Tiere und Pflanzen
Vieles ist einfach weg

Tecklenburger Land -

Keine Turteltäubchen mehr in Greven? Das kann doch wohl nicht wahr sein. Doch es kommt sogar noch schlimmer. „2019 war das erste Jahr, in dem ich im ganzen Kreis Steinfurt keine Turteltauben wahrgenommen habe“, sagt Robert Tüllinghoff.

Montag, 27.01.2020, 06:31 Uhr aktualisiert: 27.01.2020, 07:01 Uhr

Der wiederum ist kein Experte für Partnerschaftsanbahnung, sondern Ornithologe bei der Biologischen Station im Kreis. Womit klar ist: Es geht hier nicht um Zwischenmenschliches, sondern um den Vogel des Jahres 2020.

Und wie so häufig ist dazu mit der Turteltaube eine Vogelart auserkoren worden, der es alles andere als gut geht.

Um fast 90 Prozent hat sich ihr Bestand in Deutschland in den vergangenen 40 Jahren verringert. Weil es anderswo nicht viel besser aussieht, gehört die kleinste heimische Taubenart zu den weltweit gefährdeten Arten.

Wie Feldlerche, Rebhuhn und andere Liebhaber einer vielfältigen Kulturlandschaft leidet auch die Turteltaube unter der intensiven Landnutzung.

Doch die Gründe für den Rückgang liegen nicht nur vor Ort. „Ich befürchte, dass Ursachen auch auf dem Zug und in den Winterquartieren zu suchen sind“, sagt Tüllinghoff.

Anders als die eher bodenständige Verwandtschaft wie Ringel- und Türkentaube macht die Turteltaube sich im Spätsommer auf den Weg nach Afrika.

Weil allein in zehn EU-Ländern die Jagd auf Turteltauben immer noch erlaubt ist und zudem in Ländern wie Ägypten kilometerlange Fangnetze an den Küsten zur tödlichen Falle werden, ist es für viele Turteltauben eine Reise ohne Wiederkehr.

Ein ähnlich trauriges Fazit wie sein Kollege kann Dr. Peter Schwartze, bei der Biologischen Station für die Botanik zuständig, für die Blume des Jahres ziehen.

„Ich persönlich kenne in Greven keinen Standort des Fieberklees mehr“, sagt der Biologe. Er habe noch alte Dias der Pflanze aus der Kroner Heide, aber dort ist die hübsche Pflanze schon lange verschwunden.

Denn der Fieberklee mag sumpfige Wiesen, die aber in den vergangenen Jahrzehnten fast alle entwässert worden sind.

Immerhin – einen Lichtblick hat Schwartze parat. Der betrifft das Breiblättrige Knabenkraut, die Orchidee des Jahres 2020. „Es gibt noch mindestens ein Vorkommen in Greven“, sagt der Biologe. Wo das genau ist, verrät er vorsichtshalber nicht, aber über 200 Exemplare hat er dort im vergangenen Jahr gezählt.

Andere Jahreswesen sind dagegen durchaus nicht selten in Greven. Der Maulwurf, Wildtier des Jahres, hinterlässt mehr Erdhügel als Gartenbesitzern lieb ist.

Und wenn es in der Gronenburg oder den Wentruper Bergen nach Aas müffelt, steckt nicht selten Phallus impudicus dahinter, ein „unzüchtiger Penis“, besser bekannt als Stinkmorchel und Pilz des Jahres.

Womit wir nicht weit weg sind von der Nase, dem Fisch des Jahres und damit einem jener Jahreswesen, deren Existenz nur Insidern bekannt ist.

Wer kennt schon die Auen-Schenkelbiene oder die Finger-Scharlachflechte . . . 

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