In den Grundschulen dürfen zunächst die Viertklässler lernen
Ein ganz besonderer Schultag

Greven -

Ein denkwürdiger erster Schultag. Besuch in der Martinus-Grundschule, wo die vierten Klassen wieder lernen.

Freitag, 08.05.2020, 06:41 Uhr aktualisiert: 08.05.2020, 06:50 Uhr
Ben (l.) trägt Maske, aber nur, wenn er die Klasse verlassen muss. Für alle anderen reicht der genau ausgemessene Sicherheitsabstand.
Ben (l.) trägt Maske, aber nur, wenn er die Klasse verlassen muss. Für alle anderen reicht der genau ausgemessene Sicherheitsabstand. Foto: Günter Benning

Lächelt Frau Rosenbaum vielleicht? Oder guckt sie streng? Man weiß es nicht so genau, denn hinter ihrer Mund-Nase-Schutz lugen nur die Augen von Dorina Rosenbaum hervor. „Normalerweise gebe ich in dieser Klasse Sport“, sagt die Grundschullehrerin gestern morgen in der Klasse 4 der St. Martinus-Grundschule. Heute muss es Mathe sein. Der Donnerstag war an Grevens Grundschulen ein ganz besonderer erster Schultag.

„Man kann das schon irgendwie erkennen“, sagt Viertklässlerin Anna auf die Frage nach dem Gemütszustand ihrer Lehrerin. In dieser vierten Klasse lernen derzeit nur neun Schüler, Verhältnisse wie in elitären Privatschulen.

„Wir haben alle vierten Klassen geteilt“, sagt Agnes Langenhoff, die Schulleiterin, die einen besonders schicken Mundschutz trägt. Sehr gesichtsbetont. „Von einer Kollegin besorgt“, sagt sie.

Wie an allen anderen Grundschulen der Stadt wurde in den vergangenen Wochen ausgemessen, durchgerechnet, ein Notplan für den Unterricht in Corona-Zeiten gemacht. Der Abstand muss in den Klassen gewahrt bleiben, jede Klasse benutzt ihre eigene Toilette auf dem Flur. Und auf dem Schulhof ist Ringelreihen mit Anpacken natürlich verboten.

„Es ist gut, dass da draußen die Container weg sind“, sagt Ben. Die Übergangscontainer für den Mensabetrieb sind nicht mehr nötig, denn die neue Mensa der Schule ist fertig geworden. Während Corona ruhen die Bauarbeiter nämlich nicht.

In der nächsten Wochen kommen die anderen Klassen dann schrittweise aus ihrer Pandemie-Pause. War das denn nicht langweilig, wochenlang Zuhause sein zu müssen. „Nein“, sagt Kilian, „wir bauen einen neuen Kuhstall, da war ich ständig auf der Baustelle.“ Wohl dem, der vom Land kommt. „Wir haben Pferde“, sagt Katalina, „da habe ich viel geritten. Die Pferde interessieren sich nicht für Corona.“

Unterricht hatten die Kinder ja trotzdem. Die Eltern mussten jede Woche Arbeitsbögen abholen. Teilweise wurde auch digital gearbeitet. „Aber da sind die Familien ungleich ausgestattet“, sagt Lehrerin Rosenbaum, „die einen haben Laptop und Drucker. Bei den anderen müssen sich drei Kinder ein Handy teilen.“

Auch deshalb ist es gut, dass jetzt wieder regulärer Unterricht herrscht. Denn schon zu Beginn des Notstands war sich Schulleiterin Langenhoff sicher: „Die Schulen haben eine Chancen ausgleichende Funktion.“ Aber nur dann, wenn sie stattfindet.

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