Grevens Kneipen öffnen – aber von Normalität ist da noch keine Spur
„Nur auf gutes Wetter hoffen“

Greven -

Grevens Gastronomie hat geöffnet. Aber der Betrieb ist noch weit entfernt von der Normalität. Wer Kaffee trinken will, muss erst mal Hände desinfizieren, seine Adresse abgeben und dann den Sicherheitsabstand wahren.

Dienstag, 19.05.2020, 11:04 Uhr aktualisiert: 19.05.2020, 11:10 Uhr
Tobias Dübjohann mit seinen beiden Töchtern Ida und Rosa vor dem Mandala
Tobias Dübjohann mit seinen beiden Töchtern Ida und Rosa vor dem Mandala Foto: Sven Thiele

Dort, wo sonst Bänke zum Platznehmen einladen, herrscht gähnende Leere. Sämtliche Sitzgelegenheiten sind abgeschraubt und eingelagert. Auch das Wasserspiel abgestellt. Am Wochenende schickte die Sonne zwar ihren einladenden Gruß vom Himmel, trotzdem wirkte der Niederort, im vergangenen Sommer so etwas wie Grevens Hotspot, wie ein verlassender Ort. Allen Lockerungsübungen zum Trotz: Grevens Innenstadt wirkt im Moment alles andere als einladend. Auch die seit vergangener Woche mögliche Öffnung von Cafés, Kneipen und Restaurants hat daran wenig geändert. Und das hat mehrere Gründe.

Auf dem Marktplatz hat Tobias Dübjohann an einem seiner Tische Platz genommen. An seiner Seite sitzen seine beiden Töchter Ida und Rosa. Die Grundschule, in der Ida die erste Klasse besucht, läuft auf Sparflamme. Rosas Kindergarten ist geschlossen. Und das Mandala? Die kleine Kneipe im Schatten der Martinus-Kirche war wochenlang dicht. Vater und die beiden Töchter haben viel gemeinsame Zeit.

Das hat sich auch seit Donnerstag nicht geändert, obwohl Tobias Dübjohann an dem Tag das erste Mal wieder aufgesperrt hat. Doch seine Miene lässt erahnen: Begeisterung sieht anders aus.

Mittwoch vor einer Woche hat NRW-Ministerpräsident Armin Laschet Lockerungen für die Not leidende Gastronomie angekündigt. Am Samstag folgten die Bedingungen. Und die haben es in sich. 17 Punkte schreiben den Betrieben detailliert vor, welche Voraussetzungen sie erfüllen müssen, um wieder Gäste bewirten zu dürfen. Plätze müssen zugewiesen, Tische mindestens 1,5 Meter voneinander entfernt aufgestellt und Listen geführt werden. Überdies sollen Hinweisschilder die Gäste an die einzuhaltenden Regeln erinnern.

Weil das Mandala eine kleine Kneipe mit großem Tresen ist, darf Tobias Dübjohann noch zwölf Gäste einlassen. Der Aufwand, den er dafür betreiben muss, ist enorm, der Ertrag überschaubar.

„Unter diesen Voraussetzungen lassen sich die Kosten nicht decken“, erklärt der Gastronom und spricht von „Schadensbegrenzung.“ Die könnte am Ende des Tages aus seiner Sicht auch darin bestehen, den Laden wieder dicht zu machen. Helfen kann ihm im Moment nur die Sonne, die in den vergangenen Wochen so gnädig war. Vor seinem Café ist auf dem Marktplatz genügend Raum, um Tische und Stühle zu stellen. „Ich kann nur auf gutes Wetter hoffen.“

Einen Steinwurf vom Mandala entfernt betreibt Christian Schürhaus die altehrwürdige Gaststätte „Ottos“. Nach verhaltenem Start am Donnerstag meldete er für Freitag ein volles Haus. Doch was soll das schon heißen. 18 Gästen konnte Schürhaus einen Platz anbieten. Unter normalen Umständen wäre Platz für bis zu 60. „Das ist viel zu wenig, um am Leben zu bleiben“, meint Schürhaus, der wie viele seiner Kollegen auf weitere Lockerungen drängt.

Immerhin: Auch bei ihm läuft das Außer-Haus-Geschäft auf Hochtouren. Verzichten kann er auf diese Einnahmequelle nicht, daher können die Gerichte bis auf weiteres auch vorbestellt und abgeholt werden.

Robin Zurbrüggen hat in der vergangenen Woche seine Siedlerklause aufgehübscht. Vor dem Start am Freitag war er noch einmal gefordert: Warnschilder aufhängen. In die Aufbruch­sstimmung mischt sich eine gewaltige Portion Frust. „Mit Gastlichkeit und gemütlich Essen gehen hat das im Moment nichts zu tun“, beklagt er.

„Man wird in das Lokal geführt, sitzt an einem kahlen Tisch und muss sich registrieren lassen.“ Neun Tische kann Zurbrüggen besetzen. Er hat ein Zwei-Schicht-System ausgeklügelt und hofft dadurch, die Auslastung zu optimieren. Zu 17 und zu 19.15 Uhr können Gäste Tische reservieren. Dazwischen wird desinfiziert.

Robin Zurbrüggen ist Sprecher der Grevener Wirte, die unter dem Dach der Dehoga organisiert sind. Nach den ersten Tagen der Öffnung berichtet er von einer „verhaltenen Stimmung“ unter den Kollegen. Er selbst ist auch hin- und hergerissen. „Wir sind zwar froh, dass es wieder los geht, doch ich muss schauen, ob sich das unter diesen Bedingungen trägt.“

Die nächsten Tage werden zeigen, ob die jüngsten Lockerungen für Wirte wie Robin Zurbrüggen, Christian Schürhaus und Tobias Dübjohann zum rettenden Strohhalm werden. Im Moment spricht wenig dafür.

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