Lobbyarbeit mit dem Smartphone
Wie ein Jung-Landwirt die Sozialen Medien nutzt

Greven -

Acker und Instagram - passt das zusammen? Tobias Werning findet: ja. Der Landwirt hat sein Smartphone meistens griffbereit. Mit Videos wirbt er für die eigenen Produkte, aber auch für den Berufsstand. 

Freitag, 31.07.2020, 11:00 Uhr aktualisiert: 31.07.2020, 12:07 Uhr
Auf dem Kartoffelacker, im Blühstreifen, am Hühnermobil: Tobias Werning
Auf dem Kartoffelacker, im Blühstreifen, am Hühnermobil: Tobias Werning Foto: Screenshot

Beim Thema Smartphone geht es ihm wie den meisten anderen. „Mein ständiger Begleiter“, sagt Tobias Werning. Den kleinen Taschencomputer hat der Landwirt meistens griffbereit. Die Generation Smartphone sendet und empfängt, wo sie gerade unterwegs ist.

Bei Werning ist das – naturgemäß – nicht selten der Acker. Und wenn es sich anbietet, werden von dort Fotos oder Videos hochgeladen. Einige der kurzen Clips sind richtige Erklärvideos. Mal zeigt der junge Landwirt, wie Kartoffeln angebaut werden, ein anderes Mal erfahren die Zuseher etwas über den Tagesablauf eines Huhnes auf dem „Frischehof Werning“.

Damit wirbt der junge Landwirt (34) für die eigenen Produkte, klar. Aber eben auch für den Berufsstand. Er erklärt, unter welchen Bedingungen angebaut wird, zeigt üppige Blühstreifen neben dem Kartoffelacker, geht auch auf die Herausforderungen der Landwirtschaft ein. „Es geht auch darum, Landwirtschaft zu erklären und zu zeigen wie wir Landwirtschaft betreiben“, sagt er.

„Ich will einen Gegenpart setzen“

Die Videos versteht er insofern auch ausdrücklich als Lobbyarbeit für sich und seine Berufskollegen. Denn Landwirte seien in den sozialen Medien „ein bisschen unterrepräsentiert“, räumt er ein, was zur Folge habe, dass diese Plattformen gern genutzt werden von jenen, die „Lobbyarbeit gegen uns“ machen, sagt Werning. Dem wolle er etwas entgegensetzten. Ohne Polemik, sondern mit sachlichen Infos. „Ich will einen Gegenpart setzen. Es geht darum, einfach offen zu zeigen, was man macht.“ Für Werning, der sich auch im Landwirtschaftlichen Ortsverband Greven engagiert, ist diese Werbung für den Berufsstand nicht nur ein Nebenprodukt seiner Videos, sondern der „Kernantrieb“. Dabei erhebt er nicht den Anspruch, neutral zu informieren. „Das ist natürlich subjektiv. Ich bin schließlich Landwirt“, sagt er. Aber sachlich und fachlich korrekt müsse es schon zugehen.

Mit den Fotos und Videos erreiche er eine erstaunlich große Zielgruppe. „Es wundert mich manchmal selbst, wie viele Klicks da zustande kommen“, sagt er schmunzelnd. Bei den Klicks bleibt es nicht: Manche Zuseher hinterlassen auch Kommentare oder schicken private Nachrichten. Meistens fallen die Reaktionen positiv aus. „Das Feedback ist ganz gut, und das freut uns.“ Und nicht zuletzt führt die Aufmerksamkeit auch zu ganz konkreten Besuche von (Neu-)Kunden auf dem Hof in Guntrup.

„Den Austausch provozieren"

Vor allem die Erklärvideos haben auch noch eine andere (erwünschte) Wirkung: Sie stoßen hier und da einen interessanten Dialog an. „Man kommt da ins Gespräch mit Leuten, die einen auf der Straße nicht unbedingt ansprechen würden.“ Insofern wolle er mit der Lobby-Arbeit auch ein bisschen „den Austausch provozieren“. Dass sich auch manche melden, die die Landwirtschaft eher kritisch sehen, ist dabei einkalkuliert. Er lade diese Menschen dann immer zu einem Hofbesuch ein, damit sie sich vor Ort ein Bild machen könnten. Angenommen hat diese Einladung indes noch keiner der Kritiker.

Manche der Videos sind vorher geplant, manche entstehen ganz spontan. Etwa jenes, in der der moderne Jung-Bauer mit Nachwuchs zu sehen ist, den er sich mit Tragetuch vor den Bauch geschnallt hat. Dass er bisweilen auch ein bisschen Privates preisgibt – für ihn kein Problem, wenn es im Rahmen bleibt. „Ich würde zum Beispiel nicht unbedingt das Kind mit dem Gesicht in die Kamera halten.“ Bei jenem Video filmte die Gattin mit ihrem Handy, bisweilen übernimmt auch mal jemand anderes diese Rolle, so wie es eben gerade passt.

Das authentische Auftreten des Landwirts kommt ganz offensichtlich an. Viele Videos wurden auf den verschiedenen Plattformen (Instagram, Facebook) hundertfach geklickt. „Das stößt schon auf ein gewisses Interesse“, sagt Tobias Werning bescheiden. „Das bestärkt einen natürlich.“

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