Poetry-Slam am Beach
Slamen zwischen rot-weißem Flatterband

Und sie durften doch: Am Beach fand am Freitag der erste Poetry-Slam des Jahres statt. Morgens hatten die Veranstalter noch eine einstweilige Verfügung dagegen befürchtet.

Montag, 13.07.2020, 11:00 Uhr aktualisiert: 13.07.2020, 15:03 Uhr
Junge Künstler am Mikrofon (v.l.): Jens Kotalla, Florian Stein, August Klar, Jann Wattjes, Luca Swieter und Samma Sumara.
Junge Künstler am Mikrofon (v.l.): Jens Kotalla, Florian Stein, August Klar, Jann Wattjes, Luca Swieter und Samma Sumara. Foto: Günter Benning

Jens Kotalla signiert seine Emails mit der schönen Berufsbezeichnung „Kulturlandschaftsprägender“. Jetzt steht der gebürtige Grevener, der bundesweit slammt, moderiert, ukuleliert, auf der zwei mal zwei Meter großen Bühne am Beach und hält seinen schwarzen Hut hin: „Es sind schwere Zeiten für Künstler, gleich in der Pause können sie hier spenden.“

Zwei mal zwei Meter, das ist so klein, dass am Mittag dieses Freitags das Verwaltungsgericht in Münster darin keine Gefahr für die Naturlandschaftsprägung an der Ems gesehen hatte. Weshalb es keine einstweilige Verfügung gegen den Poetry Slam aussprach, wie sie der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) beantragt hatte.

60 Zuschauer

Jens Kotalla hat davon nur am Rande gehört. Er ist mit der Rückkehr in die Normalität beschäftigt. Fünf junge Wortkünstler duellieren sich am Beach. Sie kommen aus der Region von Paderborn bis Bochum. Sie wollen lostexten. So wie Samma Sumarum (Künstlername), Studentin der Germanistik: „Ich hatte jetzt zwei Monate nichts, das macht keinen Spaß.“ Manchmal arbeitet sie tagelang an ihren Versen: „Je nachdem, wie mich was aufregt.“

Der Beach ist von rot-weißem Flatterband eingehegt. „Natürlich wegen Corona“, sagt Jan Policnik von Greven Marketing, aber es passt auch gut, wenn man erklären will, dass die Kultur eigentlich wenig die Landschaft umprägt. Jenseits des Flatterzauns wuchert das Kraut hüfthoch. Die Stadtgärtner mähen mit Absicht nicht, um freilaufendes Publikum abzuhalten.

Rund 60 Zuschauer hören sich den Poetry-Slam an, vergeben Punkte, haben Spaß. Im Hintergrund geht gleißend die Sonne unter. Das Hygienekonzept, das Policnik verfasst hat, hätte Raum für 240 Besucher gehabt. Die hätte man an Tische setzen können. Thekenverkehr - natürlich nur mit Mundschutz möglich. „Wir sind froh“, sagt der Marketing-Mann, „dass wir überhaupt was machen können.“

Punktsieger: Wattjes

Beach-Wirt Christian Tanki Schürhaus hat die Begründung des Verwaltungsgerichts noch nicht gelesen. „Was will der Nabu?“, fragt er, „wir machen das hier doch schon seit 14 Jahren.“ Gerade hat er noch mal 20.000 Euro in die Hand genommen, um die Wege am Beach zu renovieren, alles auf Vordermann zu bringen: „Fehlt nur gutes Wetter.“

Die Wortkünstler – August Klar, Samma Sumara, Luca Swieter, Jann Wattjes, Florian Stein – geben Einblick in jugendliche Befindlichkeiten. Sama Samara aus OWL wirbt engagiert für queere Menschen. Luka Swieter aus Köln befasst sich mit Farbenlehre in der Literatur („weißes Kanichen, grünes Futter bei Borchert“). Und Jann Wattjes arbeitet sein Bahntrauma ab: „In der Neuauflage der Bibel heißt Sodom und Gomorrha jetzt Kassel Wilhelmshöhe.“ Sowas gibt Jury-Punkte, aber das Schöne: die können schon mal von Tisch zu Tisch zwischen zwei und neun variieren. Im Finale schwadronieren Samma Sumarum und Jann Wattjes um die Wette. Punktsieger: Wattjes.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7491555?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686824%2F
Nachrichten-Ticker