Toni Hofreiter besucht Ems-Baustelle – und äußert sich auch zum Beach-Konflikt
„Wir haben es in der Hand“

Greven -

Anton Hofreiter ist promovierter Biologe, Artenschützer und Fraktionschef der Grünen im Bundestag. Beim Besuch in Greven inspizierte er zusammen mit Dr. Michael Kösters-Kraft den Emsausbau. Und hatte eigene Ansichten zur Nutzung des Beach durch die Anwohner.

Donnerstag, 27.08.2020, 09:18 Uhr
Der grüne Fraktionschef im Bundestag (vorne
Der grüne Fraktionschef im Bundestag (vorne Foto: Oliver Hengst

Zum Glück hatte der Bayer seine „Bergschuhe“ dabei. So nennt Anton Hofreiter das, was bei Flachland-Münsterländern als Wanderschuh durchgeht. Schnell einen angereichten (immerhin teilweise grünen) Regenschirm geschnappt – und die Wanderung konnte losgehen. Bei echtem Sauwetter ließ sich der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag am frühen Dienstagabend die Emsbaustelle zeigen. Der grüne Bürgermeisterkandidat Dr. Michael Kösters-Kraft gab den Wanderführer. Angesichts des Promi-Besuches hatten sich nicht nur die grüne Grevener Spitzenkandidatin Janina Rebholz und die Landratskandidaten Birgit Neyer eingefunden, sondern rund 40 weitere Besucher.

Hofreiter, der zuvor in Dülmen und Coesfeld war, kam auf die Minute genau in einem Kompaktklasse-Pkw vorgefahren – als Beifahrer. „Der hat bestimmt oben an der Ecke gewartet, dass es 17 Uhr wird“, unkte Kösters-Kraft.

Beim Spaziergang entlang der Ems, die im Bereich rund um Freibad und Setex ein ganz neues Bett erhält, zeigte der grüne Bürgermeisterkandidat seinem Parteikollegen die imposante Baustelle, die die einst verlegte und kanalisierte Ems wieder in einen naturnäheren Zustand bringen soll. Hofreiter kannte ähnliche Maßnahmen von der Isar in München, wo die Renaturierung sehr erfolgreich gewesen sei.

„Das sieht vielleicht etwas merkwürdig aus, weil man im Moment vor allem viele Steine sieht“ sagte Kösters-Kraft. Doch Hofreiter weiß: „Des muss ma scho relativ wuchtig bauen.“ Der Aufwand zahle sich aus: Sobald man die Lebensbedingungen für Flora und Fauna verbessere, hole sich die Natur den Raum zurück, den sie brauche, so Hofreiter. Eine Hoffnung, die er auch für das große Ganze hat, vor allem mit Blick auf Artensterben und Klimakrise: „Wir haben es in der Hand, es wieder in den Griff zu kriegen.“

Dauerregen und matschige Wege machten dem humorigen Bayern offenbar wenig aus. Am Wegesrand erspähte der Botaniker „eine wichtige deutsche Kulturpflanze: den Hopfen“, wie er den anderen Wanderern schmunzelnd mitteilte. „Klar, dass uns ein Bayer das sagen muss“, sagte Rudolf Kösters, Bruder des Bürgermeisterkandidaten und direkter Anwohner der Baustelle.

Hofreiter besucht Ems-Baustelle

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  • Bündnis 90 Grüne Fraktionsvorsitzender im Bundestag Anton Hofreiter in Greven Emsbaustelle Renaturierung

    Foto: Oliver Hengst
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Kösters-Kraft verschwieg nicht, dass es innerstädtisch einen Konflikt an der Ems gebe: die Nutzung des Beaches­ für Veranstaltungen mitten im FFH-Gebiet. Hofreiter, promovierter Biologe mit besonderem Faible für den Schutz der Artenvielfalt, führte aus, dass es viele Ursachen für das dramatische Artensterben gebe. „Ich werbe daher dafür, sich mit den Hauptproblemen zu beschäftigen. Da gehört nur selten Freizeitnutzung dazu.“ Er empfahl vielmehr, den zu hohen CO-Ausstoß, die Plastikvermüllung der Ozeane und die Beschaffenheit der Fließgewässer (wie hier in Greven) anzupacken. „Wenn sich Kinder am Bach Kaulquappen ansehen, führt das nicht zum Aussterben der Art“, argumentierte Hofreiter. Im Gegenteil: Nur was der Mensch kenne und schätzen lerne, werde er auch beschützen. Er warb daher dafür, die Natur für Menschen auch erlebbar zu machen.

Gisbert Lütke vom Nabu (der Verband ist in den Beach-Konflikt involviert) gab sich gesprächsbereit. „Ich hoffe auf einvernehmliche Gespräche – nach der Wahl.“ Vor dem 13. September seien diese wohl kaum möglich. Er ist zuversichtlich, dass in solchen Gesprächen „dann auch Lösungen gefunden werden“.

Auf solche setzt auch Kösters-Kraft: „Es muss für die Menschen auch möglich sein, den Fluss zu erleben.“ Gespräche mit den Naturschutzverbänden seien dringend nötig. „Uns ist im Rat immer erzählt worden, dass es Gespräche gab und man auf einem guten Weg sei“, sagte Kösters-Kraft. Inzwischen wisse man, dass es diese Gespräche so gar nicht gab. Klar, dass man sich da „ein bisschen verarscht vorkommt“, kommentierte Hofreiter. Lütke berichtete, dass es seitens der Stadt die Ankündigung eines Gesprächstermins gegeben habe, aber der Termin nie zustande gekommen sei. Und irgendwann sei dann das Veranstaltungsprogramm für den Beach 2020 vorgelegt worden. „So geht es natürlich nicht“, sagte Lütke.

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