Renaturierung der Ems rund ums Freibad
Ein gigantischer Sandkasten

Greven -

Viele Jungen und auch Männer beneiden Frank Hildebrand um seinen Job. Der Mann fährt eine Planier-Raupe und ist zur Zeit auf der Großbaustelle an der Ems rund um das Freibad tätig. Dort wird die Ems renaturiert und in diesem Zusammenhang der Lauf des Flusses erheblich verändert.

Mittwoch, 08.01.2020, 12:28 Uhr aktualisiert: 08.01.2020, 12:50 Uhr
Frank Hildebrand sitzt seit 39 Jahren auf einer Planier-Raupe – und noch immer hat er Spaß daran. Zuzeit ist er in Sachen Renaturierung der Ems rund um das Freibad tätig.
Frank Hildebrand sitzt seit 39 Jahren auf einer Planier-Raupe – und noch immer hat er Spaß daran. Zuzeit ist er in Sachen Renaturierung der Ems rund um das Freibad tätig. Foto: Peter Beckmann

Viele, ganz viele Jungen und Männer träumen davon. Und: Man kann sich das Vergnügen sogar kaufen. In der kleinen Version kostet die halbe Stunde 50 Euro. Der große Bruder ist erheblich teurer. Unter 190 Euro geht das nichts. Tja, Frank Hildebrand dagegen bekommt dafür sogar noch Geld. Seit 39 Jahren sitzt er auf einer Planier-Raupe – und noch immer hat er Spaß daran. Zuzeit ist er in Sachen Renaturierung der Ems rund um das Freibad unterwegs.

Der erste Blick auf die Baustelle vermittelt einen riesig großen Sandkasten. Überall, wohin man auch schaut, überall liegt Sand oder auch Mutterboden. Letzterer schön aufgeschichtet, ein beachtlicher Berg. Die Sandhaufen daneben sind auch nicht viel kleiner. „Das wird hier alles noch weggefahren“, erklärt Hildebrand.

150 000 Kubikmeter werden östlich der Emsbrücke bewegt, weitere 350 000 Kubikmeter sind es auf der anderen Seite. „Wir haben dafür rund ein Jahr Zeit“, erklärt der Raupenfahrer. Das sei sehr knapp, aber zu schaffen.

Die Baustelle wird momentan von der Grevener Straße, die nach Gimbte führt, angefahren. Dort hat man eine Art Straße angelegt, die zum Teil mit dicken Stahlplatten ausgelegt ist. Es ist alles recht nass und sumpfig in dem Gebiet. Und vor lauter Sand nimmt man den Hauptdarsteller, um den es hier geht, gar nicht wahr. Die Ems fließt im Hintergrund ganz unaufgeregt in ihrem alten Bett.

Aber nicht mehr lange. Dafür sorgen Hildebrand und seine Kollegen. Das passiert technisch richtig ausgefuchst. Denn: Wie soll ein Baggerfahrer wissen, wo er wie tief baggern soll? „Früher wurde das noch per Hand vermessen, heute gibt es dafür GPS“, erklärt der Arbeiter der Firma Strabag, die das Emsrenaturierungsprojekt ausführt. Heißt: Die Baggerfahrer haben ein Display im Fahrzeug, auf dem genau aufgezeigt wird, wo wie tief gebaggert werden muss. Das, was sie ausbaggern, schiebt Hildebrand mit seiner Planierraupe an die Seite.

Er und seine Kollegen – die Zahl wechselt je nach Stand der Arbeiten – sind auf Montage. Sprich: Sie übernachten unterhalb der Woche in Gästezimmern in Reckenfeld, am Freitagmittag fällt der Hammer und es geht nach Hause ins Wochenende. „Immer auf Montage ist nicht schön, geht aber meistens nicht anders“, sagt Hildebrand.

Und er schwingt sich wieder auf seine Raupe und schiebt Unmengen Sand von A nach B, der Berg wird immer größer.

Dann fällt der Blick auf die vielen Baumwurzeln, die am Rande der Baustelle lagern. „Da haben Sie aber wohl einiges an Bäumen platt gemacht“, geht die Frage an Hildebrand. Doch der hat eine ganz andere Erklärung. „Nein“, sagt er. „Die wurden von der Bezirksregierung angeliefert und werden später in den Flusslauf eingebaut als Versteck für Fische oder anderes Getier.“ Ein Teil der Renaturierungsmaßnahme, mit deren Hilfe der Höhenunterschied, der bislang mit zwei Staustufen ausgeglichen wurde, aufgefangen wird.

Wie gesagt: Zunächst wird der östliche Teil des Projektes fertig gestellt, dann geht es auf die andere Seite der Emsbrücke. Dort muss dann sogar eine Behelfsbrücke gebaut werden, damit die Baufahrzeuge zur Baustelle gelangen können.

Und dann wird Frank Hildebrand mit seiner Planierraupe wieder jede Menge Sand und Erde hin und her bewegen. Und so mancher Zuschauer wird ihn darum beneiden. Hildebrand lacht. „Ja, ich werde tatsächlich von vielen Männern beneidet.“ Und er mache den Job auch nach all den Jahren noch gerne. „Aber wenn man den ganzen Tag auf der Maschine gesessen hat, ist man abends auch froh, wenn man den Schlüssel umdrehen kann.“

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