Einstimmiger Grundsatzbeschluss im Bezirksausschuss
Politik will die Schule, aber . . .

Reckenfeld -

Einstimmig hat sich der Reckenfelder Bezirksausschuss für eine weiterführende Schule in Reckenfeld ausgesprochen. Aber: Derzeit geben das die Zahlen nicht her. Das hinderte die Politiker nicht daran, ein Zeichen zu setzen und die Idee einer weiterführenden Schule zumindest für unterstützenswert zu erklären.

Mittwoch, 03.06.2020, 17:52 Uhr aktualisiert: 04.06.2020, 11:40 Uhr
Die Reckenfelder Parteien unterstützen die Einrichtung einer weiterführenden Schule – wenn die Zahlen es hergeben.
Die Reckenfelder Parteien unterstützen die Einrichtung einer weiterführenden Schule – wenn die Zahlen es hergeben. Foto: dpa

„Der Bezirksausschuss Reckenfeld unterstützt die Einrichtung einer weiterführenden Schule in Reckenfeld.“ Diese Kompromissformel wurde am Dienstagabend in eben diesem Gremium einstimmig verabschiedet. Ein Zeichen ohne verbindliche Folgen – aber immerhin ein Zeichen.

Warum die Reckenfelder Lokalpolitiker diesen Beschluss fassten? Um dem Wunsch Nachdruck zu verleihen, dass Reckenfeld (wieder) eine weiterführende Schule bekommt – wenn denn die Voraussetzungen stimmen.

Diese Voraussetzungen aber sind der Knackpunkt. Die Zahl der Schüler, die von Reckenfeld aus pendeln, um eine weiterführende Schule zu besuchen, konnte Bürgermeister Peter Vennemeyer auf Nachfrage zwar nicht nennen. Aber: Die Zahl dieser Schüler werde allein nicht ausreichen, um eine komplette Schule damit zu füllen. Und die demografischen Prognosen lassen nach seinen Ausführungen auch für die kommenden Jahre keine Schulgründung zu. „Es gibt keinen Bedarf für eine weiterführende Schule in Greven. Die Zahlen geben das nicht her“, sagte er. Ergo würde die Bezirksregierung eine neue weiterführende Schule nicht genehmigen.

Zwar weise die Prognose steigende Schülerzahlen aus, aber eben nicht so stark steigend, dass es eine neue Schule brauche, um sie unterzubringen. „Ab 2024/25 weist die Prognose einen Bedarf von 13 bis maximal 42 Plätzen an weiterführenden Schulen in Greven aus, der nicht gedeckt werden kann“, betonte Vennemeyer. Viel zu wenig, um auf dieser Basis eine weiterführende Schule einzurichten. Denn das Schulgesetz gebe Mindestgrößen vor, die in Greven bei weitem nicht erreicht würden. „Erschwerend kommt hinzu, dass diese Zahlen fünf Jahre lang gesichert sein müssen“, sagte Vennemeyer. Und mit den Kapazitäten der Reckenfelder Grundschule komme man nach dem Ausbau „gut hin“.

Ernst Reiling (Reckenfeld direkt), der mit einem Antrag die Schul-Debatte ausgelöst hatte, zweifelte die Zahlen an. „Ich habe selten Prognosen erlebt, die stimmen. Wir wissen ja noch gar nicht genau, wer in die Ortsmitte zieht.“ Zudem erinnerte er an bis zu 80 Kinder aus Greven, die an auswärtige Schulen ausweichen müssten. Saerbeck habe sich nach der Gründung der dortigen Gesamtschule prächtig entwickelt. Gleiches erhofft sich Reiling für Reckenfeld. „Reckenfeld hat eine weiterführende Schule verdient.“

„Ja, wenn die Zahlen es hergeben“, antwortete Andreas Hajek (CDU). Wenn die Situation sich ergebe, „wären wir die letzten, die dagegen wären. Wenn eine neue Schule im Stadtgebiet gebaut würde, wäre ich in jedem Fall auch dafür, sie in Reckenfeld zu bauen.“

Ähnlich äußerte sich Janina Rebholz für die Grünen: „Wenn eine Schule gebaut würde, wäre Reckenfeld natürlich eine super Option.“ Wilfried Roth trat dem Eindruck entgegen, man gönne Reckenfeld die Schule möglicherweise nicht. „Nein, so ist es nicht. Aber man merkt, dass Wahlkampf ist.“ Das ändere nichts daran, dass zurzeit eine weiterführende Schule nicht möglich sei.

Wolfgang Voß (SPD) mochte sich mit dem kategorischen Nein des Bürgermeisters nicht abfinden und zweifelte ebenfalls die Prognose an. Diese seien bekanntermaßen mit großen Ungenauigkeiten behaftet. „Klar ist doch, dass Reckenfeld weiter wachsen wird.“ Bebauung der Ortsmitte, bei Schlick und möglicherweise auf dem jetzigen Aldi-Gelände – die Bevölkerungs- und damit die Schülerzahlen würden steigen. Ergo forderte die SPD einen Grundsatzbeschluss ein. „Es geht um eine Willenserklärung. Das wäre ein gutes Signal“, argumentierte Thomas Beumer für die SPD. Weil nicht nur ihm die Reiling-Formulierung der Unterstützung „aller Optionen zur Einrichtung einer weiterführenden Schule in Reckenfeld“ zu weit ging, einigte man sich letztlich auf die Konsens-Formel: „Der Bezirksausschuss Reckenfeld unterstützt die Einrichtung einer weiterführenden Schule in Reckenfeld.“

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