Mitten im Wahlkampf: Grevener SPD-Vorstand tritt zurück
“In unsäglichen Mails massiv angegangen”

Greven. Paukenschlag am späten Abend. In einer Email an die Grevener SPD-Mitglieder kündigten am Dienstagabend sechs Vorstandsmitglieder ihren sofortigen Rücktritt an. Dahinter stehen offenbar heftige Querelen bei der Aufstellung der Kandidaten für die Kommunalwahl.

Dienstag, 23.06.2020, 23:29 Uhr aktualisiert: 23.06.2020, 23:39 Uhr
Christian Haefs (r.) und Marc Ickerott gehören zu den Vorstandsmitgliedern, die am Dienstagabend zurürcktgetreten sind.
Christian Haefs (r.) und Marc Ickerott gehören zu den Vorstandsmitgliedern, die am Dienstagabend zurürcktgetreten sind. Foto: SPD

Nicht nachvollziehbar, heißt es in einem Schreiben an die Mitglieder, “dass gerade die jungen Kandidatinnen, aber auch der Ov-Vorsitzende, in mehreren unsäglichen E-Mails massiv für ihre Kandidaturen angegangen werden.”

 

Ihren Rücktritt kündigten an: Ortsvereinsvorsitzender Christian Haefs, sein Stellvertreter Detlef Büscher, Kassierer Neithard von Böhlen, die 2. Schriftführerin Esther Kunze-von-Böhlen, und die  Veranstaltungsbeauftragten Marc Ickerott und Jo Schreiber.

 

Christian Haefs (r.) mit den Ratsmitgliedern Monika Erben und Dr. Christian Kriegeskotte.
Foto: Günter Benning

Nicht zurückgetreten sind demnach Bildungsbeautragter und stellvertretender Bürgermeister Stevens Gomes, Schriftführer Volker Jünemann, sowie die Mitglieder Katharina Apffelstaedt, Andre Westermann, Norbert Beuing und Katja Freese.

 

In einem zweiseitigen Schreiben, das von den zurückgetretenen Mitgliedern unterschrieben wurde, tut sich ein Abgrund von Verwerfungen in der Grevener SPD auf. 

 

Ohne Namen zu nennen, wird darin von Vorwürfen, Beleidigungen und Drohungen im Zuge der Kandidatenaufstellung geschrieben. So sei dem Vorsitzenden Haefs, der sich für ein Ratsmandat beworben haben, “egomanisches, dummes Verhalten von Newcomern, die sich selbst maßlos überschätzen" vorgeworfen worden.

Wörtlich heißt es in dem Schreiben: “Versuche, mit einer satzungswidrigen Durchbrechung der Altemierung weibliche Kandidatinnen, aber auch den Reckenfelder Teil der Fraktion auf schlechtere Listenplätze zu schieben, sind dazu geeignet, zu spalten und einen Keil zwischen die drei Ortsvereine zu treiben, welche in der Vergangenheit eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet haben. Bei aller inhaltlichen Auseinandersetzung, die gerade auch im Wahlkampf eine besondere Dynamik entwickelt, sollte der Umgang miteinander stets von Respekt und Wertschätzung geprägt sein - übrigens auch über Parteigrenzen hinweg.”

Indirekt üben die sechs Vorstandsmitglieder auch Kritik am Wahlkampf des Bürgermeister-Kandidaten Dr. Christian Kriegeskotte: man distanziere sich “ausdrücklich von der Art und Weise, in der in Pressemitteilungen der SPD-Fraktion gelegentlich politische Mitbewerber angegangen werden. Für eine künftige Zusammenarbeit - egal in welcher Konstellation - ist dies sicher nicht förderlich.”

Über die Reaktionen auf den Rücktritt berichten die Lokalzeitungen in ihrer Donnerstagsausgabe.

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