Betrunken mit dem Auto ins Blumengeschäft
Bewährung trotz vieler Vorstrafen

Reckenfeld -

Ein Mann, der im vergangenen Jahr betrunken mit seinem Auto in einem Blumengeschäft landete, wurde am Freitag zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Sonntag, 02.08.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 06.08.2020, 09:30 Uhr
Betrunken mit dem Auto ins Blumengeschäft: Bewährung trotz vieler Vorstrafen
Foto: Lukas Wiedau

Mit 2,15 Promille Alkohol im Blut überfuhr ein 39-jähriger Mann aus Dülmen am 5. Dezember des vergangenen Jahres den Kreisverkehr auf der Grevener Landstraße in Reckenfeld und landete in einem Blumengeschäft. Dort soll er ausgestiegen sein, einen Insassen in den Schwitzkasten genommen und ihm gedroht haben, ihn umzubringen, wenn er der Polizei sage, dass er gefahren sei. Eine weitere Insassin wurde leicht verletzt. Der Sachschaden betrug laut Anklage 2500 Euro.

Weil der Fahrer flüchten wollte, hielt ein 24-jähriger Anwohner ihn fest und kassierte einen Kinnhaken von ihm. Am Freitag landete der Fall in Rheine vor Gericht. Der Zeuge beschrieb den Tathergang „glaubhaft und nachvollziehbar“, was sogar der Verteidiger in seinem Plädoyer hervorhob. Der Angeklagte erinnerte sich angeblich nur dunkel daran, dass er von seiner getrennt lebenden Ehefrau den Autoschlüssel an sich genommen hatte und losgefahren war. „Danach setzt meine Erinnerung aus“, behauptete er vor Gericht, „aber mein Mandant streitet die Tat nicht grundsätzlich ab“, ergänzte sein Verteidiger.

Zudem soll bei ihm am 27. August eine geringe Menge Marihuana sichergestellt worden sein. Weiter warf die Staatsanwaltschaft ihm eine fahrlässige Trunkenheitsfahrt am 28. Oktober bei 1,3 Promille Alkohol im Blut vor. Sein Vorstrafenregister war lang. Der Verteidiger erhob Einspruch gegen die Verlesung der früheren Taten, die nicht mehr urteilsrelevant seien. 2012 wurde er am Amtsgericht Dülmen wegen Handelns mit Betäubungsmitteln zu zwei Jahren und vier Monaten ohne Bewährung verurteilt. Zwei Drittel hat er verbüßt, der Rest war zur Bewährung ausgesetzt worden. Seitdem hatte er nur noch Geldstrafen wegen einschlägiger Straftaten bekommen, zuletzt am 25. Juli 2018 wegen Fahrens ohne Führerschein eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 30 Euro.

„Seit dem Unfall ist Schluss mit Alkohol, ich habe seitdem keinen Tropfen mehr getrunken. Es war der erste Unfall mit Personenschaden, das hat mich schockiert“, sagte der Angeklagte. Er erklärte sich zu einer ambulanten Therapie bereit und konnte das Gericht von seinem Kurswechsel mit der Ankündigung einer Umschulung in einen Handwerksberuf überzeugen.

Deswegen verurteilte die Richterin ihn am Ende wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung in Tateinheit mit Fahren ohne Führerschein, Bedrohung und Nötigung des Insassen, Körperverletzung des Zeugen und fahrlässiger Körperverletzung an der Beifahrerin zu einem Jahr und zwei Monaten mit Bewährung. Der Führerschein wurde für zwei Jahre gesperrt. Er muss Kontakt zur Suchtberatung aufnehmen und 750 Euro an die Staatskasse zahlen.

Damit blieb die Richterin im Urteil einen Monat unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

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