Sebastian Greufe ist neuer Chef der Grevener Feuerwehr
„Ich war immer technikbegeistert“

Greven -

Er ist schon mit 12 Jahren in der Jugendfeuerwehr aktiv gewesen. Jetzt ist Sebastian Greufe ehrenamtlicher Chef der Grevener Feuerwehr (180 Ehrenamtliche, 34 Hauptamtliche). Im Gespräch sagt er, was die Faszination der Feuerwehr ist.

Samstag, 07.03.2020, 12:13 Uhr aktualisiert: 08.03.2020, 14:04 Uhr
Sebastian Greufe mit seiner Ernennungsurkunde. Er ist jetzt ehrenamtlicher Chef der Grevener Feuerwehr.
Sebastian Greufe mit seiner Ernennungsurkunde. Er ist jetzt ehrenamtlicher Chef der Grevener Feuerwehr. Foto: Günter Benning

Sebastian Greufe (37) ist seit dieser Woche offiziell ehrenamtlicher Leiter der Grevener Feuerwehr. Er ist Landesbediensteter in der IT der Polizei in Greven und schon seit 25 Jahren in der Feuerwehr aktiv. Mit ihm sprach unser Redaktionsmitglied Günter Benning.

Woran erkennt man an Ihrer Uniform, dass Sie der Chef der Feuerwehr sind?

Greufe: In NRW werden die Dienstgrade auf den Schulterklappen getragen. Für den Leiter der Feuerwehr gibt es das Eichenlaub mit zwei Sternen.

Bei Ihnen sehe ich nur einen?

Greufe: Ich bin ja auch gerade erst ernannt worden. Da kommt noch einer. Das kann man einfach so ersetzen.

Sie kommen aus der Jugendfeuerwehr. Erinnern Sie sich, wie alles anfing?

Greufe: Ich bin 1994 zum ersten Mal bei der Jugendfeuerwehr in Münster, im Löschzug Geist gewesen. Seit 1995 war ich dann offizielles Mitglied. Also bin jetzt 25 Jahre dabei.

Wo lag für Sie die Faszination der Feuerwehr?

Greufe: Ich wollte Anschluss finden an eine Gruppe, das war der erste Punkt. Außerdem war ich immer technikbegeistert, das ist bei der Feuerwehr sehr ausgeprägt. Hier kann man mit großen und kleinen Geräten arbeiten. Das ist vielfältig.

Man muss viele Lehrgänge absolvieren. Das haben Sie alles mitgemacht?

Greufe: Natürlich, die Lehrgänge muss man durchlaufen, sonst kommt man nicht weiter. Sobald man in die Führungsausbildung geht am Institut der Feuerwehr, dann muss man alle Lehrgänge mitgemacht haben.

Was war dabei besonders hart?

Greufe: Wenn man sich reingekniet hatte, dann war es nicht schwer. Man musste was dafür tun. Ich habe 2016 den ABC2 gemacht, den Führungs-Lehrgang für gefährliche Stoffe und Güter und biologische und chemische Gefahren. Der war körperlich anstrengend. Man musste sich da richtig reinknien, denn das war ein Geschäft, das man nicht täglich macht.

Wenn man in so einem Chemikalienschutzanzug steckt, kommt man ordentlich ins Schwitzen?

Greufe: Körperlich ja, für einige ist es auch vom Kopf her anstrengend. Man ist ja quasi eingeschlossen in einer eigenen Atmosphäre, mit Atemschutz, mit Gepäck von 15 Kilo. Das ist schon eine Gewöhnungssache.

Die Feuerwehr ist oft in Gefahrensituationen. Das geht vermutlich nur, wenn man sich auf sein Team verlassen kann?

Greufe: Sonst würde Feuerwehr gar nicht funktionieren. Nur als Gruppe ist man stark. Wir reden ja auch von einem Löschgruppenfahrzeug. Wir arbeiten mit mindestens sechs Mann auf so einem Fahrzeug, damit man effektiv sein kann.

Im vergangenen Jahr hat es in Greven viele und große Einsätze gegeben, wie viele Kräfte haben Sie eigentlich zur Verfügung?

Greufe: In Greven haben wir 180 Ehrenamtliche und 34 Hauptamtliche, wobei die im Wechsel arbeiten. Und es sind auch Sanitäter dabei, die den Rettungsdienst bedienen, außerdem noch Auszubildende. Das ist eine ordentliche Truppe, die auf mehrere Löschzüge und Standorte verteilt ist.

Beim Großbrand am FMO hatten Sie Unterstützung aus dem ganzen Umland. Ist das normal?

Greufe: Ja, da haben wir Unterstützung von den umliegenden Feuerwehren bekommen. Auch bei einem Brand in der Gronenburg hatten wir die Feuerwehren aus Emsdetten und Altenberge dabei. Das ist so vorgesehen.

Durch die Dürre der letzten Jahre gab es Situationen, die nicht einfach sind. Es brennt im Wald, der nächste Hydrant ist weit entfernt. Ist das für Sie neu?

Greufe: Eigentlich nicht. Aber die Häufung ist heute anders. Die hat in den vergangenen Jahren zugenommen.

Bedeutet das eine höhere Belastung für die Wehren?

Greufe: Wir hatten im vergangenen Jahr 410 Einsätze – von der Türöffnung bis zum Großfeuer. In der Summe verzeichnen wir einen Anstieg der Einsätze. Die größeren sind dann natürlich sehr zeitintensiv und sehr anstrengend, allein schon durch die Hitze. Im Parkhaus am FMO war es so heiß, dass der Beton von der Decke abgeplatzt ist.

In der Regel müssen Feuerwehrleute von der Arbeit abgerufen werden. Ist das ein Problem?

Greufe: Das ist schwieriger geworden. Viele Mitglieder arbeiten außerorts. Wenn Kameraden in Münster beschäftigt sind, können die nicht zum Einsatz kommen. Wenn sie in Greven ankommen, fahren wir teilweise schon wieder zurück. Angesichts der wirtschaftlichen Situation haben viele freiwillige Feuerwehrleute auch Angst um ihren Arbeitsplatz und überlegen sich zweimal, ob sie kommen sollen.

Einen Zwang gibt es nicht?

Greufe: Vom Gesetz her ist klar geregelt, dass der Arbeitnehmer freizustellen ist. Die Praxis sieht anders aus.

Da muss man früh anfangen, um Menschen für die Feuerwehr zu begeistern.

Greufe: Ja, so wie die Fußballvereine. Die fangen mit den Minikickern an. Wir starten jetzt mit der Kinderfeuerwehr. Die Jugendfeuerwehr existiert schon. Dann muss man zusehen, dass die Leute dabei bleiben. Man muss aber auch sehen, dass die Ausbildung sehr zeitintensiv ist. Oft finden Lehrgänge am Wochenende und mittwochabends statt. Manchmal über acht Wochen…

Und sie bekommen da kein Geld für…

Greufe: Das ist alles ehrenamtlich. Die wenigsten wissen ja, dass wir hauptamtliche und ehrenamtliche Kräfte haben.

Warum tun Sie es dann eigentlich?

Greufe: Gute Frage. Wenn man einmal dabei ist, bleibt man auch dabei. Es ist ja auch spannend, was man erlebt und sieht. Manchmal schön, manchmal nicht so schön. Manchmal kann man Gutes tun, manchmal auch nicht.

Ist man nicht überfordert von den schlimmen Sachen, die man dabei sieht?

Greufe: Überfordert nicht, denn wir werden ja darauf vorbereitet. Wenn es belastende Vorfälle gibt, haben wir immer noch eine Nachsorge, wo man das aufarbeitet.

Andererseits ist es sicher ein positiver Verstärker, wenn man wirklich etwas löschen und Leute retten konnte?

Greufe: Manchmal bekommt man im Nachgang eine Information, zum Beispiel, wenn wir jemanden aus einem Auto rausgeschnitten haben und wir erfahren später, dass sie auf dem Wege der Besserung sind und ein gesundes Leben führen können. Das ist schön zu hören. Im letzten Jahr hatten wir einen Flugzeugabsturz, da hat sich ein Insasse mit einem Foto von ihm und seiner Partnerin bedankt. Das wär sehr schön zu lesen.

Feuerwehr ist immer noch eine Jungens-Sache. Ändert sich das?

Greufe: Wir haben Gottseidank ein paar Frauen. Das Bild wandelt sich. Und ich habe noch nicht erlebt, dass eine Frau den Anforderungen nicht gerecht geworden wäre. Männer können genauso scheitern.

Und was ist mit den Kanarienvögeln und Katzen, die die Feuerwehr retten muss?

Greufe: Der Klassiker ist immer mal dabei. Im letzten Jahr hatten wir eine Katze in Nordwalde, die haben wir mit Hilfe der Drehleiter vom Baum geholt.

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