70 Jahre Stadtrechte für Greven
Eine Frage der Ehre

Greven -

Die Urkunde, die Innenminister Dr. Walter Menzel am 22. November 1949 in Düsseldorf unterzeichnete, war für Greven eine Frage der Ehre. Das größte Dorf im Münsterland, wie man oft sagte, wurde zur Stadt geadelt. Doch gefeiert wurde seither immer ein anderes Datum: Der 22. Januar 1950. Morgen wird die Stadt Greven 70 Jahre alt.

Dienstag, 21.01.2020, 10:10 Uhr aktualisiert: 21.01.2020, 11:00 Uhr
Stadt Greven 1950: Dieser Holzschnitt aus dem Jahr der Stadtwerdung zeigt noch die Schornsteine der Textilfirmen, die damals das Stadtbild Grevens prägten.
Stadt Greven 1950: Dieser Holzschnitt aus dem Jahr der Stadtwerdung zeigt noch die Schornsteine der Textilfirmen, die damals das Stadtbild Grevens prägten. Foto: privat

Die schnörkelige Schrift aus der Landeshauptstadt wurde nämlich morgen vor 70 Jahren in einer öffentlichen Feier überreicht. Der münsterische Regierungspräsident Franz Hackethal überreichte sie dem Grevener Bürgermeister Anton Minnebusch. Und da sind sich die Geschichtsforscher einig: Zum Verleihen einer Urkunde gehört die Aushändigung an den Empfänger. Erst dann gilt sie.

Stadt oder Dorf – bei der Frage ging es inhaltlich um wenig. „Es ist wohl eher eine Imagefrage“, meinte der spätere Kämmerer der Stadt, Wolfgang Beckermann, zum 50-jährigen Jubiläum, das in der Stadt mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert wurde. Übrigens auch mit einer 50-teiligen Serie in der Lokalzeitung, in der Greven ordentlich gewürdigt wurde.

Geschichtlich betrachtet gibt es im Kreis Steinfurt kleine Städte wie Tecklenburg oder Bevergern (Heute ein Ortsteil von Hörstel). Die waren schon im Mittelalter Adels- oder Marktsitze und hatten sich so den Stadttitel verdient. Wer im 20. Jahrhundert von der Landgemeine zur Stadt aufsteigen wollte, musste einen „gewissen städtischen Charakter“ aufweisen.

Greven war aus den Dorfgrenzen hinausgewachsen. 1950 wohnten in der Stadt rund 20 000 Menschen. Mitte der 60er Jahren wuchs man auf 25 000 Einwohner (heute 38  791 Ende 2019).

Mit der höheren Einwohnerzahl – und nicht mit dem Titel – waren dann auch Rechte und Pflichten verbunden: eine eigene Rettungswache etwa, eine untere Bauaufsicht, die Unterhaltung von Weiterbildungseinrichtungen wie VHS und Musikschule. Und die Möglichkeit, ein eigenes Jugendamt einzurichten. Die Mehraufgaben wurden versüßt mit höheren Einnahmen beim Finanzausgleich mit dem Land.

Zeittypisch war übrigens, dass die Lokalzeitung wenige Tage nach der Stadtwerdung verkündete, der erste „Stadtpüntenfahrer“ Grevens sei zur Welt gekommen. Theodor war der Sohn des Buchhändlers und Zeitungs-Geschäftsstellenleiter Herbert Cramer und seiner Frau Johanna. Er wurde als „erster Neubürger der jungen Stadt“ angemeldet. Geboren am 23. Januar um 9.15 Uhr.

Doch zum 40. Geburtstag des „ersten Stadtbürgers“, der am 24. Januar 1950 geboren wurde, machte der WN-Redaktionsleiter Carl Schumacher darauf aufmerksam, dass vor ihm zwei Mädchen als erste Stadtbürgerinnen auf die Welt kamen. Am 23. Januar um 7.30 Uhr Waltraud Hölscher, die es in den Schwarzwald zog. Um 19 Uhr folgte Ursula Hachmann, die mit ihrer Familie nach Paris verzog.

Bemühungen, aus Greven eine Stadt zu machen, gab es übrigens schon im 19. Jahrhundert. 1888 hatten 39 Bauern an den Landrat geschrieben. Sie wünschten sich, dass die Bauerschaften von Greven getrennt würden und die Restgemeinde dann Stadtrechte erhalten sollte. Die Bauern ärgerte unter anderem ,dass sie in die dörfliche Armenkasse einzahlen mussten, aber nichts davon hatten.

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