Michael Friedenberg ist als Logopäde von Corona betroffen
Therapeutische Spiele am Computer

Greven -

Auch Logopäden gehören zu den systemrelevanten Sektoren, die trotz Corona arbeiten können. Doch aus Angst bleiben viele Patienten weg. Da hilft Kollege Computer.

Freitag, 10.04.2020, 10:44 Uhr aktualisiert: 10.04.2020, 15:21 Uhr
Der Logopäde Michael Friedenberg bei der Arbeit. Noch ist die Therapie per Internet für ihn Neuland.
Der Logopäde Michael Friedenberg bei der Arbeit. Noch ist die Therapie per Internet für ihn Neuland. Foto: Günter Benning

Rieke ist fünf Jahre alt. Auf dem Bildschirm sieht man sie und ihre dreijährige Schwester Merle vor dem Bildschirm. Dahinter ihre Mutter Mareike Bockeljürgen. „Das ist schon etwas anders als die normale Therapiestunde“, sagt sie. Normalerweise bleiben die Eltern nämlich draußen.

Anders als normal – das ist es auch für Michael Friedenberg. Der Logopäde hatte sich früher nie mit so etwas wie Skype oder Zoom beschäftigt. Sein Therapiezimmer ist bunt, die Regale bersten über von Gesellschaftsspielen und Büchern, überall liegen Puppen und Figuren herum. Wer mit Kindern sprechen übt, muss eben die Fantasie anregen.

Friedenberg hat seinen Laptop auf dem Schreibtisch aufgeklappt. „Wir üben heute Präpositionen“, sagt er. Rieke kommt bald in die Schule und hinkt in der Sprachentwicklung etwas hinterher. Friedenberg ruft ein Spiel auf dem Bildschirm auf, teilt es mit Rieke. „Na, kannst Du das auch sehen?“, fragt er. Das Mädchen nickt. Und dann wird gewürfelt. Bei jeder Zahl muss ein Satz gebildet werden, der zu den Bildern in dem Spiel passt. „Der Elefant sitzt auf, unter, neben dem Würfel.“ Rieke beantwortet alle Fragen richtig.

„Ich habe auch eine Therapiestelle in Dortmund“, sagt Friedenberg. Dort gibt es viele Kinder mit Migrationshintergrund. „Die wären längst nicht so schnell wie Rieke.“

Seit Corona ist das normale Geschäft von Michael Friedenberg eingebrochen. Wobei das noch zu harmlos kling. „100 Prozent weniger“, sagt er. Die Patienten, die ja alle ein Rezept haben, um die Therapie machen zu können, blieben aus. Angst vor Ansteckung. Da kommt die neue Technik gerade richtig.

Manche Übungen funktionieren nicht am Bildschirm

Friedenberg würfelt. Eine Eins. „Ach, eine Vier“, ruft er und zwinkert dem Reporter zu, „hier kann man auch mal schummeln.“ So ist jedenfalls Rieke wieder am Zug. Übungen wie diese funktionieren gut am Bildschirm. Manches geht aber nicht. „Rieke“, sagt Friedenberg, „wir wollten noch das scharfe S üben.“ Aber bei der Tonqualität des Internet werden hohe und tiefe Töne ausgeblendet, hört man das scharfe S nicht so gut. Demnächst will sich der Logopäde einen Schutz besorgen, wie man ihn von Kassen kennt. „Dann kann ich auch wieder echte Sprechstunden machen.“

Manche Behandlungen sind online ausdrücklich verboten. „Zum Beispiel Schlucktherapien für Schlaganfallpatienten“, sagt er. Dabei besteht die Gefahr des Verschluckens – aus der Entfernung hat der Logopäde da keine Chance einzugreifen.

Rieke hat gewonnen. Beim Abzählen am Ende des Onlinespiels kommt sie auf mehr richtige Antworten. Friedenberg holt ein Gläschen mit bunten Steinen. „Normalerweise gibt es für Gewinner immer einen Stein“, sagt er. Jetzt muss es reichen, den blauen Klunker in die Kamera zu halten.

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