen machen kann? „Natürlich muss COeingespart werden. Aber man muss auch auf technische Innovationen bauen.“

Wie gesagt: gestern war der letzte Arbeitstag, offiziell geht er am Jahresende in den Ruhestand. Aber: Wilpsbäumer geht leichten Herzens. „Das Feld ist gut bestellt, ich hatte hier fantastische Mitarbeiter. Und nach so langer Zeit ist es gut, das jemand anders übernimmt.“

Und dann? Besteht da die Gefahr der Langeweile? „Nein, das wäre für mich auch fatal“, sagt Wilpsbäumer. Denn: Er hat ein Hobby, dem er die ganzen Jahre so nebenbei nachgegangen ist. Wilpsbäumer kommt von einem Bauernhof, den er geerbt hat und all die Jahre als Nebenerwerbslandwirt betrieben hat und auch weiter betreibt. „Ohne eine sinnvolle Beschäftigung geht es einfach nicht“, sagt er.

Und natürlich werde er ab und an auch mal wieder im Rathaus vorbeischauen, gucken, was die Mitarbeiter so machen und wie sich Projekte entwickelt haben. „Das passiert aber sicher nicht zwei Mal die Woche, ich will hier nicht die Mitarbeiter nerven.“

Das aber würde er sicher nicht. Denn bei seinen Mitarbeitern ist er äußerst beliebt. „So einen tollen Chef bekommt man mit Sicherheit so schnell nicht wieder“, ruft einer der Mitarbeiter, als er mitbekommt, worum es in dieser Geschichte geht.

Nun: Eine neue Chefin bekommen die Damen und Herren vom TBG auf jeden Fall. Maike Bücker-Gittel wurde am Mittwoch im Rahmen der Ratssitzung als Nachfolgerin von Aloys Wilpsbäumer bestellt.

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