Grevens Klinik forscht an modernen Gelenkimplanten
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Greven -

Dr. Clemens Kösters blickt auf zwei Jahre erfolgreiche Arbeit zurück. Die Chirurgie in Greven forscht an modernen Operationsmethoden.

Sonntag, 05.07.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 07.07.2020, 10:28 Uhr
Dr. Clemens Kösters leitet seit zwei Jahren die chirurgische Klinik im Maria-Josef-Hospital.
Dr. Clemens Kösters leitet seit zwei Jahren die chirurgische Klinik im Maria-Josef-Hospital. Foto: Günter Benning

Seit zwei Jahren arbeitet Privat-Dozent Dr. med. Clemens Kösters am Maria-Josef-Hospital. Der Chirurg und sein Team haben viele Patienten von außerhalb nach Greven geholt. Über die Folgen von Corona und die Perspektiven seiner Abteilung sprach er mit unserem Redaktionsmitglied Günter Benning.

Sie hatten ungefähr eine zehnwöchige Zwangspause. Wie war das?

Kösters: Für Chirurgen ist es immer schwierig, wenn man nicht das tun darf, was man gerne macht. Aber wir haben natürlich immer die Notfallversorgung im Haus gewährleistet. Notfälle und dringliche OPs haben ja stattgefunden.

Aber die chirurgischen Highlights sind ausgefallen?

Kösters: Die Unfallchirurgie ist ja auch auch sehr herausfordernd. Aber die geplanten großen Operationen haben wir aus guten Gründen abgesagt, und das ist natürlich auch das, was einem fehlt. Im Moment fahren wir wieder 75 bis 80 Prozent unser Kapazitäten. Wir sind immer noch angehalten vom Krisenstab des Kreises Steinfurt, dass man Betten frei lässt, um möglicherweise schnell reagieren zu können.

Sie haben in den letzten zwei Jahren viele Besucher und Patienten von außerhalb nach Greven gezogen. Wie sieht das jetzt aus?

Kösters: Das hat sich eigentlich wieder eingespielt. Die Patienten kommen auch von außerhalb. Das Problem ist die Sprechstunde, die immer noch reduziert läuft. Da müssen wir sehr auf die Anzahl der Patienten achten. Also, alles ist noch etwas auf Sparflamme, aber die Leute kommen.

Sie haben eine Kamera auf ihrem Computer. Für Ferndiagnosen?

Kösters: Nein, das mache ich nicht. Wir haben zwar über die St. Franziskus-Stiftung die Möglichkeit bekommen, Videosprechstunden zu machen. Das geht auch in gewissem Maße, aber ehrlich gesagt, ist bei uns das Untersuchen ganz wichtig. Man braucht einen persönlichen Live-Eindruck, sonst kann man viele Sache nicht entscheiden. Schon gar nicht über eine Operation.

Viele Hausärzte experimentieren damit.

Kösters: Bei kleinen Sachen kann man bestimmt was machen. Aber die klinische Untersuchung kann man fast nicht ersetzen.

Sie sind zwei Jahre in Greven. Wie hat sich Ihre Abteilung entwickelt?

Kösters: Sehr gut, darauf bin ich stolz. Gemessen wird man natürlich an OP-Zahlen, die sind hochgegangen. Aber wichtiger ist mir die Rückmeldung aus der Bevölkerung oder von den Hausärzten, die mit uns sehr zufrieden sind.

Das ist ein gutes Zeichen, wenn die Kollegen Patienten schicken?

Kösters: Natürlich, vor allem auch die Orthopäden aus Greven, Münster und Osnabrück. Das ist ein gutes Zeichen. Vieles hängt von den Zuweisern ab, von Praxen, die Patienten zu uns schicken. Zum Glück konnte ich noch einen neuen Oberarzt aus Osnabrück gewinnen, Dr. Christian Wegmann. Er war früher Radrennprofi. Sein Spezialgebiet ist die Schulterchirurgie, aber auch Endoprothetik, also die Arbeit mit Implantaten. Er ist eine gute Adresse für Sportler mit Schulterproblemen.

Sportler hatten ja in der jüngsten Zeit kaum Möglichkeiten, sich zu verletzen. Merkt man das in der Chirurgie?

Kösters: Ein bisschen weniger Kreuzbänder sind gekommen – in den letzten Wochen hat es aber wieder angezogen. Viele Spiele wurden ja abgesagt. Tatsächlich sind aber die Leute mit vielen Sachen nicht zum Arzt gegangen.

Jetzt ist ja Greven ein kleines Haus…

Kösters: Das „klein” können sie direkt streichen. Unser Haus hat nicht so viele Betten, aber entscheidend ist die Expertise und da haben wir hier exzellente Leute, die man teilweise an Uni-Kliniken nicht findet. Ich bin sehr stolz auf mein Team. Manche Uniklinik hat nicht solche Oberärzte.

Wie kriegt man die? Mit Geld oder guten Worten?

Kösters: Wie in anderen Bereichen: Gute Leistung muss honoriert werden. Sicher spielt eine gute persönliche Vernetzung ebenfalls eine Rolle. Ebenso wie die Freiheiten in der Arbeitsplatzgestaltung.

Wie geht es weiter?

Kösters: Wir wollen für die Region ein wichtiger Baustein sein und mehr Operationen fahren. Das machen wir mit modernen Operationsmethoden und Geräten. In den Debatten vor der Corona-Krise ging es ja auch um die Schließung kleinerer Häuser. Davon ist gerade keine Rede mehr. Man muss sich positionieren.

Was ist technisch neu bei Ihnen?

Kösters: Da gibt es gelenkerhaltende Methoden. Man muss nicht jedes Knie mit einer Knieprothese versorgen. Da geht es um Umstellungsoperationen. Mini-Implantate, die spezifisch auf die Patienten angefertigt sind.

Also im 3-D-Druck?

Kösters: Ja, in der Richtung. Dann gibt es Kreuzband erhaltende Operationsverfahren. Da gibt es moderne Techniken, da sind wir vorne mit dabei. Neulich haben wir einen Preis, das „Paper of the Month“ an der Uni-Klinik Münster gewonnen. Mit einem Aufsatz über kreuzbanderhaltende Techniken, die im American Journal of Sports Medicine erschienen ist. Das zeigt auch, dass wir nicht nur bei Operationen auf einem guten Stand sind. Es laufen auch Studien in unserer Klinik, die sich zum Beispiel mit Mini-Implantaten beschäftigen. Damit haben wir auch schon einen Preis gewonnen.

Welchen Vorteil haben eigentlich diese Mini-Implantate?

Kösters: Es gibt ja einerseits Knieprothesen, die das ganze Knie ersetzen – und trotzdem auf die Patienten angepasst sind. Nach einem MRT- oder CT-Modell. Diese Prothesen sind genau auf den Patienten angepasst. Und dann gibt es für Knorpelschäden am Oberschenkel, die zwar fortgeschritten, aber noch lokal begrenzt sind, Mini-Implantate an die Oberfläche des Knies anpasst. Das passt nur zu dem Patienten und nur zu dem Defekt.

Brauchen Sie da Orthopädietechniker dafür?

Kösters: Nein, tatsächlich läuft das über ein schwedisches Start-up-Unternehmen, Episurf Medical. Da schickt man die Daten online hin. Die generieren ein virtuelles 3D-Modell. Man kann online sehen, wo die Schäden sind. Daraus kann man die Mini-Prothese herstellen lassen.

Klingt teuer?

Kösters: Ja. Da Krankenhäuser nur nach Fallpauschalen bezahlt werden, wäre es für das Krankenhaus am besten, nur ein Standard-Implantat einzusetzen. Eine Standard-Knieprothese würde etwa ein Drittel von diesen neuen Modellen kosten.

Das ist bei neuen Techniken oft so, etwa der Schlüsselloch-Operationstechnik. Erst ist es sehr teuer, dann machen es alle und es wird günstiger. Erwarten Sie das hier auch?

Kösters: Wenn man 50 Jahre in die Zukunft guckt, dann glaube ich nicht, dass noch nicht an den Patienten angepasste Prothesen eingesetzt werden.

Ist das für die Patienten angenehmer?

Kösters: Bisher gibt es wenige Studien dazu. Ich glaube, es ist logisch, dass etwas individuell Angepasstes automatisch besser für den Patienten ist. Heute ist es eher etwas Besonderes für wenige Patienten.

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