Fridays gegen Altersarmut hält Mahnwache auf dem Marktplatz
Echter Protest und rechte Sprüche

Greven -

Werner Flüthmann hat, sagt er, „46 Jahre gearbeitet“. Im Einzelhandel, als Fahrer. Mit 61 machte die Bandscheibe nicht mehr mit, er ging in Rente. „Weniger als 1000 Euro netto habe ich jetzt. Das reicht nur für eine warme Hütte und Essen.“

Montag, 27.01.2020, 08:58 Uhr aktualisiert: 27.01.2020, 09:00 Uhr
Sie kamen aus dem ganzen Kreisgebiet, um in Greven zu protestieren: Teilnehmer der Friday gegen Altersarmut-Mahnwache.
Sie kamen aus dem ganzen Kreisgebiet, um in Greven zu protestieren: Teilnehmer der Friday gegen Altersarmut-Mahnwache. Foto: bn

Flüthmann steht mit rund 30 Gleichgesinnten am Freitag auf dem Grevener Marktplatz. Sie tragen Plakate, auf denen „Fridays gegen Altersarmut“ steht. „Wir möchten ein Leben in Würde – auch nach dem Erwerbsleben“, postuliert eines davon.

Monika May aus Reckenfeld ist zufrieden mit der Resonanz. Sie hat zu der Mahnwache eingeladen: „Ich hätte nicht gedacht, dass so viele kommen“, sagt sie. Zumal im Vorfeld in den Medien viel über die Verbindungen zwischen der bundesweiten Aktion und rechten Parteien berichteten. Fridays for Future ist durch eine Facebook-Gruppe mit 300 000 Mitgliedern entstanden. Aber es gibt zahlreiche ähnliche regionale Gruppierungen. Intern tobt ein Kampf um die Vereinnahmung durch rechte Partien.

Auf der Pappe, die May in die Höhe hält, steht: „Wir sind gegen Hetze. Wir sind nicht ausländerfeindlich.“ Und in Rot: „Keinen Meter den Nazis!“ Das Bekenntnis hört Lore Hauschild von Grevens Grünen, aber sie hat auch anderes gehört. „Deutlich rechte Positionen gab es da“, sagt sie. Auch Dominik Uhlenkotte von der Jungen Union hat bemerkt, dass es Umverteilungsforderungen gab: „Andere sollten weniger bekommen, damit Rentner mehr erhalten.“

Anderswo registrierten am Samstag kritische Internet-Seiten, welche rechten Gruppen sich bei den Mahnwachen am Freitag sehen ließen. In Greven hatten die Ratsparteien von den Grünen über CDU, Linken, SPD und Reckenfeld Position bezogen. Lokalpolitiker diskutierten mit. Und mussten, wie Lore Hauschild, feststellen: „Die Leute wollen einen anderen Umgang mit Altersarmut.“

Tatsächlich waren die Probleme greifbar. Oft spielen gestückelte Arbeitsgeschichten eine Rolle, gerade bei Frauen klaffen Lücken wegen der Kindererziehung.

„Bar auf Tatze“ habe man doch früher gearbeitet, sagt Brigitte Illguth aus Rheine, die heute eine 840 Euro-Rente bezieht. Vier Kinder hat sie groß gezogen, die Mutter gepflegt. Für einen sozialversicherungspflichtigen Job war erst spät Zeit.

Dagmar Theis aus Ibbenbüren hat ihre Rente beantragt, im Mai hört sie auf. 850 Euro hat man ihr ausgerechnet. „Ich zahle schon 500 Euro Miete“, sagt sie. Sie hofft auf einen Nebenjob in der Altenpflege.

Die Forderungen der Demonstranten gehören ins eher linke Spektrum: Reichensteuer, ein Rentensystem für alle, jeder soll Beiträge zahlen. Womit er denn wohl zufrieden wäre, wird Werner Flüthman gefragt: „So 1250 Euro“, sagt der Frührentner.

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