Reckenfeld – die Entstehung des Ortsteils
„Eine stille, einsame Heide“

Reckenfeld -

Wie Reckenfeld entstand – das hat unser Grevener Historiker Hans-Dieter Bez nachgezeichnet.

Samstag, 09.05.2020, 06:43 Uhr aktualisiert: 09.05.2020, 06:50 Uhr
Schlichtgebäude, wie es für Reckenfeld nach dem Krieg typisch war.
Schlichtgebäude, wie es für Reckenfeld nach dem Krieg typisch war. Foto: Archiv

Will man sich über das ursprüngliche Reckenfeld informieren, so empfiehlt sich die Lektüre des Aufsatzes „Das Reckenfeld“, von Heinrich Pottmeyer im Jahre 1922 geschrieben. So erfährt man, wie dieses Gebiet ursprünglich aussah, das wir heute als den Grevener Stadtteil Reckenfeld kennen. Dort liest man: „Damals war das Reckenfeld eine stille, einsame Heide. Nur vereinzelt oder gruppenweise kamen Zwergkiefern und Wacholdersträucher darin auf, birkenbestandene Wallhecken grenzten die Anteile der verschiedenen Besitzer ab. Sandwege mit tiefeingesunkenen Wagenspuren zogen sich hindurch und schlängelnde Fußpfade, umsäumt von Ginstergesträuch.“

Diese Wald- und Heidefläche erstreckte sich zwischen Greven, Emsdetten und Nordwalde, war als „gemeine Mark“ Hude- und Weideland der angrenzenden Bauerschaften. Wichtige Veränderungen in diesem Gebiet waren der Bau des Max-Clemens-Kanals 1724/25 und der Bau der Eisenbahnlinie Münster-Rheine 1854/55.

Die folgenreichste Veränderung erfolgte jedoch durch eine Depesche des Deutschen Kriegsministeriums (Berlin) vom 2.11.1916: „Es ist beabsichtigt, je ein Nahkampfmitteldepot größeren Umfangs … und bei Münster an der Bahnstrecke Münster-Rheine zu erbauen.“

Anfang 1917 begann man mit dem Bau des Depots auf dem 130 Hektar großen Gelände unter Mithilfe von Kriegsgefangenen.

Das gesamte Gebiet wurde aufgeteilt in die vier Blöcke A – D, eine Bezeichnung, die auch heute noch für die Wohnbereiche genutzt wird. Nach der Fertigstellung von einem Anschluss- und zwei Übergabegleisen, dort gelegen, wo sich heute der Grüne Grund befindet, wurden 30 Kilometer Gleisanlagen verlegt. Auf jeweils einer Seite der Gleise wurden insgesamt 208 Lager- oder Munitionsschuppen aus Stein gebaut, zusätzlich mehrere große Verwaltungsgebäude.“

Die Schuppen waren alle gleich gebaut, 168 waren 70 Quadratmeter groß, 24 waren 300 Quadratmeter groß, 16 Schuppen waren 500 Quadratmeter groß, dazu kamen vier große Verwaltungsgebäude, später Evangelisches Gemeindehaus, Grundschule, Gaststätte Deutsches Haus und Haus Marienfried genannt.

Hinzu kamen noch sechs weitere Gebäude, die als Lokschuppen und Wohnhäuser genutzt wurden.

Am 21. Januar 1918 wurde die erste Munition per Eisenbahn zur Einlagerung angeliefert. Von hier wurde allerdings keine Munition an die Front geliefert, das Kriegsende kam zu schnell. Nach dem Krieg wurde die Munition auf dem Gelände vernichtet.

Am 9. August 1923 kaufte die Eisenhandelsgesellschaft Ost GmbH (Berlin) den gesamten Bereich samt aufstehenden Gebäuden. Die Besiedlung Reckenfelds hatte jedoch längst begonnen, denn zwei Familien bezogen bereits 1919 Räume in vorhandenen Wohngebäuden. Ab dem Jahre 1920 kamen jedes Jahr weitere Familien und Einzelpersonen hinzu.

Ab dem August 1925 kamen 16 Optanten-Familien aus dem Lager Schneidemühl nach Reckenfeld. Auch aus dem Ruhrgebiet wurden pensionierte Bergleute mit ihren Familien durch die Eisenhandelsgesellschaft angelockt.

Wegen der katastrophalen Wohn-Verhältnisse in Reckenfeld wurde von den Bewohnern die „Wirtschaftliche Vereinigung“ gegründet, die am 25. Juli 1928 eine Denkschrift herausgab, in der die Zustände in Reckenfeld und die wirtschaftliche Notlage der dortigen Bevölkerung geschildert wurden.

Viele Siedler hatten von der „Eisenhandelsgesellschaft Ost“ mit Munitionsdepots bebaute Grundstücke erworben, ohne als Eigentümer eingetragen zu werden. Um deren Grundbesitz zu retten, wurde 1932 auf Betreiben von Dr. Hans Lauscher die gemeinnützige „Siedlungsgemeinschaft Münster-Land“ gegründet, die den gesamten Grundbesitz (212 Morgen) übernahm und den Siedlern das Eigentum an ihrem Grundstück verschaffte. So konnte die Besiedlung Reckenfelds in geordnete Bahnen gelenkt werden. Dr. Lauscher war von 1933 bis 1936 der Syndikus dieser Siedlergemeinschaft.

Um an den Siedlungsbeginn in Reckenfeld in Munitionsschuppen zu erinnern, übernahm am 1. Oktober 2012 der Reckenfelder Bürgerverein im Rahmen einer Pacht von der Stadt Greven einen alten zu Wohnzwecken umgebauten Schuppen an der Lennestraße 17.

Diesen Schuppen bewohnte von 1929 bis 1971 die Familie Börger und verkaufte ihn dann an die Stadt Greven. Als das Gebäude nach verschiedenen Nutzungen abgerissen werden sollte, rief der Reckenfelder Bürgerverein eine Projektgruppe ins Leben, um es zu erhalten.

Die Projektgruppe unter der Leitung von Ferdinand Mehl begann mit dem Rückbau und der Instandsetzung des Gebäudes. Ferdi Mehl, auch Stellvertretender Vorsitzender des Grevener Heimatvereins, wurde schon bald „Schuppen-Ferdi“ genannt, weil er fast ständig auf der Baustelle anzutreffen war. Am 25. 09.2016 wurde das „Haus der Geschichte“ vom Landrat Dr. Klaus Effing der Reckenfelder Bevölkerung im Rahmen der „100-Jahr-Feier Reckenfelds“ übergeben.

 

Seine neue Verwendung ist bereits festgelegt: Ausstellungen zur Reckenfelder Geschichte, Standesamtliche Trauungen, Vorträge, Start- und Zielpunkt des historischen Radweges.

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