Sinkende Marge, aber mehr Umsatz
„Keine schwächelnde Konjunktur“

Greven -

Vor der Bankenfusion im Mai hängt bei der Volksbank Greven der Himmel voller Geigen. „Von einer schwächelnden Konjunktur“, meinte am Freitag Bankvorstand Andreas Hartmann bei der Vorstellung der Jahresbilanz, „kann man nichts feststellen.“

Sonntag, 19.01.2020, 12:00 Uhr aktualisiert: 19.01.2020, 14:45 Uhr
Sehen der Zukunft optimistisch entgegen: Volksbank-Vorstände Dietmar Dertwinkel (l.) und Andreas Hartmann.
Sehen der Zukunft optimistisch entgegen: Volksbank-Vorstände Dietmar Dertwinkel (l.) und Andreas Hartmann. Foto: Günter Benning

Mit einem Ergebnis von rund 4,5 Millionen vor Steuern liege die Bank auf dem Niveau des Vorjahres. Die Genossenschaftler können damit rechnen, dass zwischen 200 000 und 300 000 Euro ausgeschüttet werden. Bei Niedrigstzinsen und sinkenden Margen im Kreditgeschäft, ergänzt Vorstand Dietmar Dertwinkel, sei das positive Ergebnis nur durch wachsende Umsätze zu erreichen gewesen. So erhöhte sich die Bilanzsumme der Bank um etwa 40 Millionen auf über 700 Millionen Euro.

Auch bei der Volksbank sorgen die anhaltend niedrigen Zinsen für Überlegungen, Negativzinsen einzuführen. „Allerdings“, so Dertwinkel, „wird es für Privatleute einen Freibetrag von 100 000 Euro geben.“ Bei Unternehmen sei er höher. Für Firmen, die über liquide Mittel verfügen müssen, heiße dies, dass man ein besseres Liquiditätsmanagement haben müsse. „Wir beraten sie dabei“, so Dertwinkel.

Trotz der niedrigen Zinsen hat die Bank im Einlagenbereich einen Zuwachs von 38 Millionen Euro (+ 9 Prozent) erzielt. Ein Zeichen für gute Auftrags- und Ertragslage der heimischen Firmen.

Vermögende Kunden haben in 2019 zunehmend ihr Geld in Investmentfonds geparkt. Diese Gelder werden von der Bank vermittelt, aber nicht in der Bilanz ausgewiesen. Was hier interessant ist: „Kunden suchten“, so die Bank, „vermehrt Anlagelösungen, die einen nachhaltigen Investitionsansatz verfolgen.“

1,76 Prozent, das ist derzeit die Zinsbelastung bei 30-jährigen Baukrediten (mit entsprechendem Eigenkapital). Bei solchen Angeboten, so Andreas Hartmann, boomt das Bauen und die Nachfrage nach langfristigen Krediten. Wobei die Bank auch hier dazu mahnt, nicht nur den günstigen Zins mitzunehmen, sondern im Gegenzug die Abzahlungsrate zu erhöhen.

Das Kreditgeschäft der Bank stieg im vergangenen Jahr um 30 Millionen Euro, damit wuchs der gesamte Kreditbestand um sechs Prozent. Handel, Handwerk und Gewerbe fragten intensiv nach, die bundesweit leicht schwächelnde Konjunktur sei im Münsterland nicht zu spüren, meinte Hartmann: „Wir sind nicht so abhängig von der Autoindustrie.“ Bau- und Baunebengewerbe seien wichtige Standbeine der regionalen Wirtschaft – und da boomt es.

Neben Eigenkrediten konnte die Volksbank 2019 über 45 Millionen Kredite an Verbundpartner vermitteln. Die intensive Beratung führte auch zur Vermittlung von mehr Fördermitteln als im Vorjahr: von 23,6 Millionen Euro auf 31,3 Millionen Euro. Ein Rekordwert. Profitiert haben Landwirtschaft (6,9 Millionen), Immobilienbereich (12 Millionen) und Gewerbe (12,4 Millionen).

Im kommenden Jahr, so Dietmar Dertwinkel, werde sich an den niedrigen Zinsen wenig ändern. Die Bank hofft nach der Fusion auch wieder auf mehr Gewinn. Fusionsbedingte Sonderbelastungen werden künftig entfallen.

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