Urteil gegen zwei Grevener
Nach sexistischer Beleidigung flog die Faust

Greven -

Der Täter war schockiert. Das Rheinenser Jugendgericht verurteilte ihn zu 14 Monate ohne Bewährung.

Freitag, 10.07.2020, 11:00 Uhr

Schockiert wirkten die beiden 22-jährigen Angeklagten aus Greven, als der Richter des Jugendschöffengerichts sie wegen gefährlicher Körperverletzung zu 14 Monaten ohne Bewährung, den anderen zu einer Geldstrafe von 6300 Euro bei 90 Tagessätzen à 70 Euro verurteilte. Eigentlich war ein Freispruch erwartet worden, den die Staatsanwältin und die Verteidiger beantragt hatten. Während der Beratungszeit des Gerichts herrschte eine entspannte Stimmung im Gerichtssaal, die mit der Urteilsverkündung jäh endete.

Einer der beiden, der bereits aus der Strafhaft wegen Körperverletzung vorgeführt wurde, brachte schon fünf Monate mit in die Verhandlung, die in das neue Urteil einflossen. Seine Gesichtszüge entgleisten, und er pöbelte laut in die Urteilsbegründung des Richters, so dass sein Anwalt ihn beschwichtigen musste. Bei dem Mitangeklagten ging das Gericht von einem minder schweren Fall aus. Deswegen kam er mit der hohen Geldstrafe davon.

Bezüglich der ersten Tat vor Mc Donalds im Dezember 2018 folgte das Jugendschöffengericht den Freispruch-Anträgen. Aber die gemeinschaftlich begangene Körperverletzung danach auf dem Weg in die Innenstadt sei ohne jeden Zweifel erwiesen, sagte der Richter. Die „glaubhaften Aussagen der Geschädigten“ (Richter) hätten das Gericht von der zweiten Tat überzeugt. Das Jugendstrafrecht fand keine Anwendung mehr, obwohl einer von ihnen bei der Tat noch unter 21 Jahren war.

Zu den Taten: Kurz vor Silvester kam es bei Mc Donalds zu einem heftigen Streit, als ein Gast über die Freundin des Häftlings sagte: „Die würde ich auch mal ficken.“ Der Streit eskalierte vor dem Imbiss, löste sich aber auf. Diesbezüglich erfolgte ein Freispruch, weil die Beweislage zu dünn war.

Drei Gäste im Alter von 32 und 35 Jahren, von denen einer die sexistische Bemerkung gemacht hatte, entfernten sich danach über die Emsbrücke, die beiden Angeklagten seien ihnen laut brüllend gefolgt, wie die drei Männer als Zeugen vor Gericht sagten. Sie seien stehen geblieben, als der inzwischen Inhaftierte auf sie zugekommen sei.

Der Geschädigte, ein 35-jähriger Ingenieur aus Greven, hätte zu ihm gesagt: „Wir wollen keinen Stress“. Der Verfolger habe ihm sofort den Faustschlag ins Gesicht verpasst. Er sei bewusstlos zu Boden gegangen und erlitt einen Sprunggelenksbruch im Fuß, Prellungen im Gesicht und eine Gehirnerschütterung. Als einer seiner Kollegen sich über ihn beugte, sei auch er von beiden Angeklagten attackiert worden. Der Dritte rief die Polizei.

Die Provokation räumte einer der Zeugen ein. „Sie ist mir rausgerutscht und sehr peinlich. Ich habe mich sofort entschuldigt“. Alle drei Zeugen waren sicher, dass der Häftling den Faustschlag begangen hatte, wenngleich der Mitangeklagte behauptete, er sei es gewesen. Das Gericht ging davon aus, dass er seinen erheblich vorbestraften Freund schützen wollte.

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