Yasin Cakir leitet das Webikul
Bildung ist der Schlüssel

Greven -

Bildung ist Aufstieg. Die alte Formel gilt für Migranten besonders, meint Yasin Cakir. Er leitet das Westfälische Bildungs- und Kulturzentrum in Greven.

Freitag, 01.05.2020, 12:28 Uhr aktualisiert: 03.05.2020, 15:50 Uhr
Yasin Cakir mit Sohn im Webikul.
Yasin Cakir mit Sohn im Webikul. Foto: Günter Benning

Man hört es nicht. Aber Yasin Cakir ist Kölner. „Mein Vater war Gastarbeiter“, sagt der neue Geschäftsführer des Webikul, „ich bin da aufgewachsen und der Karneval ist mir nicht fremd.“ Studiert hat er dann in Wuppertal, Ankara und Frankfurt, wo der kölsche Singsang sich verschleift.

Cakir sitzt in dem winzigen Chefbüro des „Westfälischen Bildungs- und Kulturzentrums“, im Innenhof an der Königstraße. Die Sonne scheint durchs Oberlicht, vor dem Schreibtisch ist gerade Platz für einen Stuhl. Auch ein Sinnbild für Migranten-Selbstorganisationen, die eher sparsam im Verborgenen arbeiten. Den Posten hat er von seinem Vorgänger Erol Kaplan übernommen, der in ähnlicher Mission nach Dortmund gewechselt ist.

Der 35-Jährige steht persönlich für die Mission seines Vereins, der in Warendorf gegründet wurde und außer in Greven noch in Georgsmarienhütte aktiv ist.

Bildung ist der Schlüssel zur Gesellschaft. „Zunächst mal brauchen Kinder die Förderung“, sagt der in Nordwalde lebende Familienvater, der bis vor kurzem als Familien- und Sozialberater tätig war.

Darum bietet Webikul besonders Angebote für Jugendliche an. „Muslimische Kinder findet man eher nicht in den kirchlichen Jugendangeboten“, sagt Cakir. Aber sie kommen etwa in das Webikul-Fit-Programm in den Ferien. Fit, das heißt hier: Ferien Intensiv Training. Dabei steht Deutschlernen im Vordergrund. „Wir würden gerne mehr mit der Jugendarbeit der Stadt kooperieren“, sagt er, „um Migranten zu erreichen, die nicht von allein kommen.“

Überdies bietet der Verein seit Jahren Integrationskurse für Flüchtlinge an, ein wichtiges finanzielles Standbein. Zwei Integrationskurse laufen, ein dritter soll demnächst starten. Sein Verein, so Cakir, der auch Vorsitzender des Webikul e.V. ist, verstehe sich zwar als säkular, aber die meisten Teilnehmer seien Muslime.

Interessant ist, dass die modern aufgemachte Internetseite des Webikul sehr sparsam mit Namen umgeht. Nur den Vorsitzenden kann man im Impressum finden. Was wohl damit zu tun hat, dass der Verein der Hizmet-Bewegung des exilierten türkischen Predigers Gülen nahesteht. Der definierte Bildung allgemein als Schlüssel zum gesellschaftlichen Aufstieg und zur Integration und hat weltweit ein System von Schulen und Bildungsvereinen ins Leben gerufen. Der türkische Präsident Erdogan hat sich schon seit langem mit Gülen überworfen und wirft der Hizmet-Bewegung vor, hinter dem Putsch von 2016 in der Türkei zu stecken. Gülen weist das von sich.

Kein Wunder, dass zwischen dem Webikul und dem türkeinahen Ditib-Verein in Greven Funkstille herrscht. „Wir möchten uns nicht verstecken“, sagt Cakir, „wir haben bloß Angst, vor politischen Stellungnahmen.“

Tatsächlich sucht das Webikul den Kontakt zur Öffentlichkeit. So lud man immer wieder Politiker zum Fastenbrechen ein. „Dieses Jahr geht das leider nicht“, sagt Cakir. Der Ramadan, der muslimische Fastenmonat, muss ohne große Veranstaltungen auskommen. Und seit Beginn der Corona-Pandemie stoppt das Bildungsangebot des Vereins und Cakir arbeitet meist im Homeoffice.

Aber der Vereinschef könnte sich zum Beispiel vorstellen, gemeinsam mit der Stadt im Hansaviertel eine kleine Bibliothek für Migranten aufzubauen. Und wenn er sich auch nicht politisch einmischen will, so findet er doch, dass „eine Stadt wie Greven eine Migrantenselbsthilfeorganisation braucht.“

Cakir hat in Wuppertal soziale Arbeit studiert und in Ankara und Frankfurt muslimische Theologie. Der Kontakt zur Hizmet-Bewegung habe ihn zum Studium inspiriert.

Wichtig seien die Werte, die eine moderne Gesellschaft zusammenhalten. Und die Vorbilder. „Vorbilder – das ist ein Thema, das mich seit Jahren beschäftigt“, sagt er, „junge Menschen werden nur radikalisiert, wenn sie falsche Vorbilder haben.“

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