Auswirkungen des Coronavirus auf den Grevener Einzelhandel
Von Hamsterkäufen und Reisefrust

Greven -

Der Grevener Handel bekommt die Auswirkungen der Corona-Krise auf vielfältige Weise zu spüren.

Dienstag, 10.03.2020, 09:54 Uhr aktualisiert: 10.03.2020, 10:00 Uhr
Im Aldi wurden am Montagmorgen Desinfektionsmittel verkauft. Deswegen standen die ersten Käufer um 7 Uhr vor der Tür.
Im Aldi wurden am Montagmorgen Desinfektionsmittel verkauft. Deswegen standen die ersten Käufer um 7 Uhr vor der Tür. Foto: Peter Beckmann

Es war Zufall, aber zeitlich konnte es nicht besser sein. Am Montag gab es beim Discounter Aldi Desinfektionsspray, Hygiene-Tücher und Handgel. Deswegen standen schon um 7 Uhr die ersten Kunden vor der Tür, durften allerdings nur drei Produkte pro Kunde mitnehmen. Trotzdem: Innerhalb kürzester Zeit war alles ausverkauft.

„Diese typischen Hamsterkäufe erleben wir ganz stark“, erklärt eine Mitarbeiterin im Aldi-Markt. Beliebte Produkte zum bunkern seien Wasser, Nudeln, Toilettenpapier und Konserven.

„Darauf konnten wir uns auch gar nicht vorbereiten, mittlerweile wird es etwas besser“, erklärt die Mitarbeiterin. Denn wer erst einmal Toilettenpapier für vier Wochen gebunkert hat, braucht so schnell keins mehr. Ihrer Einschätzung nach sei dieses Verhalten vor allem in der mediengemachten Panik begründet.

Auch Hassan Elannan, Mitarbeiter der „Handyklinik“ bekommt die Auswirkungen des Coronavirus zu spüren. „Viele Fabriken in China haben zu oder es muss von zuhause gearbeitet werden. Die Lieferengpässe sind gigantisch“, erklärt er. Die verblieben Waren seien deutlich teurer geworden. Was früher 30 Euro gekostet habe, sei jetzt für unter 50 Euro nicht mehr zu bekommen. Er selbst bestellt jetzt viele Waren aus dem Libanon. Aber auch dort breite sich der Virus aus.

Friederike Kanne, Mitarbeiterin in der „Alles gut Apotheke“ kann zumindest bestätigen, dass die Angst der Menschen nachlässt. „Die Leute sind verunsichert. Deswegen wurde auch hier vor allem Desinfektionsmittel gekauft“, sagt sie. Die Apotheke konnte auch einen deutlichen Anstieg an Kunden verzeichnen. Sie rät den Kunden dazu große Veranstaltungen zu meiden, in den Ellenbogen zu niesen und engen körperlichen Kontakt, sowie Händeschütteln zu vermeiden. „Aber prinzipiell reicht Hände waschen als Schutzmaßnahme völlig aus.“

Im Eingangsbereich der Apotheke steht ein Automat, an dem die Kunden ihre Hände desinfizieren können. „Den haben wir schon seit gut einem Jahr, aber erst jetzt nehmen die Kunden ihn wahr“, erklärt Friederike Kanne schmunzelnd. Lieferengpässe bei Medikamenten gebe es derzeit noch nicht.

Auch in der Rossmann-Filiale in der Marktstraße gibt es kein Desinfektionsmittel mehr zu kaufen. „Wir füllen das zwar mehrmals am Tag wieder auf, aber nach ein paar Sekunden ist alles sofort wieder weg“, erklärt eine Mitarbeiterin. „Unsere ganzen Bioprodukte, sowie Tier- und Babynahrung werden auch vermehrt gekauft“, erzählt sie.

Auswirkungen des Coronavirus bekommt auch Daniel Rosendahl, Inhaber des Reisebüros am Markt, zu spüren. „Vereinzelt sagen Kunden ihre Reisen zwar ab, viel gravierender ist aber, dass kaum noch Reisen gebucht werden. Und dabei befinden wir uns immer noch in der eigentlichen Hauptbuchungszeit“, erklärt er. „Die Angst steckt einfach in den Köpfen der Leute drin“, meint Rosendahl.

Eine Erfahrung, die auch die Firma Weilke zu spüren bekommt. „Wir haben jede Menge Absagen zu verzeichnen, hauptsächlich betrifft dies derzeit die Fahrten nach Italien“, erklärt Michael Bringemeier, Touristik-Leiter der Firma Weilke. Fahrten an den Comer- und an den Gardasee seien bereits storniert worden. Bislang habe aber die Zahl der Absagen die Zahl der Neubuchungen noch nicht überschritten. Die Touristikbranche befinde sich definitiv in einer Krise. „Am schlimmsten ist, dass wir noch überhaupt keine Idee haben, wie hart es noch kommt und wie lange es dauert.“

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