Neujahrsempfang der Martinusgemeinde: Werben um Optimismus und Engagement
„Es war und bleibt spannend“

GReven -

Frank Möllmann redete beim Neujahrs-Empfang der Martinus-Gemeinde nicht drum herum: „Dass Katholiken eine tiefe Vertrauenskrise erleben, lässt sich nur schwer ausblenden“, so der Pfarreiratsvorsitzende. „Wenn wir ehrlich sind, suchen die Menschen, die eben nicht mehr so existenzielle Nöte leiden wie früher, unsere Kirche im Alltag einfach weniger“, lautet Möllmanns Diagnose.

Sonntag, 05.01.2020, 17:58 Uhr aktualisiert: 06.01.2020, 15:32 Uhr
Erhoben beim Neujahrsemfang gemeinsam das Glas aufs neue Jahr: Pfarrer Klaus Lunemann (links) und Pfarreiratsvorsitzender Dr. Frank Möllmann.
Erhoben beim Neujahrsemfang gemeinsam das Glas aufs neue Jahr: Pfarrer Klaus Lunemann (links) und Pfarreiratsvorsitzender Dr. Frank Möllmann. Foto: Jannis Beckermann

Eigentlich war der Redeblock dieses Neujahrsempfangs zu Ende. Aber der Martinuspfarrer wollte seiner Kirchengemeinde bei aller katholischen Dauerkrise dann doch eine Schüppe Optimismus mit auf den Weg geben. „Ich glaube,“ befand ein kämpferischer Klaus Lunemann, „bei uns geht noch was.“ Denn Austrittswellen, Missbrauchsskandal oder Zölibatskontroverse zum Trotz: „Wir sind immer noch eine ganze Reihe Menschen, die ihren Glauben leben“, erinnerte der Martinuspfarrer beim traditionellen Sektanstoß zum neuen Jahr an jene gesellschaftliche Breitenwirkung, die Kirche – zumindest in Städten der Größe Grevens – immer noch hat. Auch Anno 2020.

Passend dazu füllte sich das Haus der Begegnung beim Traditionstermin am gestrigen Sonntag anders als in manchen Vorjahren mit zahlreichen Gemeindemitgliedern. Sie lauschten nicht nur dem Pfarrer, sondern auch dem Pfarreiratschef bei einem durchaus selbstkritischen Blick auf die Entwicklung der größten Kirchengemeinde der Stadt.

Bei aller Verankerung durch lebendige Kirchenkultur vor Ort konstatierte nämlich zumindest Frank Möllmann: „Dass Katholiken eine tiefe Vertrauenskrise erleben, lässt sich nur schwer ausblenden“, so der Pfarreiratsvorsitzende. Empörte Gläubige, die sich über Vertuschung von Straftaten ärgern, die Frauenbewegung Maria 2.0., laute Rufe nach Anerkennung gleichgeschlechtlicher Liebe – das alles seien indes nur aktuelle Symptome einer Entwicklung, die schon lange währt.

„Wenn wir ehrlich sind, suchen die Menschen, die eben nicht mehr so existenzielle Nöte leiden wie früher, unsere Kirche im Alltag einfach weniger“, lautet Möllmanns Diagnose.

Und die untermauert er mit Zahlen: Weniger Taufen, weniger kirchliche Eheschließungen, weniger Gottesdienstbesucher. Gemeindeleben, das weiß nicht nur der Pfarreiratschef, wird sich in den kommenden Jahren massiv verändern.

Diesen Wandel jedoch aktiv zu gestalten, dafür warb Möllmann am Sonntag energisch. „Wir sollten neue Dinge wagen“, blickte er etwa auf die anstehende Einweihung der im Bau befindlichen Josefskirche. Es werde auch in diesem neuen Gotteshaus darauf ankommen, die Menschen in ihren Sorgen abzuholen, schloss sich Pfarrer Klaus Lunemann dieser Botschaft an.

Er blickte im Weiteren auf personelle Veränderungen im Pastoralteam. So erinnerte Lunemann an den Tod des von vielen Gläubigen geschätzten Priesters Udo Diepenbrock sowie an den Weggang von Pastoralreferentin Dorothee Grütters.

Erfreulich hingegen nicht nur für den Pfarrer: Der frische Wind, den Neuzugänge wie Anthony Adani, nigerianischer Priester der Weltkirche, ins Gemeindeleben brachten.

Zu guter Letzt warb Lunemann zudem um Verständnis für die von ihm gewählte dreimonatige Auszeit, die er nach Ostern nutzen will, um in sich zu gehen. „Was soll kommen? Was war? Manchmal braucht man Nachdenkzeit und Ruhe, um sich darüber klar zu werden“, sagt Lunemann, der aber zuletzt im Pfarrbrief versicherte, auf jeden Fall wiederkommen zu wollen.

Sein mehr als passendes Fazit: „Es war und bleibt spannend in St. Martinus.“

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