Ambulanter Pflegedienst bietet seinen Kunden ein Café an
„Wir lachen, weinen, leiden mit“

Greven -

Elisabeth Wieners ist 90. Sie liebt ihren Garten, wohnt alleine Zuhause. Aber zweimal in der Woche kommt eine Hilfe vom ambulanten Pflegedienst „Jederzeit“. Jetzt wurden die „Kunden“ von den Mitarbeiterinnen zum Kaffee eingeladen.

Samstag, 01.02.2020, 11:41 Uhr aktualisiert: 01.02.2020, 12:00 Uhr
Elisabeth Wieners (M.) ist 90 Jahre alt und lebt ebenso selbständig zuhause wie Helena Twickler (r.).
Elisabeth Wieners (M.) ist 90 Jahre alt und lebt ebenso selbständig zuhause wie Helena Twickler (r.). Foto: Günter Benning

Sie liebt ihren 1500 Quadratmeter großen Garten. „Eine wunderbare Blütenpracht im Sommer“, schwärmt Elisabeth Wieners. Auch mit 90 Jahren lebt sie im eigenen Haus, genießt die Natur. Aber da, wo sie Hilfe braucht, da lässt sie sich helfen. „Zweimal in der Woche duschen, einmal putzen“, sagt sie, „der Pflegedienst ist großartig.“

Einmal im Monat eingeladen

Mittwoch saß sie mit zahlreichen „Kunden“ und Angehörigen im hellen Café, das der Pflegedienst „Jederzeit“ neben seinem Büro an der Saerbecker Straße eingerichtet hat. „Einmal im Monat laden wir ein“, sagt die Leiterin der ambulanten Pflege Alisa Gräber. Vor einem Jahr sind die Büros für die insgesamt 63 Mitarbeiterinnen (und wenige Mitarbeiter) hierher gezogen. Mit dem Café will man die Bindung zu den Senioren verbessern. „Damit die Leute auch mal rauskommen“, sagt Gräber.

Die Mitarbeiterinnen hatten zahlreiche Kuchen gebacken, auch ein Zeichen für den Teamgeist, der hier gepflegt wird. Bei dem allgemeinen Personalmangel im Pflegebereich muss sich der private Pflegedienst profilieren. „Wir sind tariflich nicht gebunden“, sagt Gräber. Aber dieser Umstand, der anderswo eher die Löhne begrenzt, wird hier auch mal umgemünzt: „Wir zahlen eigentlich ganz gut, außerdem haben die Mitarbeiter Dienstwagen, die sie auch privat nutzen können.“

Flexibel arbeiten

Auch Mitarbeiterinnen, die früher anderswo gearbeitet haben, finden viel Positives am ambulanten Pflegejob. Carina Kleinfelder war Medizinische Fachangestellte in einer Arztpraxis: „Da steckt man immer in festen Abläufen drin.“ Hier sei sie flexibler, könne mehr eigenverantwortlich arbeiten. „Und man lernt die unterschiedlichsten Haushalte kennen.“

Für viele der Senioren, die betreut werden, entscheidet die mobile Pflege über die eigene Selbstständigkeit. Helena Twickler etwa ist 79 Jahre. Sie tragt Stützstrümpfe. Jeden Tag kommt eine Hilfe, um ihr dabei zu helfen, die medizinisch notwendigen Strümpfe auszuziehen. Gelegentlich bekommt sie auch Hilfe beim Putzen. „Früher habe ich alles selbst gemacht“, sagt sie, „aber dann hat mir meine Tochter gesagt, ich hätte doch Anspruch auf Hilfe.“

Auch Intensivpflege

Die meisten Mitarbeiter von Jederzeit arbeiten in der ambulanten Hilfe. Aber einige sind auch in der Intensivpflege tätig. Das heißt: drei Schichten, rund um die Uhr. „Für eine Vollzeitpflege“, sagt Alisa Gräber, „braucht man sechs Mitarbeiter.“ Die Krankenkassen bezahlen das, weil die stationäre Unterbringung vermutlich noch teurer wäre.

Rund um Greven

Sandra Dornbusch ist mittlerweile seit drei Jahren in der ambulanten Pflege tätig. „Ich fahre gerne Auto“, sagt sie, „das passt.“ Die Patienten wohnen überwiegend in Greven, Reckenfeld, Gimbte und Gelmer. Die Nachfrage nach ambulanter Hilfe steigt. Für Dornbusch ist es ein Job, der sie nah an die Menschen bringt: „Wir lachen, weinen und leiden mit.“

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