Neue Facebook-Gruppe für die lokale Wirtschaft
Bitterer Cappuccino in toter Stadt

Greven -

Gemeinsam für Greven. Das ist eine neue Facebookgruppe. Sie zeugt von den Gewerbetreibenden, die trotz Corona nicht aufgeben.

Freitag, 27.03.2020, 06:13 Uhr aktualisiert: 27.03.2020, 06:20 Uhr
Die neue Facebook-Seite.
Die neue Facebook-Seite.

Marc Wieschhörster steht da im Einreiher mit Einstecktuch, inmitten der Frühjahrsware. Er berichtet davon, wie seine Familie mehrere Läden in Greven, Osnabrück und Münster schließen musste. Wegen Corona. Dann appelliert er an die Treue der Kunden: „Der Cappuccino schmeckt bitter in einer toten Stadt.“

Markige Worte in einem YouTube-Video, das der Modehändler auf einer neuen Facebook-Seite geteilt hat. „Gemeinsam für Greven“ heißt die – und sie soll die Gewerbetreibenden unter einen Hut bringen, die trotz Virus weiter machen wollen.

Hinter der Facebook-Seite steckt Christian Müllmann. Der Karnevalsprinz der vorletzten Saison ist beruflich als Vermögensberater unterwegs ist. Er hat die Facebook-Gruppe gegründet – und seitdem prüft er ständig, wie viele Mitglieder sie bereits hat: Am Donnerstagabend waren es 1168. „Aber wir sind ja auch Anfang der Woche erst angefangen“, sagt Müllmann.

In jedem Fall soll es eine Initiative für Greven werden. Zu den Administratoren gehören mittlerweile der stellvertretende Bürgermeister Stevens Gomes, der Wifo-Vorsitzende Frederik Venschott und Lars Stöveken von der städtischen Wirtschaftsförderung. Die hat derweil auch eine alte Seite wiederbelebt: www.greven- hier-kauft-man-ein.de, ein Angebot, mit dem der lokale Einkauf gefördert werden sollte.

Die Facebookwelt Grevens ist durch zwei sehr große Gruppen geprägt. „Greven aktuell“ und „Die Greven Gruppe“. Beide verstehen sich als große Kommunikationsräume – und reagieren allergisch auf Werbung.

„Bei uns bringen wir nur Beiträge von Unternehmen aus Greven, die jetzt etwas anzubieten haben“, sagt Christian Müllmann. Damit hier kein Wildwuchs einzieht, muss jeder Beitrag vor der Veröffentlichung von den Admins freigeschaltet werden.

Vom Pizza-Restaurant bis zum Buchhandel, vom Modegeschäft bis zum Frisör – die ersten Beiträge in der Facebook-Gruppe zeigen, dass sich Grevens Unternehmen trotz der Krise noch einiges einfallen lassen. Für manchen geht es dabei um die Existenz.

Wie Kerstin Joeris über ihr Reisebüro in Reckenfeld schreibt: „Ich habe mir meinen Traum vom eigenen Reisebüro vor sechs Jahren erfüllt. Wir beraten unsere Kunden mit Herzblut." Was sie hofft? „Dass es schnell weitergeht.“

Kommentar

Corona hat Handel und Wirtschaft in eine Schockstarre versetzt. Aber langsam sammeln sich die Geister wieder und man spürt die Gegenoffensive. Vor einem Jahr noch hatten IHK und die Wirtschaftsförderung festgestellt, dass Greven bei der Digitalisierung im Handel hinterherhinkt. Jetzt zeigt sich: Wer online dabei ist, schafft es vielleicht auch besser, durch die Krise zu kommen. Er hat nämlich gegenüber dem stationären Handel einen Vorteil: Er bleibt sichtbar, er kann Sympathien wecken und sich weiter um sein größtes Gut kümmern: die Kunden.

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