In der Familienphase ist das Risiko besonders hoch
Jeder zehnte im Schuldensumpf

Greven -

Die Mahnungen stapeln sich im Briefkasten, das Konto aber ist und bleibt leer. Am Ende gibt es manchmal nur noch einen Ausweg: Privatinsolvenz. Fast jeder zehnte Grevener über 18 Jahren ist überschuldet, hat also regelmäßig höhere monatliche Ausgaben als Einnahmen.

Dienstag, 28.01.2020, 11:33 Uhr aktualisiert: 28.01.2020, 20:17 Uhr
Gelb heißt: erhöhte Schuldnerquote. Greven steht damit vergleichsweise schlecht da.
Gelb heißt: erhöhte Schuldnerquote. Greven steht damit vergleichsweise schlecht da. Foto: Creditreform

Das geht aus dem „Schuldneratlas“ für das Münsterland hervor, den „Creditreform“ veröffentlicht hat. Credit­reform vertritt die Interessen seiner bundesweit rund 128.000 Mitgliedsunternehmen (unter anderem Banken, Versicherungen, Handwerksbetriebe) und bearbeitet für diese Inkasso-Fälle.

Als überschuldet gilt für die Datenspezialisten von Creditreform jemand, wenn er/sie „die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum nicht begleichen kann und ihm zur Deckung seines Lebensunterhaltes weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen.“

In Greven traf dies im Jahr 2019 auf 9,62 Prozent der Verbraucher zu. Die Credit­refom-Ampel steht somit in Greven auf gelb (erhöhte Schuldnerquote). In den meisten Kommunen des Kreises Steinfurt liegt die Quote unter dem Grevener Niveau, zum Teil sogar deutlich. In Saerbeck etwa sind „nur“ 6,44 Prozent der Verbraucher überschuldet, in Wettringen 5,20 Prozent. Trauriger Spitzenreiter im Kreis ist Rheine mit einer Quote von 13,22 Prozent.

In Greven lag der Wert mehrere Jahre lang noch höher als derzeit, 2014 zum Beispiel bei 10,74 Prozent. Seitdem verzeichnen die Statistiker aber einen kontinuierlichen Rückgang. Mit der jetzigen Quote liegt Greven recht nah am Bundesdurchschnitt (10,0 Prozent), aber spürbar über dem Schnitt des Münsterlandes (8,52 Prozent).

Besonders betroffen vom Thema Schulden sind Männer. Da macht Greven keine Ausnahme. 11,58 Prozent der Männer in der Emsstadt geben regelmäßig mehr Geld aus, als sie haben, aber „nur“ 7,43 Prozent der Frauen – eine Tendenz, die so auch für den ganzen Kreis und letztlich das ganze Münsterland gilt. Laut Creditrefom seien Männer weiterhin Hauptverdiener und übernähmen mehr finanzielle Verantwortung und seien bei Finanzentscheidungen risikofreudiger als Frauen.

Besonders gefährdet ist die Altersgruppe der 30- bis 40-Jährigen (Phase der Familienplanung). Hier stecken in Greven satte 14,09 Prozent im Schuldensumpf. Je älter, desto geringer das Schuldenrisiko. Auch die unter 30-Jährigen (7,52 Prozent) sind seltener betroffen.

Eine Erklärung für die vergleichsweise hohe Zahl an Überschuldeten in Greven liefert Creditreform nicht mit. Aus anderen Datenquellen weiß man aber, dass in Greven auch die Arbeitslosenquote und der Anteil der Bezieher von Sozialleistungen vergleichsweise hoch ist, ebenso das Niveau der Wohnungsmieten.

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