Andrang beim umstrittenen Feuerwerksverkauf – Umweltbedenken zum Trotz
Shoppen für das große Knallen

Greven -

Drei Tage lang durfte eingekauft werden, heute Nacht wird das Ergebnis sichtbar und hörbar. Der Feuerwerksverkauf vor Silvester lief auch in diesem Jahr gut. „Mindestens auf Vorjahresniveau“, wie ein Grevener Geschäftsmann einschätzt. Dabei ist die Knallerei mittlerweile umstritten.

Montag, 30.12.2019, 23:59 Uhr aktualisiert: 05.01.2020, 16:03 Uhr
Ökologisch umstritten, aber beliebt: Der Feuerwerksverkauf, der heute endet, war auch in diesem Jahr wieder ein Erfolg für den Handel. Auch Moni Jeiler aus Reckenfeld (kleines Bild, rechts) deckte sich am Samstag mit dem nötigen Equipment ein.
Ökologisch umstritten, aber beliebt: Der Feuerwerksverkauf, der heute endet, war auch in diesem Jahr wieder ein Erfolg für den Handel. Auch Moni Jeiler aus Reckenfeld (kleines Bild, rechts) deckte sich am Samstag mit dem nötigen Equipment ein. Foto: Jannis Beckermann

Moni Jeiler hat den Einkaufswagen gut gefüllt: Bunte Raketen, mehrere Pyrobatterien für den großen Glanz und ein paar Knaller, die Dienstagnacht lautstark das neue Jahr einläuten sollen. Silvester ohne Feuerwerk? „Unvorstellbar“, sagt die Reckenfelderin, die am Samstagmorgen in der Postenbörse an der Emsdettener Straße auf Böller-Shoppingtour unterwegs ist.

„Das Knallen und Leuchten“, da sind sich Jeiler und ihre Begleiterin aus der Familie einig, „gehört zum Jahreswechsel wie Bleigießen und Raclette-Käse.“ Erst kommt das Schweizer Traditionsessen samt Orakel, dann Sektanstoßen und Böllern. Und das gefühlt schon immer.

Allein sind die beiden Frauen mit dieser Haltung „zwischen den Jahren“ in Greven gewiss nicht. Väter, Söhne, Herrenrunden – besonders die Männer schlagen beim drei Tage laufenden Feuerwerksverkauf vor Silvester zu. Die Schlangen an den Kassen der Postenbörse und anderer Märkte sind jedenfalls bereits kurz nach dem offiziellen Verkaufsstart lang. „Mindestens auf Vorjahresniveau“, wie Postenbörsen-Geschäftsführer Volker Luchte die Nachfrage schätzt.

Deutschlandweit, sagt der Branchenverband der pyrotechnischen Industrie, wandern bis heute gar Silvesterknaller im Wert von 133 Millionen Euro über die Ladentheken. Und all das, obwohl die Debatte um ein Böllerverbot zuletzt an Fahrt gewonnen hat. Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage könnten sich immerhin 57 Prozent der Deutschen ein Ende der privaten Knallerei vorstellen.

Grund ist neben Tierschutz und Sicherheit die Luftverschmutzung durch das Feuerwerk. Denn allein in der Neujahrsnacht wird mit 4000 Tonnen fast genauso viel Feinstaub freigesetzt wie sonst in knapp zwei Monaten im Straßenverkehr, lautet eine Schätzung des Umweltbundesamtes. Die Behörde warnte daher zuletzt eindringlich mit Medizinern und Umweltaktivisten vor einem, so wörtlich, „explosionsartigen Anstieg“ gesundheitsschädlicher Feinstaubpartikel.

„Übertrieben“ findet dagegen Postenbörsen-Chef Volker Luchte die Debatte. „Man sollte den Leuten nicht jede Freiheit nehmen“, meint er, der unbestreitbaren Umweltbelastung zum Trotz. Im Sinne seiner Kundinnen wie Monika Jeiler liegt der Geschäftsmann damit auf einer Linie mit den meisten anderen Anbietern in der Emsstadt. K&K, Rewe, Aldi, Edeka – die großen Supermarkt- und Discounterketten führen zumindest hier vor Ort allesamt weiterhin Feuerwerkskörper.

Eine Ausnahme gibt‘s dann aber doch: Der Hagebaumarkt an der Philipp-Manz-Straße verzichtet komplett aufs Böller-Geschäft. „Wir machen das seit Jahren nicht mehr“, erklärt Vize-Betriebsleiter Olaf Hinxlage. Rückläufige Umsätze, strenge und teure Lagervorschriften sowie der Umweltschutz seien die Gründe. „Und damit“, sagt er, „können wir bestens leben.“

Wer dennoch zum Böller greifen will, hat bei den übrigen Händlern aber die Qual der Wahl. „Es gibt für jeden Geschmack etwas“, versichert wiederum Postenbörsen-Chef Luchte.

Sein Verkaufsschlager sind die Batterien, welche – einmal angezündet – automatisch ein professionelles Feuerwerk abbrennen. Wer es so bis zu vier Minuten am Stück krachen lassen will, muss auch mal bis zu 100 Euro pro Box auf den Tisch legen. Günstiger sind hingegen die Mischpakete, die besonders Familien bevorzugen.

Laut krachende China-Böller verkauft die Postenbörse indes nur noch selten. „Diese Produkte wollen meist nur junge Männer“, schmunzelt der Marktchef, der Kunden auch von weit her nach Greven lockt. Die ersten am Samstagmorgen waren zwei Niederländer, die sich fürs heimische Neujahrsfest hinter der Grenze eindecken wollten.

Das Gros der Käufer kommt am Ende aber doch von nebenan. So wie Moni Jeiler aus Reckenfeld. Sie freut sich trotz der Verbotsdiskussion auf den heimischen Silvesterabend inklusive Feuerwerk und schwärmt: „Die bunten Lichter am Himmel anzusehen, ist einfach toll.“ Feinstaub hin oder her.  

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