Drei Monate Ausnahmezustand im Jugendamt
„Die räumliche Trennung bleibt“

Greven -

Ende des Shut-Downs. Ab dem kommenden Montag können auch in Greven wieder alle Kita-Kinder in ihre Einrichtungen gehen. Allerdings gibt es zeitliche Beschränkungen, die für manche Eltern weiterhin bedeuten: Leben im Ausnahmezustand. Die Corona-Pandemie hat nicht nur Eltern, Erzieherinnen und das Jugendamt drangsaliert. Dem städtischen Haushalt fehlen einige Hunderttausend an Einnahmen, die nur bedingt durch staatlich Hilfen ausgeglichen werden.

Freitag, 05.06.2020, 23:59 Uhr aktualisiert: 06.06.2020, 05:02 Uhr
Haben drei Monate Ausnahmezustand hinter sich: Jugendamtsleiter Frank Hänel und seine Stellvertreterin Cordula Beinker.
Haben drei Monate Ausnahmezustand hinter sich: Jugendamtsleiter Frank Hänel und seine Stellvertreterin Cordula Beinker. Foto: Günter Benning

Sie haben in den vergangenen Wochen viel telefoniert: „Drei Vollzeitstellen“, sagt Jugendamtsleiter Frank Hänel, „waren bei uns mit den Ausnahmeregelungen für die Kitas beschäftigt.“ Ab Montag soll es wieder eine Stufe normaler weitergehen. Eingeschränkter Regelbetrieb – das heißt: vieles geht, vieles geht noch nicht.

Die erste Einschränkung, sagt Cordula Beinker, stellvertretende Amtsleiterin, die alle Kita-Zahlen der Stadt aus dem Ärmel schütteln kann, betrifft die Zeiten. Pauschal werden von den jeweils gebuchten Zeiten zehn Stunden abgezogen. Wer beispielsweise 45 Betreuungsstunden gebucht hat, erhält nur 35.

Finanzielle Entlastung für Eltern

„Inhaltlich ändert sich in den Kitas, dass sie in festen Gruppensettings arbeiten“, sagt Beinker. Offene Konzepte, bei denen sich Kinder etwa frei in der Kita bewegen können, gruppenübergreifend mit anderen spielen oder Zusatzangebote wie die Kita-Bücherei oder Sporthallen nutzen, sind nicht möglich. „Die räumliche Trennung“, sagt Beinker, „macht es für viele Einrichtungen schwierig.“

Notwendig sind die Einschränkungen einerseits aus Sorge vor der Ansteckung, andererseits auch wegen der zusätzlichen Belastung des Kita-Personals. Ältere Kolleginnen, die zu Risikogruppen gehören, haben weiter „Berufsverbot“. Wobei es jetzt nicht mehr reicht, älter als 60 Jahre zu sein, man benötigt auch ein Attest vom Arzt.

Dazu sind erhebliche hygienische Anforderungen gekommen, die das Personal zusätzliche belasten. Abgesehen davon, dass Kinder, die fast drei Monate in der Kita fehlten, jetzt wieder eingewöhnt werden müssen.

Für die Eltern gibt es weiter finanzielle Entlastungen. Waren die Monate April und Mai komplett kostenfrei, so fällt für Juni und Juli nur der halbe Kita-Beitrag an, der in einem Monatsbeitrag eingezogen wird.

Ein Kind infiziert

„Für die Kinder aus der Offenen Ganztagsschule, OGS“, erklärt Frank Hänel, „haben wir noch keine Regelung gefunden.“

Für die Stadtkasse bedeuten die ausfallenden Kita-Beiträge einen monatlichen Verlust von 250 000 Euro. Eine halbe Million für die ersten beiden Monate, wovon das Land NRW die Hälft erstatten wird.

 Die neuen Regelungen gelten erst einmal bis zum 31. August. Teilweise können sie auch für die Eltern eine Verschlechterung bedeuten, die bisher ihre Kinder in der Notbetreuung untergebracht hatten. Denn währen dabei Rücksicht auf den für die Arbeit notwendigen Betreuungsaufwand genommen wurde, gelten jetzt für sie auch die allgemeinen Kürzungsregelungen. Also: pauschal eine Betreuungsstufe weniger als gebucht.

„Wir arbeiten seit März im Krisenmodus“, sagt Frank Hänel. Aber zur Corona-Krise in den Kitas ist es nicht gekommen. Nur ein Kind aus einer Notbetreuungsgruppe sei infiziert worden. Seine Mutter habe im medizischen Bereich gearbeitet, erklärt Cordula Beinker: „Da musste die ganze Gruppe geschlossen werden.“ Da allerdings diese Gruppen sehr klein waren, sind nicht viel Freunde des kranken Kinder betroffen gewesen.

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