Dr. Gesine Schauerte ist neue Vikarin in Reckenfeld
Spätes Zweitstudium in Rekordzeit

Reckenfeld -

Gesine Schauerte hat zweimal studiert. Einmal hat sie sogar ihren Doktor gemacht. Kein Wunder, dass sie das Theologiestudium in Redordzeit absolviert hat. Sie ist jetzt Vikarin.

Donnerstag, 09.04.2020, 07:53 Uhr aktualisiert: 09.04.2020, 08:00 Uhr
Dr. Gesine Schauerte mit Pfarrer Uwe Völkel bei der Vorstellung.
Dr. Gesine Schauerte mit Pfarrer Uwe Völkel bei der Vorstellung. Foto: Stefan Bamberg

Ihre Berufungsurkunde von der Landeskirche erhielt Dr. Gesine Schauerte neulich per Post. Die erste Begegnung zum Dienstbeginn aber, die gab’s dann doch live und in Farbe zu erleben. Mit zwei Metern Abstand zwar, dafür mit extra frischen Blumen begrüßte Pfarrer Uwe Völkel die zukünftige Kollegin: Schauerte ist die neue Vikarin der evangelischen Gemeinde – und zugleich die erste seit rund 20 Jahren.

„Kirche“, sagt Schauerte, „war für mich immer selbstverständlich.“ Und vor allem die Musik dort ist ihr Ding: Schon als Kind und Jugendliche sang sie in Chören, lernte Cello.

Dann schlug sie beruflich aber doch eine andere Richtung ein: In Münster und Heidelberg studierte die gebürtige Hamburgerin und jetzige Ibbenbürenerin Germanistik, Musikwissenschaft und Philosophie. Promovierte schließlich, und plante eine Karriere im Verlagswesen.

Dann jedoch kam erst mal die Familie. Ihr Mann ist Musikdirektor im Kirchenkreis Tecklenburg, jahrelang unterstützte sie dessen Tätigkeit als Verwaltungskraft und Expertin für Öffentlichkeitsarbeit.

Nun, als 48-Jährige, ist Schauerte gewiss eine Spätstarterin auf dem Weg ins Pfarramt – auf der anderen Seite aber auch eine Durchstarterin: Statt in der fünfjährigen Regelstudienzeit wälzte sie die evangelische Theologie in fünf Semestern durch, und packte nach sieben das erste Examen.

Das alles übrigens mit drei Kindern zuhause, die inzwischen 11, 13 und 15 sind. Mit der Doppelbelastung, würde der Fußballreporter frohlocken, kommt sie also ganz gut klar.

Auf mehreren Positionen einsetzbar ist Schauerte zudem – und will dort spielen, wo der Trainer sie aufstellt: „Da lasse ich mich überraschen.“

Bald geht‘s los mit dem dreimonatigen Schulpraktikum, als Reli-Lehrkraft an der Nelson-Mandela-Gesamtschule.

Und in der praktischen Gemeindearbeit zwischen Erlöser- und Christuskirche? Da wartet alles auf sie, was kirchliches Leben bunt macht. Kita, Konfis, Kirchenchor, Altentreff, Bibelkreis, Café der Begegnung. Vielleicht sogar die Norwegen-Freizeit im Sommer.

Und viele Gottesdienste: Auch bei den aktuellen Internet-Andachten soll sie eingebunden werden. „Wir können hier für Vikare ein hervorragendes Umfeld bieten“, glaubt Uwe Völkel. „Denn wir sind eine klassische Land-Gemeinde, die fast alles anbietet – ein Vollversorger.“

Jedenfalls, wenn nicht gerade Corona-Krise ist.

Gesine Schauerte möchte sich gleichwohl bereits jetzt in Greven und Reckenfeld vorstellen: „Telefonieren ist ja für den Anfang auch eine gute Möglichkeit.“

Die Lehrveranstaltungen mit den anderen Vikaren, berichtet sie, finden erst mal online statt. In den zweieinhalb Jahren Vikariat stehen regelmäßig Prüfungen an. „Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, nie wieder Klausuren zu schreiben“, schmunzelt Schauerte.

Die Lust auf die neue Herausforderung sei dann aber doch größer gewesen als dieser einst gefasste Vorsatz. Und der angestrebte Pfarrberuf vielmehr Berufung: „Ich freue mich auf alles!“

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