Internetgeschwindigkeit und Glasfasernetze
Bauerschaften hängen Innenstadt ab

Greven -

Die Stadtwerke bauen innerhalb der nächsten vier Jahre über 220 Kilometer Glasfasernetz in den Außenbereichen von Greven. Gesponsert mit 19 Millionen Euro Zuschüssen von Bund und Land. Schmedehausen, Franz-Felix-See, alle Bauerschaften ringsherum werden von den Stadtwerken, die gleichzeitig als Provider tätig werden, mit schnellem Internet versorgt.

Donnerstag, 23.01.2020, 11:26 Uhr aktualisiert: 23.01.2020, 11:50 Uhr
Das Glasfasernetz in Greven ist von den Ausmaßen her eher bescheiden. Teile der Wöste werden von der Telekom versorgt, die Blöcke C und D können auf das reine Glasfasernetz von Unitymedia zugreifen.
Das Glasfasernetz in Greven ist von den Ausmaßen her eher bescheiden. Teile der Wöste werden von der Telekom versorgt, die Blöcke C und D können auf das reine Glasfasernetz von Unitymedia zugreifen. Foto: telekom

Schnelles Internet? Wenn man sich mit diesem Thema beschäftigt, sollte zunächst einmal klar sein, was schnell ist. Mit Hilfe des normalen kupfernen Telefondrahtes sind inzwischen per Vectoring bis zu 250 Mbit/s möglich. Mit Hilfe des guten alten Fernsehkabels (oft Glasfaserkabel gepaart mit Koaxialkabeln) sind es in Greven 400 Mbit/s und mit Glasfaser-Kabeln bekommt man bis zu 1000 Mbit/s hin. In Greven funktioniert letzteres nur im Telekom-Netz in der Wöste, in den Blöcken C und D in Reckenfeld (Unitymedia) und an drei einzelnen kleinen Punkten der Stadt. Ist aber auch nicht ganz billig: Monatlich muss man für die Gigabit-Leitung der Telekom mal eben schlappe 120 Euro berappen. Aber: Glasfaser soll es in Greven demnächst häufiger geben.

Denn: Die Stadtwerke bauen innerhalb der nächsten vier Jahre über 220 Kilometer Glasfasernetz in den Außenbereichen von Greven. Gesponsert mit 19 Millionen Euro Zuschüssen von Bund und Land. Schmedehausen, Franz-Felix-See, alle Bauerschaften ringsherum werden von den Stadtwerken, die gleichzeitig als Provider tätig werden, mit schnellem Internet versorgt.

Wobei schnell eigentlich anders ist. Denn von Seiten der Stadtwerke wird auf den ersten Blick nur eine 100 Mbit/s Download – 20 Mbit/s Upload-Leitung angeboten. „Das ist die Standard-Geschwindigkeit, die in der Ausschreibung verlangt wurde, der Kunde kann aber auf Wunsch bis zu 1000 MBit/s bekommen“, sagte Stadtwerke-Chefin Andrea Lüke auf Anfrage.

Wann weitere Gebiete in Greven von den Stadtwerken mit Glasfaser erschlossen werden, könne man frühestens in zwei bis drei Jahren abschätzen. „Unser erklärtes Ziel ist es allerdings, Greven flächendeckend mit Glasfaser zu erschließen. Wie lange das dauern wird, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab“, sagt Lüke. Und wie sieht das bei anderen Anbietern aus? Wirtschaftsförderer Stefan Deimann ist da wenig optimistisch. „Das wird sicherlich noch ein paar Jahre dauern.“

Die Stadtwerke haben theoretisch – anders als zum Beispiel die Telekom – einen Vorteil. Die Stadtwerke können vorhandene Leerrohre im Stadtgebiet nutzen und können somit den größten Kostenfaktor minimieren. „Das stimmt. Wir haben natürlich in den letzten Jahren da, wo wir gearbeitet haben, Leerrohre mitverlegt. Aber das sind natürlich noch nicht all zu viele Bereiche“, verdeutlichte Lüke.

Schaut man auf die Ausbaukarten der Telekom in Sachen VDSL 100, das per Vectoring erreicht wird, gibt es in der Grevener Innenstadt noch große Lücken. Im Bereich zwischen Kardinal-von-Galenstraße, Ostring, Grabenstraße und Westumgehung ist bei 50 Mbit/s Schluss. Teilweise gibt es Bereiche, an denen nur 16 Mbit/s angeboten werden. Aber: Für viele Bereiche wird eine höhere Internetgeschwindigkeit angekündigt – in den meisten Fällen aber wohl nur in Form des Vectorings.

„Laut Bundesregierung ist Greven bestens versorgt“, sagt Deimann. Denn offiziell stehe überall in Greven eine Geschwindigkeit von mindestens 30 Mbit/s zur Verfügung. „In der Praxis ist das aber häufig ganz anders.“ Und überhaupt: „Darüber, wann wo von Seiten der Telekom oder der EWE (Osnatel) das Vectoring-Netz ausgebaut wird, bekommen wir keinen Bescheid“, so Deimann.

Letztendlich ist die Situation in der Grevener Innenstadt genau so bescheiden wie im bundesdeutschen Durchschnitt. Denn in Sachen Glasfaserausbau liegt Deutschland im letzten Rankingvergleich aus dem Jahr 2018 in der EU-weiten Betrachtung nur auf Platz 30. Aktuell können von den deutschen Haushalten oder Betrieben gerade mal 10,5 Prozent auf „echtes“ Glasfaserinternet zugreifen.

Da allerdings, liegen die Grevener Haushalte noch deutlich darunter.

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