Post hat im Briefzentrum neue Sortiermaschinen installiert
Schneller als das Auge gucken kann

Reckenfeld -

So schnell kann kein Postler sortieren. Im Briefzentrum der Post in Reckenfeld brechen neue Maschinen die Rekorde.

Donnerstag, 05.03.2020, 08:47 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 09:00 Uhr
Renate Wasiak und Jörg Senkbeil demonstrieren eine der Maschinen, die die Post so sortiert, wie sie die Zusteller brauchen.
Renate Wasiak und Jörg Senkbeil demonstrieren eine der Maschinen, die die Post so sortiert, wie sie die Zusteller brauchen. Foto: Oliver Hengst

Gangfolge-was? Wenn die Mitarbeiter des Briefzentrums in Reckenfeld über ihre neuen Maschinen sprechen, hantieren sie mit Begrifflichkeiten, die den Laien erstmal stutzen lassen. Also ganz von vorne: Es geht um so genannte Gangfolgesortiermaschinen. In der Welt der Post gibt es natürlich auch eine Abkürzung: GFSM. Neun Exemplare sind schon eine ganze Weile im Einsatz, kürzlich kamen fünf weitere hinzu, die noch etwas moderner und leistungsfähiger sind.

Doch was kann eine solche Maschine? Kurz gesagt: Sie nimmt den Zustellern eine Menge Sortierarbeit ab, indem sie die Briefe in genau die Reihenfolge bringt, die nachher beim Austragen der Post gebraucht wird. Die Maschine kennt die detaillierte Route im jeweiligen Bezirk und kann daher entsprechend sortieren. „Die Route ist komplett festgelegt“, sagt Post-Pressesprecher Rainer Ernzer. Das sei aber auch schon früher so gewesen, als noch von Hand sortiert werden musste. Die festen Routen seien auch der Grund dafür, dass die Menschen ihre Post üblicherweise immer zur gleichen Zeit bekämen – mit Ausnahme des Montags, an dem das Briefaufkommen deutlich geringer ausfalle.

Zeitersparnis

„Früher“, sagt Ernzer, „bekam der Zusteller seine Post quasi auf den Tisch gekippt“. Die Mitarbeiter mussten sie dann von Hand sortieren – das kostete viel Zeit. Arbeit, die inzwischen Maschinen übernehmen – eben die GFSM. Da die Zusteller bei der Vorbereitung ihrer Tour Zeit sparen, kann mehr Zeit für die eigentliche Zustellung investiert werden. Die Bezirke seien größer geworden, aber die Arbeitszeit sei nicht ausgedehnt worden, sagt Ernzer. Der Job sei „knackiger geworden“. Es sei aber mitnichten so, dass den Zustellern mehr Arbeit on Top draufgesattelt worden sei. Nur habe sich eben die Gewichtung verändert.

Der Post-Konzern hat sich die neuen Maschinen einiges kosten lassen. Wie viel genau, behält das Unternehmen für sich. Nur soviel: „Das ist ein klares Bekenntnis zum Standort“, sagt Ernzer. Letztlich komme die Investition auch der Zustellqualität zugute.

Bessere Zustellung

Damit die Briefe in die richtige Reihenfolge kommen, müssen sie dreimal durch die GFSM geschickt werden. Warum dreimal? Sachbearbeiter Jörg Senkbeil zuckt mit den Schultern, das habe mit mathematischen Algorithmen zu tun. „Ich habe noch keinen getroffen, der es mir erklären konnte“, sagt er schmunzelnd. Wie es funktioniert ist also eine Sache für Spezialisten. Hauptsache, dass es funktioniert. Und das tut es, wie ein kurzer Funktionstest für die Presse beweist. Renate Wasiak legt den Inhalt zweier postgelber Boxen in die Maschine, drückt ein paar Knöpfe und die Briefe flitzen los – so schnell, dass man sie kaum erkennen kann.

Die Maschinen sind im Übrigen Nachteulen. Erst gegen 4 Uhr in der Früh laufen sie zur Höchstform auf. Grund: Sie können erst dann loslegen, wenn alle Briefe, die am nächsten Morgen im Postleitzahlbezirk 48 zugestellt werden sollen, angeliefert worden sind. „Wir müssen zum Beispiel auf Frankfurt und München warten“, sagt Senkbeil. Und Stuttgart. Und Hannover . . . Erst wenn alles da ist, rattern die GFSM los, jede mit einem Mitarbeiter besetzt.

Saisonal verschieden

Die Menge der Briefe, die tagtäglich bearbeitet werden, sei „saisonal sehr unterschiedlich“, weiß Senkbeil. Rund um Weihnachten gehe es hoch her, auch zu Jahresbeginn, wenn Versicherungen, Behörden und Co. ihre Jahresabrechnungen verschicken. Nach einem Sommerloch nehme die Zahl der Sendungen im Herbst dann wieder kontinuierlich zu.

Eine Millione am Tag

Im Schnitt, sagt Ernzer, könne man in Reckenfeld von rund einer Million Sendungen ausgehen, die innerhalb von 24 Stunden rein- und wieder rausgehen.

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