Walther Rohdich hat berühmte Vorfahren
Ein wirklich tierisch guter Fotograf

Greven -

Walther Rohdich hat drei Leidenschaften: das Fotografieren, das Schreiben und eben die Tiere. Alles zusammen ergibt ein spannendes Leben, über das es viel zu erzählen gibt.

Samstag, 18.01.2020, 11:44 Uhr aktualisiert: 18.01.2020, 15:09 Uhr
Walther Rohdich vor dem Bild seines Vorfahren: Die Bilder oben, links und rechts sind nur ein kleiner Ausschnitt aus seinem Schaffen.
Walther Rohdich vor dem Bild seines Vorfahren: Die Bilder oben, links und rechts sind nur ein kleiner Ausschnitt aus seinem Schaffen. Foto: Peter Beckmann

Warum ausgerechnet Tiere? „Sie haben in meinem Leben immer eine große Rolle gespielt“, begründet Walther Rohdich. Der Grevener, dem man seine 89 Lebensjahre nun wirklich nicht anmerkt, hatte und hat drei Leidenschaften: das Fotografieren, das Schreiben und eben die Tiere. Alles zusammen ergibt ein spannendes Leben, über das es viel zu erzählen gibt.

Von Anfang an. Walter Rohdich wurde 1939 in Münster geboren, wohnte zusammen mit seinen Eltern und den vier Brüdern an der Neustraße in Münster, die es heute nicht mehr gibt. Ein Tag Kindergarten, Volksschule, Schillergymnasium und Kinderlandverschickung – so könnte man kurz die Geschichte bis in Teenageralter zusammen fassen.

Tiere waren dabei immer in seiner Nähe – und sei es als mumifizierter Frosch in der Hosentasche, den das Kindermädchen zum Schreikrampf animierte. Nach der Kinderlandverschickung und dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Familie wieder vereint, auf einem Bauernhof in Kattenvenne, auf dem seine Eltern inzwischen lebten. „Wir hatten daher das Glück nie Hunger leiden zu müssen“, erinnert sich Rohdich.

Bilder des Fotografen Walther Rohdich

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Drei Jahre half er auf dem Hof, dann absolvierte er eine Lehre als Landwirt. „Dann wirst Du nie Not leiden müssen“, waren sich alle einig. (Wie sich die Zeiten ändern.) Während dieser Zeit hatte er natürlich mit ganz vielen Tieren zu tun und kam mit ihnen besonders gut aus. „Die Pferde mussten damals auf dem Bauernhof hart arbeiten, mussten dazu aber mit der Peitsche gezwungen werden“, erinnert er sich. Bei ihm war das aber anders.

Und warum? Das hat sicherlich etwas mit Bestechung zu tun. „Ich hatte damals immer Lakritz in der Tasche. Alle Grasfresser sind verrückt danach.“ Hinzu kam die Methode, den Pferden etwas leise ins Ohr zu singen. „Ich habe den Pferden immer ,Freude schöner Götterfunken‘ vorgesungen.“ Und das zusammen hat gewirkt. „Die Pferde haben mir auch ohne Peitsche oder anderer Gewalt gehorcht.“ Der junge Mann als Pferdeflüsterer.

Damals kaufte er sich seinen ersten Fotoapparat. „Das war eine Agfa“, erzählt er. Damit verdiente er auch sein erstes Geld. „Ich habe für die Leute Passbilder für eine Mark gemacht.“

Irgendwann ging es zurück zu den Eltern nach Münster. Bei Foto Schmelter in der Salzstraße absolvierte er dann eine Lehre als Fotolaborant. „Wir haben damals mit 18 Leuten im Labor gearbeitet.“ Irgendwann wurde er Laborleiter, nachdem dies aufgrund der Konkurrenz durch die ganz großen Labor-Konzerne geschlossen wurde, wechselte er in das Geschäft, wurde Prokurist und kaufte schließlich, als die Besitzer nicht mehr weitermachen wollten, zusammen mit zwei anderen Kollegen das Geschäft. Bis in die 90er-Jahre, bis zur Rente war er Mitinhaber.

Das Hobby brachte ihn bis nach Afrika

Aber: Da waren ja noch die Hobbys. Das Fotografieren brachte ihn nach Amerika, nach Afrika. Er traf viele Menschen, unter anderem den Grevener Tierfotografen Fritz Pölking. Er fotografierte mit der legendären Hasselblad. Er verkaufte seine Fotos. „Aber davon leben konnte man nur ganz schwer“, erinnert er sich an ein Beispiel, als er ein Titelbild an die „Hör Zu“ verkaufen konnte. „Die hatten eine Auflage von 4,5 Millionen Exemplaren, bezahlt haben sie nur 500 Mark.“

Trotz allem hat ihn die Tierfotografie fasziniert. „Da braucht man ganz, ganz viel Geduld.“ Nächtelanges Warten vor einem Fuchsbau, bis das richtige Foto gemacht werden kann. Er hatte dabei ganz viel Zeit zum Schreiben. Rund 30 Bücher sind so zusammen gekommen. „Alles handschriftlich, unter anderem eben beim Warten irgendwo in der Natur.“

Bücher nicht nur über Tiere

Es sind Bücher, die sich natürlich mit Tieren beschäftigen, aber auch mit dem Nazireich und weiterer Geschichte. Unter anderem auch mit dem Leben eines berühmten Vorfahrens: Friedrich Wilhelm von Rohdich, Preußischer General, der von 1719 bis 1796 lebte und per Testament eine Stiftung gründete, mit deren Hilfe die Kinder der gefallenen Soldaten finanzielle Unterstützung bekamen. Fortan wurde das „von Rohdich´sche Legatenhaus“, Pariser Platz 3 in Berlin, vermietet und mit dem Erlös die Erziehung der Kinder von Bataillonangehörigen finanziert.

Walther Rohdich, der nach der Rente mit seiner Frau nach Ostfriesland zog und nach dem Tod der Ehefrau nach Greven kam, wo seine Tochter wohnt, arbeitet zurzeit an der Aktualisierung der Biografie des berühmten Vorfahrens. Und: Er möchte auf jeden Fall noch mal nach Berlin und das Legatenhaus besuchen.

Mit Sicherheit hat er dann auch wieder eine Kamera dabei. Inzwischen ist sie natürlich digital. Und wenn dann das ein oder andere Tier vor die Kamera läuft, hat es gute Chancen, abgelichtet zu werden.

Denn Tiere und Fotografieren sind nach wie vor die absoluten Leidenschaften von Walther Rohdich.

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