Kein Bürgerbüro in Reckenfeld
Abfuhr für Rathaus-Außenstelle

Reckenfeld -

Eine Außenstelle des Grevener Rathauses in Reckenfeld – die wird es bis auf Weiteres nicht geben. Einem Antrag der Fraktion Reckenfeld direkt, eine solche Servicestelle im künftigen Bürgerhaus einzurichten, erteilte Bürgermeister Peter Vennemeyer nun eine deutliche Absage.

Samstag, 15.08.2020, 21:34 Uhr aktualisiert: 19.08.2020, 10:02 Uhr
Das Bürgerbüro im Grevener Rathaus wird auch weiter von Reckenfeldern angesteuert – eine Dependance im Ortsteil gibt es bis auf Weiteres nicht.
Das Bürgerbüro im Grevener Rathaus wird auch weiter von Reckenfeldern angesteuert – eine Dependance im Ortsteil gibt es bis auf Weiteres nicht. Foto: Jannis Beckermann

 

Ernst Reiling (Reckenfeld direkt) hatte nichts unversucht gelassen, als er den Antrag im Bezirksausschuss begründete. „Wir gehen auf 9000 Einwohner zu“, sagte er. Der „Respekt vor diesen Ort“ gebiete es, alle Möglichkeiten zu prüfen. „Andere Städte handeln anders“, sagte er zum klaren Nein von Vennemeyer.

Der hatte zuvor ausgeführt, dass man schlicht nicht die finanziellen, personellen und technischen Ressourcen habe, um Sprechzeiten anbieten oder gar ein Bürgerbüro einrichten zu können.

„Wir können bilanzieren, dass angebotene Sprechzeiten in der Vergangenheit kaum oder gar nicht in Anspruch genommen wurden“, sagte der Verwaltungschef. Das Vorhalten von Arbeitsplätzen, mit allem was dafür nötig sei, „sei schlicht und ergreifend unwirtschaftlich“.

Hinzu komme ein zunehmender Trend zur Digitalisierung, was weniger direkte Behördenkontakte notwendig mache. Bestimmte behördliche Dienstleistungen müssten ab 2023 sogar zwingend digital bereitgestellt werden. Dass die dann auch genutzt werden steht für Vennemeyer außer Frage. „Die Bereitschaft, Online-Services zu nutzen, steigt – auch bei der älteren Bevölkerung.“ Die aktuelle Pandemie befördere diesen Trend nochmals. Das mache Außenstellen, so es sie denn gibt, zunehmend entbehrlich. „Das Vorhalten sämtlicher Verwaltungsleistungen in einer Außenstelle ist ohnehin undenkbar“, betonte der Bürgermeister. Verwaltungsvorgänge, etwa im Bauamt, Jugendamt oder im Jobcenter, würden zunehmend komplexer. Daher könne die Verwaltung nur empfehlen, von Wünschen, ein solches Bürgerbüro in Reckenfeld einzurichten, Abstand zu nehmen.

Reiling war damit naturgemäß nicht zufrieden. „Sie haben das Ziel einfach verfehlt“, attestierte er dem Bürgermeister. Man brauche „neue Tendenzen, die durch neue Leute auf den Tisch kommen. Ich weiß nicht wie ich das noch klarer ausdrücken soll.“ Musste er gar nicht – allen war klar, dass Reiling auf Vennemeyers auslaufende Amtszeit und damit auf einen neuen Bürgermeister ab September anspielte.

Vennemeyer konterte mit einer Frage: „Haben Sie schon mal einen Personalausweis abgeholt? Wissen sie um die technischen Notwenigkeiten dafür? Dann wissen Sie auch, dass wir in Reckenfeld diese technischen Notwenigkeiten nicht einrichten können. Wir können hier nicht mal den Antrag auf einen Personalausweis annehmen, weil schlichtweg die technischen Voraussetzungen nicht zu schaffen sind. Das funktioniert nicht.“ Ein Glasfaseranschluss allein reiche nicht aus. Das gelte auch für Anträge auf Grundsicherung und Wohngeld. „Es ist auch nicht so, dass wir nichts machen. Bei Leuten, die Probleme mit der Mobilität haben, fahren wir zu ihnen und helfen.“

Dominik Uhlenhake (Linke) würde eine Außenstelle in Reckenfeld als gutes Signal werten, jedoch sei nachvollziehbar, dass dort nicht alles angeboten werden könne – weshalb er vorschlug, eine Auflistung zu erarbeiten, welche Dienstleistungen in einer Außenstelle überhaupt angeboten werden könnten. Das sagte Vennemeyer prompt zu. „Wir stellen mal zusammen, welche Dinge gehen könnten. Aber das wird nicht viel sein.“

Janina Rebholz schlug vor, die digitalen Möglichkeiten mit Infobroschüren zu flankieren. Auch das sagte Vennemeyer zu.

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