Ein Spaziergang durch die Innenstadt
Gespenstisch leer mit bunten Blumen

Greven -

In Zeiten der Corona-Pandemie steht das öffentliche Leben still. Auch in Greven. Die meisten Geschäfte haben geschlossen, die Parfümerie Balster sogar für immer. Die Filiale wurde aufgegeben, die Mitarbeiter entlassen. In den Geschäften, die noch geöffnet haben, gibt es klare Vorschriften, mit deren Hilfe die Mitarbeiter, aber auch die Kunden geschützt werden sollen.

Dienstag, 24.03.2020, 06:24 Uhr aktualisiert: 24.03.2020, 06:30 Uhr
Gähnende Leere in der oberen Marktstraße. Unten bei Rossmann wird es ein wenig lebhafter.
Gähnende Leere in der oberen Marktstraße. Unten bei Rossmann wird es ein wenig lebhafter. Foto: Peter Beckmann

Es ist gespenstisch. Gespenstisch leer in der Fußgängerzone. Im Bereich der oberen Marktstraße, wo auch in normalen Zeiten eher weniger los ist, trifft man keine Menschen. Alle Ladenlokale geschlossen. Irgendwie wartet man förmlich auf die trockenen, rollenden Büsche, die man häufiger im Western sieht.

Zurück zur Realität: Unter den vielen geschlossenen Geschäften ist auch „Bella Maison“, ein Deko-Geschäft, das gerade erst eröffnet hatte und nun – wie fast alle anderen auch – geschlossen bleiben muss. Kein guter Start für einen Einzelhändler.

Ein paar Schritte weiter dann die Überraschung. Bei Blumen Hensmann stehen Pflanzen und Blumen vor der Tür, als sei nichts gewesen. Ein schöner bunter Anblick in der Trostlosigkeit, etwas für die geschundene Seele. Doch: Dürfen die denn geöffnet haben? Beim genauen Hinschauen schnell des Rätsels Lösung. Hier geht es um Selbstbedienung: Blumen oder Pflanzen aussuchen, das Geld in den Briefkasten werfen, fertig. Kein Kundenkontakt. „Wir wollten unseren Kunden die Gelegenheit bieten, auch weiter Blumen kaufen zu können. Und für uns ist es eine Möglichkeit, Einnahmen zu generieren“, erklärt Gaby Hensmann. Und, sind denn alle Kunden auch ehrlich? „Das kann man nicht genau bestimmen“, so Hensmann. Aber in diesen schweren Zeiten hoffe sie, dass es klappe und niemand betrügt.

Dieser kleine schöne Moment wird dann ein paar Schritte weiter schnell getrübt. Schräg gegenüber des Blumenhauses das erste „Opfer“ der Corona-Krise: die Parfümerie Balster. Natürlich ist das Geschäft auch geschlossen. Aber: Das bleibt es auch nach Corona. Die Regale sind leer geräumt, das Personal hat die Kündigung bekommen – das war`s. „Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage hat sich Herr Balster notgedrungen entschlossen einige Filialen zu schließen“, bestätigt eine Sprecherin des Unternehmen auf Anfrage. Da würde es natürlich die umsatzschwächsten Filialen treffen.

Weiter Richtung Marktplatz. Auch das Blumenhaus gegenüber der Kneipe Otto hat auf Selbstbedienung umgestellt und sorgt für ein paar bunte Akzente. Und ganz allmählich wird es ein wenig lebhafter. Klar: Die Rossmann-Filiale hat geöffnet.

Aber auch hier ist nicht alles wie es sonst war. Ein Schild macht darauf aufmerksam, dass sich nicht mehr als 30 Kunden im Geschäft aufhalten dürfen. Aber: Woran erkenn ich denn, der Wievielte ich gerade bin? „Wir zählen von der Kasse aus“, sagt eine Mitarbeiterin. Und: das funktioniere. „Die Kunden halten auch fast alle den Zwei-Meter-Abstand ein, das klappt gut.“ Noch etwas ist anders. Pro Kunde gibt es nur eine große Packung Toilettenpapier. Ausverkauft ist es trotzdem. „Aber wir haben noch die kleinen Zweier-Packungen“, zeigt die Mitarbeiterin auf die Rollen im Regal. Davon dürfe der Kunde auch zwei mitnehmen.

Auf dem Marktplatz ist es dann wieder extrem leer. Nur eine ältere Dame kommt mit ihrem Rollator vorbei. „Ich wollte bei dem herrlichen Wetter ein bisschen spazieren gehen und zur Bank muss ich auch“, erklärt die Frau.

Weiter geht der Weg über Rathausstraße und Martinistraße. Vor der Alles-gut-Apotheke stehen die Kunden Schlange, schön brav mit zwei Metern Abstand. Im weiteren Verlauf ist nichts, absolut nichts zu sehen. Nur die Pizzeria im Niederort wird gerade geöffnet. „Die haben reichlich zu tun. Die liefern jede Menge aus“, erzählt ein Nachbar, der das Geschehen dort im Auge hat. Besonders am Sonntag sei da richtig viel los gewesen. Essenauslieferer haben in Corona-Zeiten Hochkonjunktur.

Kleiner Schwenk zum Aldi. Hier, wie in anderen Discountern und Lebensmittelgeschäften, sind inzwischen Spuckschutze installiert, um die Kassierer vor eventuellen Viren zu schützen. Es herrscht einigermaßen Betrieb, die üblichen Hamster-Favoriten – Mehl, Nudeln, Hefe, Toilettenpapier – sind natürlich ausverkauft, aber es war schon schlimmer. „Das geht in der nächsten Woche auch wieder los, wenn die Leute wieder Geld auf dem Konto haben“, zeigt sich eine Aldi-Mitarbeiterin pessimistisch. Nun, zumindest bei der Hefe gibt es beim Discounter eine Beschränkung auf zwei Würfel pro Kunde.

Im Netto-Markt am Grünen Weg gibt es eine Vorschrift, deren Sinn man nicht sofort erkennt. Jeder, der in dem Geschäft einkaufen möchte, muss einen Einkaufswagen mitnehmen. „So wird dann der Abstand an der Kasse wenigstens zwangsläufig eingehalten“, lautet die Erklärung. Nicht alle halten sich da wohl an die Vorgaben.

Die entscheidende Frage stellt dann ein Passant in der Fußgängerzone. „Ich bin mal gespannt, wann und vor allem wie das alles hier wieder in die Normalität zurück geführt wird. Und ebenso spannend wird sein, wie viele Läden die Corona-Krise überleben.“

Tja, das weiß im Moment wohl niemand so genau . .

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