Interview mit dem scheidenden TVE-Vorsitzenden Michael Martschinke
Neues Kapitel unter neuer Führung

Michael Martschinke hinterlässt ein sattes Plus in der TVE-Kasse. Und eine große Leere: Denn der Vorsitzende tritt ab.

Samstag, 14.03.2020, 14:55 Uhr aktualisiert: 14.03.2020, 15:00 Uhr
Meilensteine: Michael Martschinke bei der Feier zum 110-jährigen Bestehen des TVE im Jahr 2008 (links oben), bei der Neugründung der Trampolinabteilung (oben rechts), zusammen mit seiner Vorstandskollegin Annegret Wolter, die im vergangenen Jahr verstorben ist (links unten), und wenige Tage vor der Mitgliederversammlung 2020 (unten rechts).
Meilensteine: Michael Martschinke bei der Feier zum 110-jährigen Bestehen des TVE im Jahr 2008 (links oben), bei der Neugründung der Trampolinabteilung (oben rechts), zusammen mit seiner Vorstandskollegin Annegret Wolter, die im vergangenen Jahr verstorben ist (links unten), und wenige Tage vor der Mitgliederversammlung 2020 (unten rechts). Foto: WN

Erst vor einem Jahr verzückten Michael Martschinke und seine Mitstreiter im Vorstand des TVE ihre Mitglieder, als sie über die gelungene Entschuldung des Vereins berichteten. Das satte Plus in der Kasse war zugleich der Anstoß, einen Strategieprozess in Gang zu setzen, der Aufschluss über die künftige Ausrichtung bringen sollte. Ein Jahr später kommen erste Ideen auf den Tisch. Sie gehen einher mit einem Personalwechsel an der Spitze des Vereins. Ein Jahr vor Ablauf seiner Amtsperiode tritt Michael Martschinke ab. Im Gespräch mit Sven Thiele erklärt der scheidende Vorsitzende, warum er den Zeitpunkt für einen Wechsel an der Spitze des TVE für besonders geeignet hält, welche Entscheidung er in der Rückschau auf 15 Jahre bereut und welche Herausforderungen auf seinen Nachfolger warten.

 

Ist Ihnen die Entscheidung schwergefallen, gerade jetzt, wo der TVE neue Perspektiven entwickelt, als Vorsitzender abzutreten?

Martschinke: Nein, überhaupt nicht. Wir haben die Entscheidung im Vorstand schon vor einem Jahr getroffen. Maßgeblich für mich war, dass sich die Entschuldungsaufgabe als erledigt abzeichnete. Jetzt, wo der TVE sozusagen ein neues Buch aufschlägt, ist ein guter Zeitpunkt, das Amt aufzugeben.

Wie haben Sie den Übergang gestaltet?

Martschinke: Wir haben einen Perspektivprozess durchlaufen, in dem wir die inhaltliche Weiterführung geklärt haben. Und in diesem Zusammenhang haben wir auch nach einem Nachfolger gesucht. Da beides gelungen ist, fällt mir der Schritt abzutreten nicht schwer.

War es schwierig, die Nachfolge zu klären?

Martschinke: Schwierig war es nicht. Das lag möglicherweise auch an unserem Perspektivprozess, in dem wir analysiert haben, wo wir stehen und wo wir hinwollen. Derjenige, der Interesse bekundet hat, hat sich in diesen Prozess intensiv eingebracht. Das bedeutet, er kennt die Ist-Situation genauso wie die Ideen. Das war ein sehr guter Rahmen für das On-Boarding.

Wo steht der TVE im Moment?

Martschinke: Wir sind finanziell gesund, die Mitgliederzahlen sind konstant. Wir haben zwar in den vergangenen 20 Jahren etwa 400 Mitglieder verloren, doch immerhin haben wir diesen Trend aufgehalten. Nicht gelungen ist uns, ihn umzukehren. In sportlicher Hinsicht waren der Ausbau des Gesundheitssports und der frühkindlichen Bewegungsförderung Meilensteine in den vergangenen beiden Jahren. Strukturell setzen wir immer mehr auf Online-Themen. Insofern meine ich, der Verein hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt und ist gut aufgestellt.

Wie fällt Ihre persönliche Bilanz nach 15 Jahren aus?

Martschinke: Ich freue mich auf der einen Seite, dass der Verein solide aufgestellt ist. Ich freue mich auch, dass wir unser Angebot zwischenzeitlich erweitern konnten. Dazugekommen sind die Trampolin- und die Power-Fitness-Abteilungen. Auf der anderen Seite muss aber auch sagen, dass es trotz dieser Bemühungen nicht gelungen ist, die Mitgliederzahlen auf dem Niveau oberhalb von 2000 zu halten. Es herrscht bei uns Einigkeit, dass der TVE wieder wachsen sollte, wenn er langfristig zukunftssicher arbeiten will.

Was bedeutet das?

Martschinke: Klar ist, ein Verein in dieser Größenordnung wie der TVE kann man langfristig nicht mehr ehrenamtlich führen. Er ist aber auch zu klein, um ihn hauptamtlich zu betreuen. Hier ist eine Richtungsentscheidung erforderlich.

Welche ihrer Entscheidung bereuen Sie in der Rückschau?

Martschinke: Ich habe festgestellt, dass man sich als Verein treu bleiben sollte. Ich habe mal versucht, eine Hockeyabteilung aufzubauen, auch den Fechtsport fand ich interessant. In beiden Segmenten hatten wir weder eine Anbindung noch irgendwelche Erfahrung. Beide Versuche sind jäh gescheitert. Da, wo wir sowieso schon stark sind, sieht das anders aus. Das Trampolinspringen ist ein Positivbeispiel wegen der Bezüge zum Turnen. Deshalb: Man kann nur etwas tun, was zu einem passt.

Was würden Sie genauso wieder machen?

Martschinke: Die Reform unseres Beitragssystems. Wir machen keine Unterschiede mehr zwischen Jugendlichen und Erwachsenen. Für alle gibt es einen Beitrag. Außerdem gibt es für kostenintensive Sportarten einen Zusatzbeitrag. Das würde ich jedes Mal wieder so machen, weil es sich als enorm zielführend erwiesen und unsere Verwaltungsabläufe spürbar verschlankt hat.

Haben Sie schon Pläne für die Zeit nach dem TVE?

Martschinke: Ich freue mich, etwas mehr Zeit für mich zu haben. Konkrete Pläne haben ich aber noch nicht.

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