Poetry Slam am Gymnasium
„Friede, Freude, Eierkuchen“

Greven -

Zum zehnten Mal kamen in der vergangenen Woche Schüler und Lehrer zusammen, um gespannt den diesjährigen Beiträgen des alljährlichen Poetry-Slam-Wettbewerbs zu lauschen.

Sonntag, 08.03.2020, 14:02 Uhr aktualisiert: 09.03.2020, 16:59 Uhr
Am Ende hieß es „Friede, Freude, Eierkuchen“ für Jan-Steffen, Julia (Mitte) und Rika, die das Publikum am Mittwochabend mit ihrem Poetry-Slam am meisten überzeugen konnten.
Am Ende hieß es „Friede, Freude, Eierkuchen“ für Jan-Steffen, Julia (Mitte) und Rika, die das Publikum am Mittwochabend mit ihrem Poetry-Slam am meisten überzeugen konnten. Foto: Lisa Lorenz

Für viele ist „Friede, Freude, Eierkuchen“ nur ein Spruch aus Kindheitstagen. Doch für die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klasse des Gymnasiums Augustinianum bot der Spruch in diesem Jahr viel mehr Interpretationsspielraum. Zum zehnten Mal kamen in der vergangenen Woche Schüler und Lehrer zusammen, um gespannt den diesjährigen Beiträgen des alljährlichen Poetry-Slam-Wettbewerbs zu lauschen.

Der Raum, der sonst von der Schule als Klausurraum genutzt wird, sorgte mit gedämmtem Licht und ein paar altbackenen Möbelstücken für eine gemütliche Atmosphäre und lockte viele Zuhörer.

Poetry-Slam hat Tradition am Grevener Gymnasium. Bei dieser Form des modernen Dichterwettstreits, bei der das Publikum im Anschluss einen Sieger wählt, traten die Schüler der Klasse 10 mit selbst geschriebenen Texten aller Art gegeneinander an. Dabei bewiesen die 19 finalen Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Kreativität und ihre Individualität.

„Mindestens jeder hat sich einmal gedacht: Was ist das für ein bescheuertes Thema?“, verkündete einer der Schüler, der dem Publikum mit Humor schilderte, wie man als mittelmäßig engagierter Schüler eine solche Aufgabe löst.

Auch andere konnten mit Humor punkten, sei es mit Witzen über Lehrer oder mit Stellungnahmen zum aktuellen Weltgeschehen.

Andere Schüler nahmen das Thema zum Anlass, sich mit gesellschaftskritischen Gedanken zu präsentieren. „Friede, Freude, Eierkuchen ist mehr Schein als Sein“, behauptete eine Schülerin. Es wurde das Ignorieren von wichtigen Themen wie Klimawandel und rechtem Gedankengut angeprangert und appelliert, bewusster zu leben. Gleichzeitig machten andere darauf aufmerksam, wie gut es uns eigentlich ginge: „Hör auf zu petzen, lern‘ mal was zu schätzen!“

Dass „Friede, Freude, Eierkuchen“ oft nur eine Fassade sei, wurde auch zur Sprache gebracht. Manche der Schülerinnen blickten hinter die Maske auf das verborgene Ich, das nach außen hin versteckt wird. „Warum Ich?“ als quälende Frage des Selbstzweifels, der Schrei nach Anerkennung, Hoffnungen und Enttäuschungen, der Umgang mit persönlichen Tragödien ließen in tiefgründige Gedanken hineinblicken und das Publikum fast vergessen, dass diese Texte von ihren Mitschülern stammen.

Doch nicht nur inhaltlich konnten die Schülerinnen und Schüler überzeugen. Auch mit ihrer sprachlichen Gewandtheit glänzten sie. Wer nicht mit Reimen für Lacher sorgte, beeindruckte durch freies Vortragen oder zog das Publikum mit der richtig gewählten Stimmlage in seinen Bann.

„Friede, Freude, Eierkuchen“ war es am Schluss für Julia. Mit ihrem Beitrag „Mach die Augen auf, wir sind gefangen!“ und ihrem selbstbewussten Auftritt auf der Bühne konnte sie das Publikum überzeugen.

„Der Mensch ist frei geboren und überall liegt er in Ketten, doch nicht durch Mutter Natur. Nein, es sind wir. Wir halten uns in unserem eigenen Käfig gefangen“, betonte sie in ihrem Beitrag. Doch sie sagte auch, dass wir uns von ihm befreien können, indem wir zu uns selbst stehen.

Und mit einer Eierkuchen-Backmischung, einem Kochbuch und ein paar Schokoeiern für die drei Besten klang der Abend getreu dem Thema entspannt aus.

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