Olaf Wirl und Sebastian Wänke über die Freien Wähler
„Nicht nach striktem Parteibuch“

Greven -

Die Freien Wähler bestehen im Grevener Rat aus Olaf Wirl. Was dahinter steckt, erklärt er im Gespräch.

Samstag, 11.04.2020, 09:59 Uhr
Olaf Wirl (oben) und Sebastian Wänke im Skype-Interview.
Olaf Wirl (oben) und Sebastian Wänke im Skype-Interview. Foto: Günter Benning

So finden heute Interviews statt: Olaf Wirl, Ratsherr der Freien Wähler Grevens, stellvertretender Vorsitzender Sebastian Wänke und unser Redaktionsmitglied Günter Benning sprachen per Skype über die kleinste Gruppierung im Grevener Rat, die zur Wiederwahl antritt.

 

Herr Wirl, sie sind schon die zweite Wahlperiode im Rat. Eine sehr einsame Existenz?

Olaf Wirl: Ja, man ist ein Einzelkämpfer. Eines unserer großen Ziele ist es, dass wir beim nächsten Mal die Fraktionsstärke wieder schaffen, damit alle sich wieder beteiligen können und etwas erreicht wird.

Im Augenblick sind Sie Mitglied im Rat und haben einen beratenden Status im Haupt- und Finanzausschuss?

Olaf Wirl: Und ich bin beratendes Mitglied im Bezirksausschuss Reckenfeld. Ich bin ja Reckenfelder, habe in Reckenfeld kandidiert und ein Anrecht darauf, im Bezirksausschuss mit zu beraten.

Wänke: Unser Verein hat an die zehn Mitglieder, die sich dann aber auch alle sehr gut mit einbringen. Wir haben eine sehr aktive Mitgliederschaft.

Die Freien Wähler sind entstanden als Opposition zu der übermächtigen CDU oder SPD im Rat, wie sehen Sie sich?

Olaf Wirl: Letztendlich wollen wir eine Alternative darstellen zu den großen Parteien. Wir wollen keine Parteiideologie mit Fraktionszwang, sondern rein sachbezogen die einzelnen Entscheidungen bürgernah treffen. Wir glauben noch immer, dass die Kluft zwischen Bürgern und Parteien recht groß ist.

Was sind Ihre politischen Ziele?

Olaf Wirl: Ein großer Schwerpunkt ist die Schulvielfalt in Greven zu erhalten. Wir haben uns sehr stark eingesetzt für den Erhalt der Anne-Frank-Realschule, da bin ich immer noch sehr aktiv. Wir haben jetzt das Problem steigender Schülerzahlen. Es muss voran gehen beim Ausbau der Schulen. Wir haben sehr große Klassen, das kann nicht richtig sein. Schulsozialarbeiter stehen mit auf dem Programm.

Haben Sie denn auch ein spezielles Reckenfelder-Programm?

Olaf Wirl: Ich bin für ganz Greven da. Natürlich ist man als Reckenfelder bei den einzelnen Positionen dabei, da bin ich auch stolz drauf was hier möglich ist, wie z.B. die Bürgerbeteiligung beim Projekt 2020. Die Bürgerbeteiligung muss man weiter unterstützen.

Wie sind Sie zu den Freien Wählern gekommen?

Olaf Wirl: Spontan, ich bin angesprochen worden von einem guten Bekannten, den ich in der Schule kennengelernt habe und der sagte, komm doch einfach mal mit. Damals gab es noch Fraktionsstärke mit vier Leuten.

Fraktionsstärke, das war schon eine Nummer. Aber heute hat der Rat ja mit den Linken und den Grünen doch zahlreiche Parteien, wo unterscheiden Sie sich?

Olaf Wirl: Wir sind die Gruppierung der Mitte, weil die Mitte verloren geht. Ich habe den Eindruck, es geht teilweise in die Extremen, entweder in die rechte Ecke oder in die linke und die Mitte geht verloren.

Wänke: Der große Vorteil der Freien Wähler ist, dass wir nicht nach einem striktem Parteibuch handeln, sondern wirklich alles auf kommunaler Ebene hier vor Ort entscheiden durch die Mitglieder und auch die Punkte, das kann auch die Windkraft sein. Wir brauchen eine gesunde Mischung. Zum Beispiel in Greven wollen wir nur vorhandene Gebiete behalten und die dann natürlich auch besser ausbauen durch neue und effizientere Anlagen. Aber auch nicht mit diesen 260-Meter-Rädern. das macht dann auch keinen Sinn.

Was glauben Sie, wie ist die Situation im Moment, haben die Freien Wähler Potenzial oder verteilt sich das auf die anderen Parteien?

Wänke: Die Freien Wähler als Name haben einen großen Vorteil, dass jetzt in Bayern mitregiert wird und der Aiwanger bringt sich auch sehr aktiv mit in die Bundesregierung ein. Das aktuelle Paket zur Firmenbewertung kommt von den Freien Wählern aus Bayern. Da hoffen wir eine größere Bekanntheit durchzubekommen.

Herr Wirl, Sie sind als Feuerwehrmann in Münster tätig, was machen Sie da konkret?

Wirl: Ich bin Praxisanleiter, Notfallsanitäter und natürlich auch Feuerwehrmann. Ich bin zuständig für die Aus- und Fortbildung im Bereich Rettungsdienst. Die Fortbildung ist im Moment runtergefahren, aber nichtsdestotrotz muss man ja ausbilden, man muss neue Wege suchen um die Kollegen zu erreichen und Inhalte zu vermitteln.

Ihr Wunsch den sie in der nächsten Kommunalwahlperiode umsetzten möchten?

Wänke: Für uns ist der Schülertransport wichtig. Der ÖPNV muss verbessert und wenn möglich günstiger werden. Das hat folgende Vorteile: alle können sich in Greven bewegen. Wir wollen den Busverkehr auch mit den außenliegenden Bereichen (Vosskotten, Schmedehausen) verbessern.

Wirl: Der ÖPNV ist zur Zeit noch auf den Schülerverkehr ausgerichtet. Es soll mehr Gerechtigkeit zustande kommen. Manche Ungerechtigkeit muss ausgeglichen werden.

Wänke: Auch die Schullandschaft ist für uns wichtig. Ich selber komme aus der Schulelternschaft und habe dann gewechselt zu den Freien Wählern. Das war genau diese Übergangszeit, in der es um die Sekundarschule ging. Seitdem sagte die Stadt immer, wir haben keine höheren Schülerzahlen zu erwarten, wobei die Freien Wähler und auch die Stadteltern immer gesagt haben, es wird mehr Schüler geben.

Wirl: Für uns ist auch die weiterführende Schule in Reckenfeld, die belächelt wird, vorstellbar.

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