Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners
Jetzt kommen Würmer zum Einsatz

Saerbeck -

Diesmal soll er keine Chance haben. In Saerbeck versprühte eine Fachfirma jetzt ein Bio-Insektizid gegen den Eichenprozessionsspinner, der zu lästigen Folgen führt.

Dienstag, 05.05.2020, 08:51 Uhr aktualisiert: 06.05.2020, 14:58 Uhr
Ein Mitarbeiter ein Spezialfirma versprüht in der Krone einer Eiche ein Bio-Insektizid, das die Larven des Eichenprozessionsspinners abtöten soll. Insgesamt 1200 Bäume wurden auf diese Art in der vergangenen Woche behandelt.
Ein Mitarbeiter ein Spezialfirma versprüht in der Krone einer Eiche ein Bio-Insektizid, das die Larven des Eichenprozessionsspinners abtöten soll. Insgesamt 1200 Bäume wurden auf diese Art in der vergangenen Woche behandelt. Foto: Gemeinde Saerbeck

Der Aufwand ist enorm: Allein in den vergangenen drei Jahren hat die Gemeinde für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners insgesamt fast 90 000 Euro an Fachfirmen überwiesen. Hinzu kamen 1200 weitere Arbeitsstunden, geleistet von Mitarbeitern des Bauhofes und des Ordnungsamtes. Vor ein paar Tagen rückte in Saerbeck nun erneut eine Firma mit Hubsteiger und Spritzanlage an. Die diesjährige Bekämpfung des Schädlings, der mitunter gefährliche allergische Reaktionen auslösen kann, hat begonnen.

Nahezu alle Eichen befallen

Von Montag bis Mittwoch besprühten Mitarbeiter einer Spezialfirma im Ortskern sowie auf einem Spielplatz in der Bauerschaft Westladbergen insgesamt rund 1200 Eichen mit einem Bio-Insektizid. Begleitet wurden sie dabei von zwei Mitarbeitern des Bauhofes, deren Aufgabe unter anderem darin bestand, den jeweiligen Straßenabschnitt kurzzeitig zu sperren. Innerorts, das berichtet Bauhofleiter Christoph Reckert, seien nahezu alle Eichen befallen.

Bio-Mittel im Test erfolgreich

Zum Einsatz kam ein biologisches Mittel, das die Raupen des Schädlings abtöten soll, noch bevor diese ihre gefährlichen Gifthaare ausbilden. „Für diese Art der Behandlung war jetzt die richtige Zeit, da sich die Larven noch in einem frühen Entwicklungsstadium befinden“, erläutert Reckert.

Das Bio-Insektizid war im vergangenen Jahr auf einem kleinen Versuchsfeld getestet worden – mit offenbar vielversprechenden Ergebnissen. „80 bis 90 Prozent der Larven wurden abgetötet“, stellt der Bauhofchef fest. Die Gespinstnester der überlebenden Tiere seien später abgesaugt worden.

So werden Eichenprozessionsspinner bekämpft

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  • Was tun gegen die Gespinste des Eichenprozessionsspinners? So gehen Profis vor:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit Schutzanzügen bekleidet lassen sich die Schädlingsbekämpfer – hier vom Unternehmen „AstWerk“ per Hubwagen in die Baumkronen hieven.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ein Haarspray kommt zur Fixierung des Gespinstes zum Einsatz.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Dann wird das Nest von Hand abgenommen...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ...und in einer Plastiktüte verpackt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Eine weitere Möglichkeit zur Entfernung der Nester: Absaugen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit einem Industriestaubsager werden die Gespinste entfernt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Anschließend werden die betroffenen Stellen an der Eiche gründlich abgesaugt und mit einem Haarspray imprägniert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 40 bis 50 Nester können von einer Kolonne am Tag beseitigt werden.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Eichenprozessionsspinner werden samt ihrer reizenden Brennhaare entsorgt.

    Foto: Matthias Ahlke

Würmer gegen Raupen

Auf dieses mechanische Verfahren der Bekämpfung will die Gemeinde auch in diesem Jahr nicht verzichten. Zuvor soll aber eine vergleichsweise neue Methode erprobt werden, bei der eine bestimmte Nematoden-Art in Baumwipfel gesprüht wird.

Nematoden sind winzige Fadenwürmer, die eigentlich am Boden leben, aber in der Lage sind, in die Raupen des Eichenprozessionsspinners einzudringen. Sie bringen ein Bakterium mit, das für die Raupe tödlich wirkt.

Die Mission ist heikel und voller Unwägbarkeiten: „Die Nematoden müssen innerhalb von zwei Stunden ihren Wirt gefunden haben“, erläutert Reckert. Weil sie außerdem kein Licht vertragen, müssen sie nachts versprüht werden. Ein Termin für einen solchen Einsatz, bei dem 350 Bäume behandelt werden sollen, steht noch nicht fest. Innerhalb der kommenden zwei Wochen müsste er aber über die Bühne gehen, weil sich auch hierfür die Larven in einem frühen Entwicklungsstadium befinden müssen.

Geringere Wirkung erwartet

Die Nematoden-Methode soll vor allem in unmittelbarer Nähe zu Gewässern und Naturschutzgebieten angewendet werden, weil dort ein Einsatz von Bio-Insektiziden unzulässig sei, berichtet Bauhofleiter Reckert. Er geht ferner davon aus, dass die Fadenwürmer, die so winzig sind, dass sie nur unter einem Mikroskop zu sehen sind, eine geringere Wirkung haben als Bio-Insektizide. Einen Versuch, glaubt er, sei es aber dennoch wert.

60 000 Euro sind in diesem Jahr für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners im Haushalt eingestellt worden. Hierfür hatte der Planungs-, Bau-, Umwelt- und Klimaausschuss in seiner Sitzung am 11. März grünes Licht gegeben. Die Verwaltung geht nach eigenen Angaben davon aus, dass sich die Population des Schädlings jährlich verdoppelt. Weil die Tiere immer wieder neue Nester gebildet hatten, rückten im vergangenen Jahr an Schulen und Kindergärten insgesamt vier Mal Spezialisten mit Absaugegeräten an.

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