Marathonprozess muss fortgesetzt werden
Jahrelange Fehde in der Verwandtschaft vor Gericht

Greven -

Unüberwindbare Streitigkeiten in der Verwandtschaft kommen wohl in allen Kulturen vor. Manchmal eskalieren derartige Konflikte aber so derbe, dass auch Blut fließt. Am Dienstag mussten sich zwei türkischstämmige Brüder aus Greven vor dem Amtsgericht Steinfurt wegen Körperverletzung verantworten. Ihnen wurde vorgeworfen, ihrem Großonkel bei einer Schlägerei einen Zahn ausgeschlagen zu haben.

Mittwoch, 27.05.2020, 23:51 Uhr aktualisiert: 28.05.2020, 05:04 Uhr
Marathonprozess muss fortgesetzt werden: Jahrelange Fehde in der Verwandtschaft vor Gericht
(Symbolfoto) Foto: colourbox.com

Die beiden 27 und 32 Jahre alten Männer wurden von zwei Verteidigern unterstützt. Das 56 Jahre alte Opfer aus Greven trat als Nebenkläger auf, und ließ sich von einer Anwältin unter die Arme greifen. Darüber hinaus musste seine Aussage von einer Dolmetscherin übersetzt werden. Aufgrund seiner schlechten Aussprache, kam es des Öfteren bei der Übersetzung zu Irritationen.

Seit vielen Jahren herrscht zwischen den beiden Familien der Angeklagten und des Opfers Krieg. Schon einmal soll bei einem Streit vor vier Jahren ein Messer im Spiel gewesen sein. Doch das Verfahren wurde damals eingestellt. Am Dienstag drehte es sich um einen Vorfall am 1. Oktober vergangenen Jahres, zu dem die beiden Angeklagten keine Aussagen machen wollten.

Gegen 18 Uhr parkte ein mit dem Opfer, zwei Onkeln der Angeklagten und einem albanischen Fliesenleger besetztes Auto auf der Straße in Greven, wo die beiden Beschuldigten wohnen. Als der Geschädigte aussteigen wollte, sollen seine Großneffen auf ihn zugerannt sein und ihn im Gesicht verletzt haben. „Ich bin kurz ohnmächtig geworden. Als ich wieder aufgewacht bin, blutete ich im ganzen Gesicht“, schilderte das Opfer. Laut eines ärztlichen Gutachtens zog er sich dabei eine Schädelprellung, eine Risswunde und einen abgebrochenen Zahn zu.

Einigung nach vier Stunden Verhandlung

Allerdings konnte der 56-Jährige nicht genau sagen, wer von den beiden ihn verletzt hatte. Das versuchte das Gericht durch die Aussagen der drei weiteren als Zeugen geladenen Fahrzeuginsassen herauszufinden. Der 57 Jahre alte Onkel der Beschuldigten konnte dazu nichts sagen. „Ich habe nur versucht, die drei voneinander zu trennen“, berichtete er und fügte hinzu, dass das Opfer nicht bewusstlos und nur leicht verletzt gewesen sei.

Auch der 54 Jahre alte Onkel der beiden Angeklagten bestritt eine Bewusstlosigkeit des Opfers, meinte aber gesehen zu haben, wie sein 32 Jahre alter Neffe den auf dem Boden liegenden Geschädigten mit dem Fuß trat. Allerdings gab der Zeuge zu, seit rund 15 Jahren ebenfalls mit der Familie der Beschuldigten im Clinch zu liegen. „Ich habe gar keinen Kontakt mehr zu meinem Bruder“, betonte der Grevener. Der 51 Jahre alte Albaner sagte seinem Dolmetscher, dass er von der Schlägerei nur Schreie mitbekommen habe.

Die beiden Verteidiger schlugen nach der Beweisaufnahme vor, das Verfahren einzustellen. Lediglich der Anwalt des 32 Jahre alten Angeklagten stellte zusätzlich noch eine Zahlung in Höhe von 1500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung in den Raum. Das reichte dem Staatsanwalt nicht. Sowohl er als auch der Richter hatten bei der Beweisaufnahme versäumt, den 54 Jahre alten Onkel zu fragen, wohin der 32 Jahre alte Beschuldigte seinen Großonkel getreten hatte. Denn das wäre für die Höhe des Urteils ausschlaggebend gewesen. So einigte man sich nach fast vier Stunden Verhandlung, den Zeugen noch einmal vorzuladen und den Prozess am 8. Juni (Montag) fortzusetzen.

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