Mildes Urteil für einen 15 Mal vorbestraften Familienvater
Fast wieder hinter Gittern

Greven -

Trotz 15 Vorstrafen muss ein 50 Jahre alter Grevener nicht ins Gefängnis. Der aktuelle Krankengeld-Bezieher musste sich jetzt wegen vier Betrugsdelikten vor Gericht verantworten.

Samstag, 15.08.2020, 09:30 Uhr aktualisiert: 18.08.2020, 09:41 Uhr
Mildes Urteil für einen 15 Mal vorbestraften Familienvater: Fast wieder hinter Gittern

Der Verteidiger sah seinen Mandanten – ein 50 Jahre alter Grevener – schon mit einem Bein im Gefängnis. Der aktuelle Krankengeld-Bezieher musste sich jetzt wegen vier Betrugsdelikten vor dem Amtsgericht Steinfurt verantworten.

15 Vorstrafen – zum Teil einschlägig – hatte der verheiratete Vater zweier Kinder im Alter von zwölf und zehn Jahren bereits auf dem Kerbholz. Erst im Oktober 2018 wurde der Angeklagte nach einer verbüßten dreijährigen Freiheitsstrafe wegen Betruges in 35 Fällen aus einer Justizvollzugsanstalt entlassen. Bereits nur knapp zehn Monate später verkaufte er über ein Online-Kleinanzeigen-Portal drei Laptops und ein Smartphone, ohne jemals die elektronischen Geräte nach Eingang der Zahlungen an die Käufer zu versenden. Insgesamt 1390 Euro kassierte der gebürtige Rheinenser dafür.

„Aller Vorwürfe sind richtig“, räumte sein Anwalt ein und gab als Grund, den krankhaften Zwang seines Mandanten zu Betrügereien an. Seit Anfang August sei der Grevener in Therapie. Das Attest einer psychiatrischen Praxis bescheinigte dem 50-Jährigen gute Erfolgsaussichten, das Problem in den Griff zu bekommen.

Doch das alles beeindruckte die Staatsanwältin nicht. Sie forderte für den Beschuldigten angesichts der unzähligen Vorstrafen und den Rückfällen kurz nach der Haftentlassung eine Gesamtfreiheitsstrafe in Höhe von zwei Jahren ohne Bewährung. Der Verteidiger hingegen kämpfte für seinen Mandanten und wies auf die angefangene Therapie und auf die gute Sozialprognose hin.

Mit Erfolg. Nachdem der der Grevener Täter sich für seine Betrügereien entschuldigt hatte und versicherte, sein Leben jetzt in den Griff zu bekommen, verurteilte ihn die Richterin insgesamt zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr, sieben Monaten und zwei Wochen, die tatsächlich zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zusätzlich muss der Täter 250 unbezahlte gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten und seine Therapie fortsetzen. Das Urteil freute den Verteidiger, der zum Abschluss zur Richterin gewandt sagte: „Sie sehen mein zufriedenes Lächeln.“

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