Zahnärzte und Corona
„Es hagelt zur Zeit Terminabsagen“

Greven -

In den Grevener Zahnarztpraxen steht zur Zeit das Telefon nicht still. Alle Patienten, die nicht unbedingt darauf angewiesen sind, sagen in Zeiten der Corona-Krise ihre Termine ab.

Mittwoch, 25.03.2020, 07:56 Uhr aktualisiert: 25.03.2020, 08:00 Uhr
Alles blau: Die so gekennzeichneten Termine wurden von den Patienten abgesagt.
Alles blau: Die so gekennzeichneten Termine wurden von den Patienten abgesagt. Foto: Peter Beckmann

Wenn Axel Pernice einen Blick auf die Terminübersicht wirft, bekommt er Sorgenfalten. Er, der mit mehreren Ärzten zusammen die Zahnarzt-Praxis an der Marktstraße betreibt, hat momentan wenig zu tun. „Es hagelt zur Zeit Terminabsagen“, erzählt er. Der elektronische Terminkalender macht es deutlich. „Alles, was blau ist, sind Absagen.“ Und blau dominiert den Bildschirm.

Bei 80 bis 90 Prozent aller Termine ist es mittlerweile blau, wurden also abgesagt. „Das ist für uns alle existenzbedrohend.“ Für die Mitarbeiter wurde inzwischen Kurzarbeit beantragt. „Aber wir Zahnärzte haben fast keine Einkünfte mehr“, sagt er.

Natürlich schlagen bei dem Dentisten zwei Herzen in der Brust. „Wir arbeiten sozusagen an der Quelle der Virusinfektion“, sagt er und meint damit natürlich den Mund. Kollegen in anderen Fachbereichen können die Patienten mit einem Mundschutz ausstatten. „Das können wir natürlich nicht. Natürlich befrage man die Patienten vorher eindringlich, um Risiken zu vermeiden. „Aber der Mundschutz, den wir als Zahnärzte sowieso immer tragen schützen nicht vor Viren.“

Von Seiten des Kassenzahnärztlichen Verbandes sei die Empfehlung gegeben worden nur noch Notfälle zu behandeln. Das würde er und seine Kollegen auch gerne so praktizieren – allein aus Gründen des Eigenschutzes. „Aber wovon sollen wir dann unsere Familien ernähren, unsere Kredite abbezahlen?“ Da habe es bislang keinerlei Aussagen gegeben.

Für Kleinstbetriebe und auch für Mittelständler habe der Bund inzwischen Hilfen zugesagt. „Ob es für uns Zahnärzte auch so eine Regelung geben wird?“, fragt sich Dr. Pernice und fügt mit sarkastischem Unterton hinzu. „Uns muss man ja nicht helfen, wir sind ja alle Millionäre.“

Das fatale: Die finanziellen Schwierigkeiten werden bei den Zahnärzten erst in einem halben Jahr auftauchen. „Wir bekommen von den Krankenkassen Abschläge, die dann erst ein halbes Jahr später genau abgerechnet werden.“ Bei 80 bis 90 Prozent weniger Patienten kann man sich ausrechnen, was dabei heraus kommt.

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