39-Jähriger zu Bewährungsstrafe verurteilt
„Berührt – aber spielerisch, nicht mit sexueller Absicht“

GReven -

Zwei zehnjährige Mädchen soll ein Mann in Greven sexuell missbraucht haben. Dafür musste er sich nun vor Gericht verantworten.

Dienstag, 24.03.2020, 15:09 Uhr aktualisiert: 25.03.2020, 19:56 Uhr

Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zwischen Mai 2018 und Mai 2019 in Greven verurteilte das Jugendschöffengericht in Rheine am Montag einen 39-jährigen Mann zu einem Jahr und zehn Monaten mit Bewährung. Er wurde aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Der Verurteilte soll die zehnjährige Tochter seiner Lebensgefährtin, mit der er selbst ein zweijähriges Kind hat, sowie deren gleichaltrige Freundin in der gemeinsamen Wohnung in Greven über der Kleidung angefasst und auf die Entwicklung ihrer Brüste angesprochen haben. Davon waren der Staatsanwalt und das Jugendschöffengericht nach Anhörung der inzwischen elfjährigen Freundin und deren Mutter überzeugt. Seine Lebensgefährtin und ihre Tochter erschienen nicht als Zeugen und waren für den Richter telefonisch auch nicht erreichbar.

Die 40-jährige Mutter der Freundin sagte, dass ihre Tochter ihr nach einem Besuch bei der Familie erzählt hätte, dass der Angeklagte sie angetanzt, am Po und an der Innenseite der Oberschenkel angefasst und ihre Brüste befühlt habe mit der Äußerung: „Die wachsen noch“. Sie bestätigte, dass er viel Alkohol getrunken hätte. Der Bruder seiner Stieftochter hätte erzählt, dass er auch randalieren würde. Die Zeugin suchte daraufhin das Gespräch mit der Mutter, die gesagt hätte, sie wolle ihn rauswerfen, „aber er kam wohl wieder rein“. Deswegen wurde er festgenommen und kam in Untersuchungshaft, wie der Verteidiger berichtete.

Die Mutter hätte den Freundinnen den Kontakt danach untersagt. „Eigentlich müsste sie mir dankbar sein“, sagte die Zeugin. Sie hätte den leiblichen Vater der beiden Stiefkinder informiert. Auch der erschien nicht als Zeuge vor Gericht.

Schließlich entschieden der Staatsanwalt, der Richter und die Schöffen, es bei der Anhörung der Freundin unter Ausschluss der Öffentlichkeit bewenden zu lassen, weshalb der Vorwurf, der Mann habe die Stieftochter im Intimbereich über der Kleidung angefasst, nicht geklärt werden konnte. Der Angeklagte sagte: „Es kann sein, dass ich die Kinder angefasst habe, aber spielerisch, nicht mit sexueller Absicht“.

Die medizinische Leiterin der Forensik in Rheine hatte mit dem Angeklagten im Auftrag des Gerichts gesprochen und bestätigte, dass er auch ihr gegenüber nur von spielerischen, nicht von sexuellen Absichten gesprochen habe. Sie ging von einer Alkoholabhängigkeit aus, die behandlungsbedürftig sei. „Es handelt sich bei ihm um pädophile Neigungen ohne forensische Relevanz“, sagte sie. Sie ging davon aus, dass pädophile Neigungen durch Alkohol ausgelöst würden, weil er ihr gegenüber solche Gefühle als abartig bezeichnet hätte.

Das Gericht legte dem Angeklagten auf, ein Jahr lang keinen Alkohol zu trinken, sich von beiden Mädchen fernzuhalten und den Kontakt zu seinem eigenen Kind nur über das Jugendamt aufzunehmen. Zudem muss er 120 Sozialstunden ableisten und einmal im Monat zur Suchtberatung gehen. Damit hatte er sich zuvor unter Tränen einverstanden erklärt. Seit der U-Haft trinke er keinen Alkohol mehr. Der Richter warnte ihn abschließend eindringlich, nicht gegen die Auflagen zu verstoßen, „sonst stecke ich Sie sofort ins Gefängnis“. Vorbestraft war er in Deutschland nicht.

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