Freilichtbühne inszeniert „Die Welle“
Die Beklemmung war greifbar

Reckenfeld -

Sowohl in den Gesichtern der Zuschauer als auch in denen der Schauspieler war zu sehen, dass „Die Welle“ sie überrollt hatte. Manche waren von dem Stück, das am Freitagabend im ausverkauften Spielerheim der Freilichtbühne seine Premiere feierte, sogar so bewegt, dass ihnen Tränen in den Augen standen.

Sonntag, 08.03.2020, 14:04 Uhr aktualisiert: 09.03.2020, 16:58 Uhr
Robert (Benjamin Lenz, mit dem Heft) und seine Mitschüler können nicht fassen, was in der Schülerzeitung über die Welle steht.
Robert (Benjamin Lenz, mit dem Heft) und seine Mitschüler können nicht fassen, was in der Schülerzeitung über die Welle steht. Foto: Heidrun Riese

 

Es war wahrlich keine leichte Kost, der sich das junge Ensemble widmete – thematisierte die Inszenierung nach dem bekannten Roman von Morton Rhue doch den Nationalsozialismus.

„Was geht uns das an?“, fragte einer der Schüler in der Unterrichtsstunde, mit der die Geschichte nach einem wahren Ereignis begann. „Als ob sowas wieder passieren könnte“, warf ein anderer ein. „Jeder hat doch seine eigenen Augen, seinen eigenen Verstand und folgt nicht blind solchen Befehlen“, war ein weiterer der Jugendlichen überzeugt. Um seiner Klasse zu zeigen, wie leicht sich eine Masse von nationalsozialistischen Gedanken begeistern lassen kann, startete Geschichtslehrer Ben Ross (Jan Cunen) ein Experiment.

Freilichtbühne Reckenfeld inszeniert „Die Welle“

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Erst galt es nur, sich gerade auf den Stuhl zu setzen, bei einer Wortmeldung aufzustehen und diese mit „Herr Ross“ zu beginnen. Doch schon dieser erste Schritt hatte eine erstaunliche Wirkung auf die Schüler. „Wir waren keine Klasse mehr, wir waren eine Einheit“, sprühte einer vor Begeisterung. „Leute, das war super“, stimmte ein anderer ein. Ein weiterer sprach von „Energie, die man greifen kann“.

Als dann der Welle-Gruß mit dem Schlachtruf „Stärke durch Disziplin, Stärke durch Gemeinschaft, Stärke durch Aktion“ dazu kam, weiße Hemden mit Armbinden zur Uniform wurden und die Ansagen des Lehrers immer mehr wie die eines Offiziers klangen, geriet das Experiment außer Kontrolle.

Heftig war die Szene, in der vor den Augen des Publikums ein Junge verprügelt wurde. Natürlich nur gespielt, aber einigen Zuschauern stockte doch der Atem.

So mancher fühlte sicherlich auch mit Robert (Benjamin Lenz), anfangs absoluter Außenseiter, von seinen Mitschülern gemobbt und durch die Welle plötzlich anerkanntes Mitglied der Gemeinschaft. Auch mit Laura (Martje Drees), die in der Bewegung eine Gefahr erkannte, darüber einen Artikel für die Schülerzeitung schrieb und deren Beziehung zu David (Noah Berger) an der Welle zerbrach. Und mit Christin (Annett Boy), der Frau des Lehrers, die ihren Mann zur Vernunft zu bringen versuchte.

Alle, die jugendlichen und die erwachsenen Darsteller, machten ihre Sache großartig, erweckten die Geschichte bei geringem Einsatz von Bühnenbild und Requisiten mit ihrem Schauspiel zum Leben. Was das beklemmende Gefühl noch verstärkte, war die Tatsache, dass die Handlung ins Hier und Jetzt geholt wurde. Jan Cunen und Tabea Niepel (Regie), Maike Imberge (Regieassistenz) und ihr Ensemble hatten ganze Arbeit geleistet, die den anhaltenden Applaus verdiente.

Dass der nicht so euphorisch wirkte wie bei den sonst meist locker-flockigen Stücken der Freilichtbühne, war als Kompliment zu verstehen. Ging es doch um eine ernste Angelegenheit. Das unterstrich die Ansage, die aus den Lautsprechern kam – in der sich das ganze Team der Freilichtbühne deutlich gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie aussprach. Starke Worte am Ende eines bewegenden und aufrüttelnden Theaterstücks.

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