Daniel Taube (29) ist neuer Leiter des Paketzentrums
Einst Aushilfe, heute Chef

Reckenfeld -

„Ich bin vielleicht ein Exot“ sagt er. Die steile Karriere ist ungewöhnlich, doch er hat sich die neue Position erarbeitet.

Donnerstag, 27.08.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 31.08.2020, 09:44 Uhr
Hat eine steile Karriere hingelegt und bezeichnet sich deshalb als „Exot“. Daniel Taube, der jung zum Chef wurde.
Hat eine steile Karriere hingelegt und bezeichnet sich deshalb als „Exot“. Daniel Taube, der jung zum Chef wurde. Foto: Oliver Hengst

Mit gerade mal 29 Jahren schon Leiter des Paketzentrums und somit Chef von rund 450 Mitarbeitern – das muss Daniel Taube schon mal hin und wieder erklären. Und dabei auch Vorbehalten begegnen. „Ich gehe ganz offen damit um“, sagt er. Bedenken, er habe nur Uni-Wissen und keine Praxiserfahrung, kann er schnell aus dem Weg räumen. Denn er ist quasi bei der Post groß geworden, hat als Teenie als Aushilfe angefangen und sich dann klassisch, aber extrem schnell, hochgearbeitet.

Die steile Karriere ist dennoch ungewöhnlich, das räumt er ein. „Ich bin vielleicht ein Exot“, sagt er. Und ist noch immer etwas überrascht. „Damit hätte ich in der Kürze der Zeit selbst nicht gerechnet.“

Doch Taube ist keineswegs auf diese Position gespült worden – er hat sie sich erarbeitet. Er fing schon als Schüler bei der Post an, als Aushilfe. Stundenweise hat er in Bielefeld, fünf Minuten von zuhause entfernt, Pakete geschleppt. Hat Sendungen aufs Band gelegt oder sie in einen Lkw geräumt, ein harter Job. Auch während des Logistik-Studiums blieb er bei der Post, dehnte die Palette an Aufgaben, für die er sich empfehlen konnte, immer weiter aus.

Irgendwann machte er Aufsichten und Schichtleitungen, übernahm Aufgaben der Betriebslenkung. Dem Bachelor-Abschluss schloss sich ein Master an, letzteres nebenberuflich – denn 30 Stunden pro Woche war er weiter für die Post tätig. Da hatte man in Bielefeld längst erkannt, dass das junge Talent für Führungsaufgaben in Frage kommt. Ergo nahm man ihn unter die Fittiche und machte ihn gezielt fit für Leitungsfunktionen. Zunächst wurde Taube in Bielefeld Sachgebietsleiter. Zu einer Zeit, als gerade das Weihnachtsgeschäft anstand. Jedes Jahr feiert die Post dann neue Rekorde, das bringt immer auch neue Herausforderungen. Taube scheint sie in Bielefeld nicht schlecht gelöst zu haben. Denn schon ein halbes Jahr später machte die Post ihn zum Leiter des Paketzentrums in Reckenfeld.

Er habe „kurze Nächte“ gehabt, nachdem das Angebot kam. Eine Woche lang habe er überlegt. Nicht etwa, weil er an sich zweifelte oder gar Angst vor dem Scheitern hatte. Eher weil er das private Umfeld in Bielefeld dafür – zumindest teilweise – hinter sich lassen musste.

Schließlich sagte er zu, zum 1. April diesen Jahres wurde er Leiter des Paketzentrums in Reckenfeld, da war er 28. „Die Post hat es geschafft, mich zu überzeugen“, sagt er, der während des Studiums die Post als Arbeitgeber gar nicht so richtig auf dem Schirm hatte. Bis man ihm zu verstehen gab, dass man mit ihm plane. Da habe er beschlossen, „jetzt alles reinzuhauen“. Für die Karriere-Chance sei er „total dankbar“. Der Standort Greven/Reckenfeld sei sehr herausfordernd, aber auch zukunftsträchtig. Das Unternehmen investiert laufend, demnächst in höhere Kapazitäten. Taube bereitet das derzeit vor.

Natürlich nicht allein, denn der Linksverteidiger versteht sich – Chef hin oder her – als Teamplayer. „Man muss wertschätzend unterwegs sein und nah bei den Leuten sein. Ich würde verrückt, wenn ich nur hinter dem PC säße. Ich muss auch in den Betrieb, mit den Mitarbeitern sprechen.“ Denn Taube weiß aus eigener Erfahrung, wie fordernd die Arbeit in der Halle sein kann. „Man muss die Leute mitnehmen, denn die Arbeit ist sehr anspruchsvoll.“ Dass er einst selbst Pakete schleppte und viele andere Bereiche durchlief, hilft ihm heute. „Die fachliche Erfahrung hat es mir relativ einfach gemacht, hier Fuß zu fassen.“ Die Kollegen merkten offenbar schnell: Der Neue weiß, wovon er spricht.

Die Wohnung im Grevener Umland nutzt er als Basis, gelegentlich pendelt er nach Bielefeld. Wann immer es passt, nimmt der Hobbykicker dort am Training seiner Mannschaft teil.

Aktive Karriereplanung betreibt er nicht. „Ich bin dankbar für die Möglichkeit hier und hoffe, dass ich das viele Jahre begleiten darf.“ Er möchte in Reckenfeld den Standort sichern und ausbauen und sich persönlich weiterentwickeln. Denn die Chef-Position im Paketzentrum ist für auch „eine Chance, mich selbst besser kennenzulernen.“

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