Karsten Frickes Ausweichstandort auf dem Bierzwerg-Parkplatz
Die Sehnsucht nach dem Mittelalter

Greven -

Wenn sich einer nach dem Mittelalter sehnt, dann Karsten Fricke. Er lebt davon. Bundesweit brät und brutzelt er auf Mittelalter-Festivals. Zumindest vor Corona.

Samstag, 09.05.2020, 10:55 Uhr aktualisiert: 09.05.2020, 11:00 Uhr
Karsten Frickes Heimat sind die Mittelalter-Märkte Deutschlands. In diesem Jahr fühlt er sich in die Steinzeit versetzt.
Karsten Frickes Heimat sind die Mittelalter-Märkte Deutschlands. In diesem Jahr fühlt er sich in die Steinzeit versetzt. Foto: Günter Benning

Karsten Frickes Heimat ist Greven. Aber für sein Geschäft brutzelt und brät er bundesweit auf Mittelalter-Festivals: „Eigentlich bin ich an jedem Wochenende unterwegs“, sagt der Ritterfan mit dem altertümlichen Tattoo am Unterarm und dem rauen Kittel, wie ihn wohl arme Ritter trugen.

Eigentlich. Doch seit die Corona-Pandemie über die Welt einbrach, ist die kleine Mittelalter-Welt von Fricke zusammengebrochen. Nirgendwo ist mehr Platz für Burgfräuleins, Ritter, Knechte und Landsknechte. Und nirgendwo hat einer Hunger auf die kräftigen Käsespätzle und die noch kräftigeren Braten und Mettwürste, die Fricke in großen Pfannen wie im Mittelalter brutzelt.

„So 70 000 Euro“, schätzt der wandernde Imbisskoch, „fehlen mir dieses Jahr in meiner Bilanz.“ Und das, wo er sich doch gerade noch einen neuen Zugwagen gekauft hat, um seinen schweren Holzstand von einem Festival zum anderen zu transportieren.

Heimischer Standort

„Mittlerweile“, meint der Mittelalter-Koch, „habe ich auf den Festivals meinen Ruf, ich muss nicht mehr überall hingehen.“ Er besucht also die richtig großen Events, wo an einem Wochenende schon mal 25 000 Menschen hereinspazieren. Alles hungrige Mäuler.

Jetzt weicht Fricke doch noch auf seinen heimischen Standort aus. Mit etwas Nachbarschaftshilfe von Stephan Braun vom Bierzwerg konnte er seinen Stand auf dem Parkplatz am Grünen Weg aufbauen. „Damit ihm nicht zuhause die Decke über dem Kopf zusammenbricht“, wie Braun sagt. Donnerstags bis samstags will er jetzt seine deftigen Speisen anbieten. Fricke: „Mit dem Ordnungsamt ist das alles abgesprochen.“ Er muss die nötigen Abstände einhalten. Vor den Pfannen hängt eine große Plastikscheibe, wie sie vermutlich kein echter Mittelaltermensch jemals gesehen hat.

Zukunft ist offen

„Schön, dass sie das machen“, sagt einer der Gäste, der sich in gehörigem Abstand bewegt und zum Ergreifen seiner Mittagsmahlzeit natürlich die Maske vors Gesicht zieht. „Jetzt wollen wir mal sehen, wie es so klappt“, sagt Fricke. Auf seinen Reisen begleiten ihn normalerweise noch zwei Mitarbeiter. Die sitzen jetzt auch Zuhause und warten auf coronafreie Zeiten. Wann die großen Mittelaltermärkte wieder stattfinden können, steht noch in den Sternen. Denn sie leben ja von offenen Zelten, massenhaft Publikumsverkehr. Und wie man einen Schwertkampf ohne Berührung durchführen kann, das hat vermutlich auch noch niemand ausprobiert.

Angefangen hat Fricke übrigens vor 15 Jahren. Da hat er Käse auf Märkten verkauft. „Und als ich sah, dass da einer Käsespätzle verkauft hat“, sagt er, „dacht ich mir, das kann ich auch.“

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