Typisch Greven: Josef „Öppe“ Winninghoff war ein geborener Wirt
Gesellig, freundlich und verschwiegen

Greven -

Er war eine Institution - und Wirt aus Leidenschaft: Josef „Öppe“ Winninghoff.

Sonntag, 01.03.2020, 09:01 Uhr aktualisiert: 01.03.2020, 09:10 Uhr
Josef „Öppe“ Winninghoff
Josef „Öppe“ Winninghoff Foto: tst

„Jupp“ ist der plattdeutsche Name für alle Männer, die Josef heißen. So wurde in diesem Falle aus dem Jupp der Jöppe, daraus schließlich Öppe. In Greven ist damit seit Jahrzehnten Josef Winninghoff gemeint, wenn man sagt: „Lass uns zu Öppe gehen.“

Öppe wurde am 16. August 1924 in Greven geboren. Seine Eltern waren Ludwig Gotfried Winninghoff und Josephine („Fine“) geb. Nettmann. Öppe hatte vier Geschwister, er war das dritte Kind. Sein Vater war Gastwirt im „Goldenen Stern“, der Gastwirtschaft an der Martinistraße neben der Kirche, seine Mutter war für die gute Küche zuständig.

Da der Name „Öppe“ noch heute auch als Name für die Gaststätte verwendet wird, muss ein Blick zurück in deren Vergangenheit erfolgen. Der „Goldene Stern“ ist heute die älteste Grevener Gaststätte. Der westliche Gebäudeteil entstand im Jahre 1674, wie es die Jahreszahl oberhalb des Treppenaufgangs an der Martinistraße ausweist.

Im Keller befand sich die ehemalige Hausbrauerei, eine Altbier-Brauerei. Sie war in den 1870er Jahren eingerichtet worden und bestand bis zum Kriegsausbruch im Jahre 1914. Damals mussten die kupfernen Braupfannen für Rüstungszwecke abgegeben werden.

Das Winninghoff’sche Saalgebäude, das gegenüber der Gaststätte im Jahre 1880, also von Öppes Großvater Ferdinand und seiner Oma Rosa gebaut worden war, erhielt im Jahre 1889 als Anbau an der Nordseite die erste überdachte und beheizte Kegelbahn Grevens. Darin kegelte von Beginn an der älteste Kegelklub Grevens, der Kegelklub 1a, der heute noch besteht. Im ersten Weltkrieg wurde der große Saal als Lager verwendet, im zweiten von verschiedenen Behörden und vom Militär und als DP-Lager genutzt.

Am 22. Januar 1950 fand die festliche Veranstaltung zur Stadtwerdung Grevens natürlich im Winninghoff’schen Saalbau statt.

Am 1.05.1966 wurde der Saalbau „aus zeitbedingten Gründen“ geschlossen und anderweitig genutzt. Betroffen waren dadurch fast 20 Vereine, Organisationen und Betriebe. Großveranstaltungen fanden in Greven plötzlich keinen großen Veranstaltungsraum mehr. Der alte Saalbau wurde im April 2013 abgerissen.

Im kleineren Saal der Gaststätte tagte nach Kriegsende der Grevener Rat. Ab Oktober 1973 war das neue Rathaus bezugsfertig und der Rat verlegte seine Sitzungen in den Ratssaal.

Öppe ist der letzte „Winninghoff“ gewesen, der den „Goldenen Stern“ als Gastwirt leitete. „Seit 1939 ist der gelernte Gaststättenkaufmann im Geschäft, übernahm nach Ausbildung und Einberufung als Soldat 1945 das Lokal von seinem Vater: Er führte es in der vierten Generation ohne Unterbrechung bis heute“, hieß es in einem Zeitungsbericht 1995.

Ganz so, wie die Presse berichtete, ist aber manches wohl nicht gelaufen. Denn anlässlich seines 90. Geburtstages las man in den WN: „Eigentlich wollte er Uhrmacher werden wie sein Onkel Ferdinand. Doch nach seinem Willen hat ihn niemand gefragt. … Nach der Rektoratschule und einem Jahr Handelsschule machte Josef eine Lehre als Hotelkaufmann. … Doch dann wurde er einberufen, … wurde zigmal verletzt. … Die Kriegsgefangenschaft blieb ihm erspart.“ Und die Gastwirtschaft übernahm er tatsächlich im Jahre 1965 von seinem Vater.

Öppe war trotzdem ein „geborener“ Wirt, so empfanden es seine Gäste, freundlich und zuvorkommend gegenüber den Gästen, ruhig und konsequent gegenüber Betrunkenen. Er selbst trank während seines „Thekendienstes“ keinen Alkohol, fast nie.

Und er war verschwiegen, erzählte vertraulich Berichtetes nicht weiter, seine Gäste wussten und schätzten das. Und seine Gäste konnten gewiss sein, in Ruhe ihr Bier trinken zu können, denn ihre liebe Gattin erfuhr nicht ihre Anwesenheit: „Nein, habe ich seit Tagen nicht gesehen“, beschied er freundlich der Anruferin, den Gatten freundlich dabei anblickend.

Öppe war ein geselliger Mensch. Deshalb war er Mitglied verschiedener Vereine. Da ist zunächst der Männer-Gesang-Verein Concordia zu nennen, dessen Mitglied er seit 1950 war. Im Jahre 2000 wurde er vom MGV Concordia für seine 50-jährige Mitgliedschaft besonders geehrt.

Mitglied der Grevener Bürgerschützen war er offiziell seit dem 1.1.1948. Da die erste Mitglieder- und Generalversammlung der Bürgerschützen nach dem Kriege am 6.6.1948 stattfand, wird er wohl, wie viele andere auch, tatsächlich am Tage der ersten Versammlung Mitglied geworden sein. Im Juni 1969 wurde er Schützenkönig der Bürgerschützen. Zu seiner Königin wählte er Christa Wolff.

Dem Sportverein Greven 09 hatte er sich im Jahre 1935 angeschlossen. Mitglied war Öppe aber auch noch in folgenden Grevener Vereinen: Heimatverein, DLRG, KG Emspünte, KKV, Schützenverein Frohsinn Ost, TVE und VdK.

Verheiratet war Öppe seit 1970 mit Christa geb. Wolff. Aus ihrer Ehe ging eine Tochter hervor.

Er und seine Ehefrau Christa verpachteten im Jahre 1995 die Gaststätte an Claudia und Bernd Temme, der heute der Wirt bei „Öppe“ ist, wie man die Gaststätte immer noch nennt.

Josef Winninghoff verstarb am 14.1.2020 in Greven.

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