NRW-Gesundheitsminister zu Gast im Deutschen Haus
Laumann liefert ab

Reckenfeld -

Karl-Josef Laumann nimmt kein Blatt vor den Mund und bekommt viel Applaus im Deutschen Haus in Reckenfeld.

Montag, 10.08.2020, 11:00 Uhr aktualisiert: 10.08.2020, 11:31 Uhr
Stand bei dem CDU-Bürgermeisterkandidaten Dietrich Aden (rechts) ganz oben auf der Besuchsliste: NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann.
Stand bei dem CDU-Bürgermeisterkandidaten Dietrich Aden (rechts) ganz oben auf der Besuchsliste: NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Foto: Sven Thiele

Er erklärt, erläutert, mahnt, demonstriert Entschlossenheit. Dabei verwendet er kurze, verständliche Sätze. Er verklausuliert nicht. Stattdessen bemüht er das offene Wort. Man könnte auch sagen: Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Und das, obwohl seit dem Frühjahr dieses Jahres, genauer gesagt dem 25. Februar, kein NRW-Minister so im Fokus der Öffentlichkeit steht wie der für Gesundheit, Arbeit und Soziales zuständige Karl-Josef Laumann (CDU).

Dieser Karl-Josef Laumann bemüht sich nicht nur, glaubwürdig bei seinem Publikum rüberkommen, es gelingt ihm auch. Er liefert ab: Einen Zustandsbericht über sechs Monate Corona-Ausnahmezustand. Eine westfälisch bodenständig vorgetragene Analyse, die vieles benennt und nichts schönt. Auch deshalb ist Karl-Josef Laumann der Applaus im Deutschen Haus in Reckenfeld gewiss. Applaus für Entscheidungen, die das Leben der allermeisten Menschen verändert haben. In den meisten Fällen sicher nicht in positivem Sinne.

Dietrich Aden will im September ins Grevener Rathaus einziehen. Dass der 32-jährige Bürgergeister-Kandidat der CDU über beste politische Verbindungen verfügt, kommt ihm im Wahlkampf zugegen. Karl-Josef Laumann ist der erste auf seiner Besuchsliste. Nach dem Lock-Down ist es auch die erste Wahlkampfveranstaltung dieser Art, zu der immerhin 50 Besucher zugelassen sind. In den kommenden Wochen folgen noch Ministerpräsident Armin Laschet und Bundesgesundheitsminister Jans Spahn.

An diesem Samstag wirft sich Karl-Josef Laumann für Dietrich Aden in die Bresche. Er verhehlt nicht, dass er große Stücke auf den Nachwuchspolitiker hält. „Ich bin mir bei ihm sicher, dass er seine Politik am Gemeinwohl ausrichten wird und es ihm wichtig ist, Impulse zu setzen“, betont Laumann.

Dann wendet er sich dem Thema zu, das seit Monaten alles überschattet: Corona. Eine Stunde lang erläutert der Minister die Politik der Landesregierung, erklärt, warum die Familien vieles aufgefangen hätten und ihre Stärkung von großer Bedeutung sei, warum die Kurzarbeit das wirksamste Ins­trument zur Stabilisierung sei und in welchen Punkten die Pandemie ihm die Augen geöffnet habe. Kritisch betrachtet Laumann die Globalisierung. „Wir müssen lernen, es gibt Grenzen.“

Überhaupt: Die Pandemie wirke wie ein Brennglas, betont Laumann gleich mehrfach. Dann geht er auf die Situation in der industriellen Fleischwirtschaft ein, erkennt die unzureichende personelle Ausstattung der Gesundheitsämter an und sieht bei der fortschreitenden Digitalisierung die Notwendigkeit, soziale Aspekte zu berücksichtigen.

Klar ist: Bei einer CDU-Veranstaltung genießt ein CDU-Minister Heimvorteil. Laumann, der an diesem Samstag zuvor in Rheine und Ladbergen vorstellig geworden ist, macht den Eindruck, als fühle er sich beim Wiedersehen in Reckenfeld wohl. Daran ändern auch die kritischen Töne in der anschließenden Diskussion nichts.

Hier wird vor allem eines deutlich: Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie wirken dramatisch. Und sie werden vor Ort spürbar. So wie in der Veranstaltungs- und Schausteller-Branche. Stefan Brinkbäumer, Schausteller aus Reckenfeld, berichtet, dass sich seit März keines seiner Kinderkarussells mehr dreht. Eines hat er vor dem Deutschen Haus zur Veranschaulichung geparkt. „Ich bin auf null.“ Mittlerweile schiebe er Nachtschichten bei einem Paketdienstleister, um über die Runden zu kommen. Mit zittriger Stimme wendet sich Brinkbäumer fast schon flehentlich an den Minister: „Lassen sie uns wieder anfangen.“

Diesmal hört Karl-Josef Laumann aufmerksam zu. Gleichwohl vermeidet er es, Versprechungen zu machen. Und er bleibt dem offenen Wort treu: „Wir können keine Kirmes zulassen.“ Dann erklärt er weiter. In der Hoffnung, seine Politik an der Basis vermitteln zu können.

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