Abgeschobener Saeed Yakubu lebt in einem Slum der ghanaischen Stadt Kumasi
Ein Jahr ohne Perspektive

Greven -

Saeed Yakubu lebte ein nach vorne gewandetes und optimistisches Leben in Reckenfeld. Doch nach seiner Abschiebung nach Ghana ist für den jungen Mann nichts mehr normal. Er verbringt seine Tage in bitterer Armut und weiß nicht recht, wie es nun weitergehen soll

Sonntag, 10.05.2020, 18:42 Uhr aktualisiert: 11.05.2020, 16:33 Uhr
Saeed Yakubu, als er noch in Greven lebte.
Saeed Yakubu, als er noch in Greven lebte. Foto: Yakubu

Der Weg besteht aus Sand und Schotter. An seinem Rand stehen bunte Hütten. Saeed Yakubu (22) kommt aus seiner Behausung heraus und schwenkt sein Handy über die Nachbarschaft.

Ein Slum in Kumasi, der Hauptstadt der Ashanti-Region im Süden von Ghana. Vor einem Jahr lebte der 22-Jährige noch in Reckenfeld.

Aber sein Asylantrag war abgelehnt worden. Da half es auch nichts, dass er regelmäßiges Einkommen nachweisen konnte. Yakubu wurde ins Nirgendwo abgeschoben. „Hier gibt es nichts“, sagt er im WhatsApp-Gespräch.

Abschiebungen geschehen meist im Stillen. Die von Saeed Yakubu hatte für Aufsehen gesorgt. Man hatte ihn vor einem Jahr ins Grevener Sozialamt bestellt. Als er dort mit seinem Betreuer Hubert Höflich auftauchte, kam die Polizei aus den Nebenzimmern, nahm ihn fest. Man habe, hieß es, Solidaritätsbekundungen in seiner Unterkunft vermeiden wollen.

Saeed Yakubus Mutter ist Ghanaerin, sein Vater kam von der Elfenbeinküste. Mit drei Jahren ging er mit seinem Vater ins dessen Heimatland, sagt er. Vater und Mutter sind gestorben. Als junger Mann suchte er den Weg vieler Afrikaner – er wollte nach Europa.

Gelandet war er dann in Reckenfeld, wo er die Sprache lernte. Als er abgeschoben werden sollte, hatte er einen Job bei der DHL. „Ich habe so 800 bis 1000 Euro im Monat verdient“, sagt er am Handy.

Jetzt hat er nichts. Außer den 100 Euro, die ihm Freunde jeden Monat aus Ibbenbüren überweisen – für die Miete und den Lebensunterhalt. Er lebt, sagt er, bei einem Freund, der noch zur Schule gehe. Arbeit gebe es für ihn nicht. Allenfalls manchmal kann er in einer Autowerkstatt jobben – wie er es schon in seiner Jugend getan hat. „Aber wenn man gearbeitet hat“, klagt er, „bezahlen sie nicht.“

In Ghana, sagt er, kenne er niemanden. Seine Jugend hat er an der Elfenbeinküste verbracht. Aber da das afrikanische Land kein sicheres Herkunftsland ist, hat man ihn nach Ghana geschickt. Es habe, erinnert sich der ehemalige Lehrer Hubert Höflich, eine kurze Anhörung an der ghanaischen Botschaft gegeben: „Dann meinten die, er sei Ghanaer.“

Mit der kleinen Starthilfe, die er nach seiner Abschiebung vom deutschen Staat bekommen hat, konnte er gerade mal seine Fahrt nach Kumasi finanzieren. Papiere, sagt Yakubu, habe er nicht. Eine Aussicht auf eine Ausbildung gebe es auch nicht.

Hinter jeder Abschiebung stecken Geschichten, wie die von Yakubu. Zerstörte Hoffnung, Rückfall in die Armut.

„Es ist sehr schwer, hier zu leben“, sagt er, „ich würde mich freuen, wenn ich wieder reisen könnte. Nach Europa, oder egal wohin.“

Sozialhilfe oder andere Unterstützung bekommt der abgeschobene Flüchtling aus Greven in Ghana nicht.

Per Internet kann er manchmal mit Bekannten aus Greven sprechen: „Ich vermisse meine Arbeit, Herrn Höflich und noch viele andere Sachen“, schreibt er auf Deutsch.

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