Wohnungssuche ist in Reckenfeld oft Glückssache
Ohne „Vitamin B“ geht fast nichts

Reckenfeld -

In Reckenfeld eine freie Wohnung finden, noch dazu eine für Normalverdiener bezahlbare? Offenbar schwer bis unmöglich. Das belegen zahlreiche Rückmeldungen von Betroffenen, die sich in der Facebook-Gruppe „Wir sind Reckenfeld“ auf einen entsprechenden Aufruf unserer Zeitung gemeldet haben.

Samstag, 18.01.2020, 15:44 Uhr aktualisiert: 19.01.2020, 14:44 Uhr
Gartenstadt Reckenfeld: Wer hier eine Wohnung, sucht braucht viel Geduld und Geld – oder muss die richtigen Menschen kennen.
Gartenstadt Reckenfeld: Wer hier eine Wohnung, sucht braucht viel Geduld und Geld – oder muss die richtigen Menschen kennen. Foto: Böckmann

Das Kernproblem: Zahlreiche Wohnungen gelangen offenbar gar nicht auf den regulären Wohnungsmarkt. Man muss schon die richtigen Leute kennen, Beziehungen haben – oder schlicht Glück. „Oft werden die gar nicht irgendwo reingestellt“, bestätigt Alexander Gellrich. Viele Wohnungen würden „nur durch Vitamin B“ vergeben. Eine Einschätzung, die Jenny Rose teilt: „Eine Wohnung in Reckenfeld zu finden wird echt immer komplizierter.“ Ohne Vitamin B sei fast nichts zu machen. Hinzu kämen steigende Preise: „Es wird definitiv nicht günstiger. Es kommen immer mehr Münsteraner wegen der günstigeren Miete nach Reckenfeld, wodurch die Preise erheblich steigen. Ich selber musste im letzten Jahr für eine neue Wohnung trotz Job in Reckenfeld und Kind auf der Schule in Reckenfeld auf den Anfang von Greven ausweichen nach einem Jahr intensiver Suche, um etwas zu finden, was unseren Ansprüchen gerecht wird und halbwegs bezahlbar ist“, schreibt sie.

Das Preisniveau empfindet auch Tobias Semler als Problem. Sobald man eine etwas größere Wohnung brauche, etwa weil man Familie und / oder Hautiere habe, werde es „fast unbezahlbar und das, was bezahlbar ist, ist halt nicht auf dem neusten Stand.“

Eine Drei-Zimmer Wohnung koste in Reckenfeld 500 bis 700 Euro. Für eine Vier- oder Fünf-Zimmer-Wohnung müsse man schon 800 bis 1000 Euro Kaltmiete einkalkulieren. (Steigende) Nebenkosten kämen noch hinzu.) „Das muss ein normaler Mensch erstmal verdienen.“

Und das ist offenbar nicht das einzige Problem bei der Wohnungssuche, wie Jaqueline Langer berichtet. Habe man etwas gefunden, was halbwegs bezahlbar sei, sei meistens keine Haustier-Haltung erlaubt. „Ich habe bei meiner jetzigen Wohnung in Reckenfeld auch über ein Jahr suchen müssen, weil die meisten Vermieter keine Haustiere mehr wollen“, schreibt sie. Eine Erfahrung, die auch Anna Denter gemacht hat. „Ich suche seit drei Jahren eine Wohnung in Reckenfeld und finde nichts. Drei Zimmer mit Terrasse oder Garten ist sehr schwierig und mit Hund sowieso . . .“ Weitere ähnliche Rückmeldungen zeigen, dass Haustierhaltung die Wohnungssuche zumindest verkompliziert.

Was also tun? Zum Beispiele auf den Wohnungsmarkt außerhalb von Reckenfeld ausweichen. So hat es Sandra Klevenow gemacht: „Wir haben auch lange gesucht, sind eine fünfköpfige Familie. Sind dann auf Greven ausgewichen, da hatten wir Glück.“

Ähnlich ist es auch Laura Di Salvatore ergangen: „Mein Mann und ich haben vier Jahre gesucht. Wir haben drei Kinder, was das ganze nochmal schwieriger gemacht hat. Und wenn dann doch alles passt, dann sind die Wohnungen unbezahlbar. Wohnungen, die online gehen, sind innerhalb eines Tages vergeben. Und vieles wird einfach unter der Hand gemacht. Wir mussten leider raus aus Reckenfeld, um endlich etwas passendes zu finden. Dabei wären wir doch gerne in Reckenfeld geblieben.“ Es sei zwar möglich, etwas in Reckenfeld zu finden, aber man brauche dafür Geduld und in der Regel so viel Geld, dass es die Möglichkeiten von Normalverdienern übersteige.

Katja Möller geht noch weiter: „Ich persönlich finde, dass viele Mieter regelrecht ausgebeutet werden. Immer weniger Qualität für unverschämt hohe Mieten. Gerade, weil die Vermieter sich keine Sorgen machen müssen, dass die Wohnung nicht weggeht.“ Am liebsten werde an gut situierte Alleinstehende ohne Kind vermietet. „Das ist überall so, nicht nur in Reckenfeld.“ Zudem entspreche der Zuschnitt vieler Wohnungen nicht dem tatsächlichen Bedarf, schriebt Katja Möller weiter. „Generell finde ich, sollte es mehr kleinere Wohnungen mit mehreren Zimmern geben, statt große Wohnungen mit wenig Zimmern.“ Schließlich seien 70 Prozent der Wohnungssuchenden Zwei-Personen-Haushalte. „Irgendwie passen die Verhältnisse einfach nicht mehr. Bin gespannt, was es in den nächsten Jahren geben wird. Angeblich soll es in Münster ja in Zukunft mehr bezahlbaren Wohnraum geben . . .“

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