Evangelische Kirchengemeinde geht neue Wege
Digitaler Gottesdienst: Gläubige klicken auf „Mag ich“

GReven -

Wenn die Menschen nicht in die Kirche kommen dürfen, kommt die Kirche eben zu den Menschen . . .

Dienstag, 24.03.2020, 08:24 Uhr aktualisiert: 24.03.2020, 16:04 Uhr
Pfarrer Jörn Witthinrich predigte am Sonntag via YouTube, die Kirchengemeinde will das fortsetzen.
Pfarrer Jörn Witthinrich predigte am Sonntag via YouTube, die Kirchengemeinde will das fortsetzen. Foto: Screenshot

Kapp 300 Aufrufe bis Montagmittag – so viele Besucher zählt die evangelische Kirchengemeinde bei „normalen“ Sonntagsgottesdiensten nicht. Aber dieser Gottesdienst war eben nicht normal. Pfarrer Jörn Witthinrich sprach am Sonntag via YouTube-Video zu den Gläubigen. Elf Nutzer drückten auf „Mag ich“.

Viele Gemeindeglieder schickten nach dem Gottesdienst Mails und Whats­App-Nachrichten und dankten, „dass Kirche sich so zeigt“, wie Witthinrich am Montag zufrieden bilanzieren durfte. Manche seien auch richtig gerührt gewesen. Auf jeden Fall sei eine große Dankbarkeit spürbar, dass die Kirche versuche, weiter für die Gläubigen da zu sein.

Für Witthinrich war der Gottesdienst „eine ganz neue Erfahrung“. Vor leeren Reihen zu stehen und stattdessen in eine Kamera zu sprechen habe sich „natürlich seltsam“ angefühlt. „Herzlich Willkommen in der Christuskirche“ – sagt sich eben anders, wenn dabei (fast) niemand physisch anwesend ist. Man habe aber den Gottesdienst nicht einfach ausfallen lassen wollen, erklärte der Pfarrer eingangs im Video. Man könne auch auf diesem Weg gemeinsam beten zu „einem Gott, der uns gerade in schwierigen Zeiten sagt: Ich bin da.“ Auch bei der weiteren Liturgie stand Tröstliches im Mittelpunkt: „Wo Gott ist, da verschwindet die Angst“, las Witthinrich etwa aus Psalm 27 vor. Aus gutem Grund: „Alles, was dem Alltag Struktur gegeben hat, was verlässlich war, was uns Sicherheit gegeben hat – all das gilt nun nicht mehr“, sagt Witthinrich in der leeren Kirche.

Der Gottesdienst war mit einfachen Bordmitteln aufgezeichnet worden – mit einem Smartphone. „Mitten in der Predigt war plötzlich der Handyspeicher voll, sodass ich noch einmal neu ansetzen musste“, berichtet der Pfarrer schmunzelnd. Von derartigen Hürden will sich die Pfarrgemeinde aber nicht abhalten lassen, den Weg weiter zu beschreiten. Am kommenden Sonntag ist Pfarrer Uwe Völkel an der Reihe.

Die Resonanz ermuntert das Pfarrteam. „Wir können jetzt mehr Menschen erreichen“, sagt Witthinrich zu den Klickzahlen. Gleichwohl gehe nichts über einen echten Gottesdienst in Gemeinschaft. Aber in Notzeiten müssen eben alle sehen, was möglich ist. „Die Menschen haben das Bedürfnis, Gottesdienst zu feiern“, weiß der Pfarrer. Auch und gerade in diesen besonderen Zeiten. „Man merkt, dass das Angebot auf offene Ohren stößt.“.

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