Bei der Caritas nähen Frauen aus Syrien und Irak seit März Behelfsmasken
„Jetzt können wir anderen helfen“

Greven -

Schönes Gefühl, anderen zu helfen, die einem auch geholfen haben. Flüchtlingsfrauen nähen bei der Caritas Mundschutze.

Freitag, 29.05.2020, 23:14 Uhr
Sichere Hand an der Schere: Fatema ist die gelernte Schneiderin im Masken-Nähteam der Caritas.
Sichere Hand an der Schere: Fatema ist die gelernte Schneiderin im Masken-Nähteam der Caritas. Foto: Caritas

„Deutschland hat uns so viel gegeben. Das, was wir hier machen, ist das Mindeste, wie wir jetzt in der Corona-Krise helfen können.“ So oder so ähnlich beschreiben Jamalia, Mafouza, Fatema, Botheina und Iklhas, weshalb sie im Caritas-Zentrum an der Kirchstraße Behelfsmasken für Mund und Nase nähen.

Ziemlich peppige und außergewöhnliche Muster sind dabei. Denn die fünf Frauen aus Flüchtlingsfamilien und Lea Kurth von der Flüchtlingsberatung des Caritasverbands in Greven verarbeiten seit Ende März an drei Tagen in der Woche Reststoffe aus einem Nähprojekt und Spenden. Selbst während des Ramadan-Fastens haben sie keine Pause gemacht.

Die Masken sind für alle interessierten Grevener gedacht, besonders für Klienten der Caritas. Spenden für Masken fließen in die weitere Arbeit. „Viele ärmere Menschen können sich sonst vielleicht keine Masken leisten“, glaubt Jamalia. „Die Caritas hilft uns, und jetzt können wir mal anderen helfen“, sagt die Frau, die vor viereinhalb aus Syrien nach Greven kam. Mafouza, ebenfalls aus Syrien, sitzt an ihrer Nähmaschine im Caritas-Zentrum und ist überzeugt: „Wir müssen alle Hand in Hand arbeiten in dieser schweren Zeit.“ Sie hofft, dass die Corona-Krise vorübergeht, aber bis dahin will sie weiter helfen, wie sie kann.

Botheina aus Syrien und Iklhas aus dem Irak kommen gerne ins provisorische Näh-Atelier, sagen sie. In diesen Zeiten müsse sich jeder fragen, was er selbst tun könne, ist ihre Meinung. Und neue Maskenmodelle ausprobieren mache „super Spaß“.

Rund oder eckig, in Kinder- oder Erwachsenengrößen, mit senkrechter Naht oder waagerechter Raffung, eher für den männlichen oder den weiblichen Typ, bunt gemustert oder schlicht: Die Expertin im Masken-Nähteam der Caritas ist Fatema. In Syrien hatte sie viele Jahre ein eigenes Geschäft als Schneiderin. Seit vier Jahren ist sie in Deutschland, im vergangenen Jahr leitete sie eine Nähwerkstatt bei der Caritas. Und jetzt designt sie die Masken, entwirft Schnittmuster, lernt ihre Kolleginnen und auch Betreuerin Lea Kurth an der Nähmaschine an. Eine ihrer jüngsten Ideen ist eine Maske-Kopftuch-Kombination für Muslima- bald zu haben bei der Caritas.

Die Frauen zählen nicht mit, wie viele Masken sie produzieren. 40 Stück pro Tag vielleicht, schätzen sie. Abnehmer gibt es in Greven, einige gehen an das Sozial-Kaufhaus der Caritas (KadeCa) nach Emsdetten.

Für die Frauen in Greven bedeutet das Masken-Nähen eine Möglichkeit, zu helfen, erklärt Lea Kurth. Und es biete ihnen Struktur, während Sprachkurse oder die Arbeit in der Offenen Ganztags-Grundschule (OGS) Corona-bedingt ausfallen. „Wir mach so lange weiter, wie es nötig ist und wir Zeit haben“, sind sich alle einig. Und dann rattern auch schon wieder die Nähmaschinen an der Kirchstraße los – natürlich im Sicherheitsabstand und mit maskierten Näherinnen.

Wer an einer Caritas-Behelfsmaske interessiert ist, kann sich per E-Mail melden bei kurth@caritas-emsdetten-greven.de. Dort freut man sich auch über Spenden von Baumwollstoffen.

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